News / 2. Handball Bundesliga

„Ich vermisse den Handball und die Eisenacher Fans“

Willy Weyrauch ist wie andere ThSV-Zweitbundesligaspieler und Vereinsmitarbeiter in Kurzarbeit

 

Das mit dem Abstand zu anderen Menschen halten ist so eine Sache: Natürlich hält Willy Weyrauch den nötigen Abstand, wenn er seine Eltern besucht. Sie sind in einem Alter, in dem sie zur sogenannten Risikogruppe gehören. Aber natürlich will der Eisenacher Handball-Profi in diesen Corona-Zeiten den Abstand auch soweit wie möglich verringern. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Seit der Corona-bedingten Unterbrechung der Spielzeit in der 2.  Handballbundesliga ist Willy Weyrauch, Rechtsaußen des ThSV Eisenach,  in Kurzarbeit und verbringt daher viel Zeit in Magdeburg, um seinen Eltern so nahe wie möglich zu sein. Dort ist er bei den Eltern seiner Freundin untergekommen. Er hilft ein wenig beim Aufbau des neuen Kosmetikstudios, mit dem die Freundin nach Corona an den Start gehen will.

Hauptaufgabe bleibt aber für Willy, fit zu bleiben. „Sobald der Verein ruft, kann ich in wenigen Stunden in Eisenach auf der Platte stehen“, so der 26-jährige Linkshänder.  Er will endlich wieder spielen. Jeden Tag gibt es deshalb einen langen Lauf. „Und ich mache viel Kraft-Ausdauer-Training.“

Der Kontakt mit dem Vereins-Physiotherapeuten Alexander Nöthe und dessen Tipps helfen da natürlich. „Das Training mit der Mannschaft ist aber dadurch nicht wirklich zu ersetzen. Handball ist nun mal ein körperbetonter Mannschaftssport“, weiß der junge Mann. Er spielt seit 2015 in Eisenach, hat gerade seinen Vertrag beim Traditionsverein bis 2022 verlängert und sich zu einem der Publikumslieblinge in der Werner-Aßmann-Halle gemausert. Regelmäßig steht Willy Weyrauch mit seinem Verein in Kontakt, um die neuesten Entwicklungen zu erfahren, steht im Austausch mit Teamkollegen. Immerhin hat die Universität wieder angefangen, wenn auch nur virtuell. Seit vergangenem Jahr studiert der 26-Jährige an der Uni Magdeburg Journalismus. Eine Handballer-Karriere ist endlich, da heißt es vorzubauen für die Zeit danach.

Ein Praktikum bei der Lokalredaktion Eisenach der „Thüringer Allgemeine“/ „Thüringische Landeszeitung“  hat er auch schon absolviert. Die Vorlesungen und Seminare an der Uni laufen über Internet. Aber der Handball ist natürlich die Nummer 1. „Die Ungewissheit, wie und wann es nun weitergeht, nervt schon“, sagt Willy Weyrauch, wobei er sich nicht beklagt, auch nicht über den finanziellen Aspekt.

Kurzarbeit bedeutet 60 Prozent des normalen Einkommens. Mancher Fußballer verdient in der 4. Liga mehr als die meisten Zweitliga-Handballer. Willy Weyrauch hofft, dass es bald weitergeht.

Diese Hoffnung ist vermutlich trügerisch. An diesem Wochenende gab es die Abstimmung der Handball-Profiklubs, wie es weitergehen soll. ThSV-Manager Rene Witte erwartet, dass die Saison abgebrochen wird. (Anm.: Ist am Dienstag geschehen.) „Anders als im Profifußball helfen uns Geisterspiele nicht weiter, im Gegenteil. Das würde es noch schlimmer machen. Das wäre der sichere finanzielle Tod, nicht nur für uns.“ Der ThSV liegt in der Tabelle ja so, dass er ohnehin – nach welcher Rechnung auch immer – weder mit Abstieg noch mit Aufstieg etwas zu tun hätte, es wird wohl Tabellenplatz 11 sein.

Man schaue derzeit von Woche zu Woche. Die rund 28 Spieler und Mitarbeiter der Geschäftsstelle sind nun seit Wochen in Kurzarbeit. Mit mehreren Aktionen, wie dem gerade laufenden Weltmeister-Ticket-Spiel, versucht der Verein, Spenden und Einnahmen zu generieren. „Die Fans ziehen toll mit. Das hilft uns schon sehr weiter, und dass die meisten Sponsoren bislang an Bord geblieben sind auch. Für die kommende Saison gibt es aber schon die ersten Absagen. Sobald endlich Klarheit herrscht, wie es weitergeht, werden wir mit allen Gespräche führen“, so Witte. Derzeit sei aber nicht absehbar, wann die neue Handballsaison starte. „Und am Ende ist klar, Handball ist ein Kontaktsport.“

Willy Weyrauch schaut weiterhin wehmütig nach Eisenach. „Ich vermisse die Stadt, die Menschen, meine Mannschaft, meinen Verein, den Handball und die grandiose Stimmung, die unsere tollen Fans in der Aßmannhalle verbreiten. Das will ich bald wieder haben.“

Peter Rossbach 

 

 

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