News / 2. Handball Bundesliga

Aufbruch mit Fragezeichen

Der ThSV Eisenach startet mit vier Neuen in die Saison. Zuschauerzahlen noch ungewiss - Von Sportjournalist Axel Eger

Saisonpressekonferenz in Mühlhausen bei "Oßwald - Fahrzeugtechnik & Technischer Handel", einer unserer beiden Hauptsponsoren

Shpetim Alaj kolportierte Konrad Adenauer. Das Zitat des Altkanzlers, wonach Geduld die stärkste Waffe des Besiegten sei, formulierte Eisenachs Vereinspräsident neu. „Geduld ist die stärkste Waffe zum Siegen“, sagte Alaj und beschrieb damit die wohl wichtigste Tugend, die der stets ambitionierte Handballverein von der Wartburg in der neuen Saison braucht.

In die nach allgemeiner Auffassung stärkste zweite Liga seit langem gehen die Eisenacher nach einer respektablen Vorbereitungsserie mit sieben Siegen in neun Spielen voll Zuversicht – angesichts des diffizilen Starts gegen die Schwergewichte Bietigheim und Gummersbach samt zweier folgender Auswärtsspiele aber auch mit Respekt. „Wir können gegen jeden punkten, doch der Auftakt kann auch sehr holprig werden“, räumte Markus Murfuni ein. Eisenachs Trainer zeigte sich mit der bisherigen Vorbereitung zufrieden, nicht zuletzt, weil die erste Pflichtspielhürde mit dem 35:31-Pokalsieg in Lübeck-Schwartau erfolgreich gemeistert wurde.

Doch Murfuni weiß, dass „Zufriedenheit gefährlich sein kann“. Und so betonte er lieber jene Trainingsinhalte, die er bis zum ersten Punktspiel weiter auf die Agenda setzt: Abwehr stabilisieren, Konstanz im Tor erzielen, Tempospiel forcieren. „Ein gutes Stück bleibt noch zu tun“, sagte der 44-Jährige. Helfen sollen dabei auch die vier Zugänge Johannes Jepsen (Tor), Ruben Carlos Sousa (Kreis), Fynn Hangstein und Malte Donker (beide Rückraum), die allesamt ihre Feuertaufe im blauweißen Trikot bestanden haben. „Man spürt, hier beginnt etwas zu keimen“, beschrieb Murfuni das mit einem Durchschnittsalter von 23,5 Jahren neue junge Miteinander. Doch was wachsen soll, brauche eben auch Zeit, mahnte Alaj an.

Die will sich auch weiterhin der unverwüstliche Günter Oßwald nehmen. Der langjährige Gesellschafter rückt neben Hasselmann wieder zum zweiten Hauptsponsor auf. Nicht nur, weil ihm Eisenach und der Handball am Herzen liegen, sondern auch, weil er findet, dass Investitionen in den Sport die Visitenkarte einer ganzen Region bereichern können. Und Oßwald skizzierte vorsichtig die Vision 2025, wenn mit der neuen Halle die erste Bundesliga wieder ein Ziel für Eisenach sein könnte – ja, vielleicht sogar: muss.

Wohin es in dieser Saison gehen kann, blieb eher im Vagen. Sponsor Oßwald hofft auf einen einstelligen Tabellenplatz, Präsident Alaj möchte „mit dem Abstieg nichts zu tun haben“ und gibt dafür die kühne Marschroute aus: alle Heimspiele gewinnen! Trainer Murfuni könnte „aus dem Stand acht Mannschaften mit mehr sportlichem und wirtschaftlichem Potenzial nennen“ und wäre darum mit einem guten Mittelfeldplatz zufrieden. Darauf ließ sich auch Neu-Kapitän Peter Walz ein. Der 27-Jährige, der in dieser Woche zum Polizeikommissar des Landes Thüringen ernannt wurde und als erster Mannschaftssportler zur Polizeifördergruppe des Freistaats gehört, berichtete vom Treffen mit seinen Kapitänskollegen aus den anderen Vereinen: „Alle blieben angesichts der bevorstehenden langen schweren Saison zurückhaltend in ihren Prognosen.“

Die größten Fragezeichen indes stehen hinter der Zulassung der Zuschauer. Solange die neue Corona-Verordnung des Landes keine konkreten Vorgaben enthält, muss der Verein immer wieder neu die Genehmigung des Gesundheitsamtes einholen. „Damit können wir momentan keine Dauerkarten verkaufen“, sagt René Witte. Wie viele Fans zum Auftakt gegen Gummersbach in die Halle dürfen, ist offen. Der Manager hofft auf ein weitgehend volles Haus, muss aber die amtliche Zulassung in der nächsten Woche abwarten. Man garantiere als Verein, dass jeder in der Halle geimpft, genesen oder getestet ist.

Eine prominente Personalie verkündete Witte ganz zum Schluss: Handballlegende Wieland Schmidt wird Torwarttrainer beim ThSV. Der Olympiasieger von 1980 wird mit den Eisenacher Keepern regelmäßig die Spiele per Videoschalte analysieren und periodisch zum Präsenztraining in Eisenach sein.