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Auszeit mit Timo Meinl, Torwarttrainer des HC Elbflorenz

"Wir haben den Anspruch, auch in Eisenach zu gewinnen" - Timo Meinl, Torwarttrainer des HC Elbflorenz, von 2006 bis 2008 im Tor des ThSV Eisenach und dessen Kapitän, vor dem Punktspiel der Elbestädter am Freitag in der Wartburgstadt

Von 2006 bis 2008 gehörte Timo Meinl zum Torhüterteam des ThSV Eisenach, trug die Kapitänsbinde des Thüringer Traditionsvereines. Nach fünf Jahren beim EHV Aue (2008 bis 2013) zog es Timo Meinl nach Dresden, zum HC Elbflorenz. Zunächst als Torhüter, danach als Torwart-Trainer. In dieser Funktion kommt er mit dem HC Elbflorenz am Freitag, 04.06.2021 in die Wartburgstadt. Der ThSV Eisenach empfängt um Zweitliga-Zähler das Team aus Dresden. In den bisherigen erst fünf Punktspielen zwischen beiden Mannschaften gelang den Wartburgstädtern noch kein Sieg. Geht es nach dem HC Elbflorenz, soll das so bleiben. Der ThSV Eisenach will den Bock umstoßen.

Wir sprachen mit Timo Meinl vor der Partie in dessen einstiger Wirkungsstätte, der Werner-Aßmann-Halle, dem Thüringer Handballtempel:

Der HC Elbflorenz rangiert mit 36:26 Punkten auf dem 4. Tabellenplatz, damit dürfte die Saisonzielstellung aktuell übererfüllt sein?

Fürwahr, vor der Saison hatten wir damit nicht gerechnet, hätten ein solches Angebot sofort unterschrieben. Ein einstelliger Tabellenplatz war unser Ziel. Vor der Corona-Zwangspause waren wir gut in Tritt, Abwehr und Angriff funktionierten. Mit den Corona-Pausen kam ein kleiner Bruch, den wir wegzustecken hatten. Zuletzt mussten wir binnen 8 Tagen 4 Punktspiele absolvieren. Das war schon hart! Generell sehen wir unsere Saisonbilanz mit Demut, wissen wir doch, wo wir herkommen. In den letzten beiden Jahren war Abstiegskampf angesagt. Die Resultate dieser Saison lassen natürlich das Anspruchsdenken für die nächste Spielzeit steigen.

Skizzieren Sie für uns bitte den Saisonverlauf?

Der Start mit zwei 27:21-Auswärtssiegen in Folge bei der HSG Konstanz und beim TuS Nettelstedt-Lübbecke sorgte natürlich für Selbstvertrauen. Manches ging dann leichter. Kleine Einschnitte gab es freilich auch, wie die Niederlage in Fürstenfeldbruck oder die klare 21:29- Heimpleite gegen den EHV Aue. Beim Rückspiel wenige Wochen später in der Erzgebirgshalle haben wir uns mit einem 35:22-Sieg deutlich revanchiert. Abgesehen von ein paar wenigen Spielen, war bei uns eine Linie drin, riefen wir gute Leistungen ab. Im Gegensatz zur Vorsaison herrschte Konstanz vor, die ihren Ausdruck in Punkten und Tabellenplatz findet.

Was zeichnet das Team aus?

Mannschaftliche Geschlossenheit. Es gibt keine Neider. Die Abwehr im Zusammenspiel mit dem Torwart überzeugt mit Härte und Intelligenz. Der Angriff agiert zumeist konstant auf gutem Niveau. Viele Bausteine fügen sich zu einer Einheit zusammen.

Hängt aber nicht zu viel von Sebastian Greß ab?

Ich verrate kein Geheimnis, Sebastian Greß ist unser Mann, der die Fäden in der Hand hält. Zudem ist er mit 150 Treffern in 30 Punktspielen der zweitbeste Werfer der Liga aus dem Feld! Er hat einen Riesensprung gemacht, handballerisch und menschlich.

 Sie sind der Torwarttrainer. Wie ist die Situation auf der Torwartposition mit vier Keepern, zu denen ja auch der Ex-Eisenacher Marius Noack gehört?

Mario Huhnstock ist unsere Nummer 1. Das hat er im Saisonverlauf nachgewiesen. Max Mohs hat sich zu unserer Nummer 2 gemausert. Marius Noack hat sich nach anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten verbunden mit dem Umzug in eine Großstadt handballerisch und menschlich nach vorn entwickelt. Bis zu Max Mohs fehlt ihm noch ein Stück, auch wenn Marius aufgeholt hat. Angesichts der Strapazen mit vier Spielen binnen weniger Tage haben wir zuletzt statt eines dritten Torwartes einen weiteren Feldspieler in das Aufgebot genommen. Dadurch war Marius zuletzt nicht dabei. Marius wird, da bin ich mir sicher, seinen Weg gehen.

Wie hat sich das Torwart-Spiel in den letzten Jahren verändert?

Durch das Spiel 7 gegen 6 hat sich das Torwart-Spiel deutlich verändert. Der Keeper ist deutlich mehr läuferisch und gedanklich gefordert, muss stets wach und zu den entsprechenden Wechseln bereit sein. Er sollte zudem aus dem eigenen Kreis in den möglicherweise verwaisten Kasten auf der Gegenseite treffen können. Die Spielvorbereitung ist viel einfacher geworden, durch die Analysen per sportdeutschland.tv. Während meiner aktiven Zeit haben wir uns mit VHS-Kassetten die Wurfbilder der gegnerischen Angreifer zusammengeschnitten. Ja, ja, das ist lange her.

In den bisher ausgetragenen 5 Punktspielen zwischen dem HC Elbflorenz und dem ThSV Eisenach hat Ihre Mannschaft noch keines verloren. Was ist aus Ihrer Sicht zu tun, damit das so bleibt? Wie sieht es personell aus?

Mit dem Sieg in Wilhelmshaven und nunmehr 27 Pluszählern hat der ThSV Eisenach den Ligaverbleib so gut wie sicher. Der Druck ist nicht mehr so groß. Sicherlich für uns ein Vorteil, wenn keine Zuschauer in der Werner-Aßmann-Halle sind. Mit Zuschauern wird es für jede Gastmannschaft in Eisenach sehr schwer. Um unsere Erfolgsserie fortzusetzen, dürfen wir zum einen nicht so viele Gegentore wie zuletzt kassieren; dafür benötigen wir eine normale Abwehrleistung im Zusammenspiel mit dem Torhüter. Nach vorn wollen wir unser Tempospiel aufziehen, von dem wir in der Saison gelebt haben. Wir haben den Anspruch, in Eisenach zu gewinnen.  Bis auf den gerade nach Asien abgewanderten Michal Kasal haben wir wahrscheinlich alle an Deck.

Sie gehörten 5 Jahre zum Torwartteam des EHV Aue, wohnen im Erzgebirge, haben weiterhin guten Kontakt. Wie beurteilen Sie den Saisonverlauf für den EHV Aue?

Der EHV Aue hatte wahrlich Schicksalsschläge und viele Unwägbarkeiten zu überstehen: die Corona-Erkrankungen im Team, die schwere und lange Corona-Erkrankung von Trainer Stephan Swat, Brandanschläge auf Vereinsautos, Einbruch in der Geschäftsstelle, Tod des Vaters von Geschäftsführer Rüdiger Jurke in der Halle. Bei dem allen, den Fokus auf den Handball zu legen, der Mannschaft gehört allerhöchster Respekt und Lob. Rúnar Sigtryggsson hat als Interims-Trainer sehr gute Arbeit geleistet. Vor der Bilanz 34 Punkte nach 32 Spielen und Platz 6 ziehe ich den Hut!

Sie richten sicherlich den Blick auch hin und wieder zu Ihrem Ex-Verein unter der Wartburg?

Aus meiner aktiven Zeit beim ThSV Eisenach ist heute noch Adrian Wöhler dabei. Er kam seinerzeit mit Alexander Schiffner aus dem eigenen Nachwuchs in die 1. Mannschaft. Der eingeschlagene Weg mit jungen talentierten deutschen Spielern scheint zu passen. Die Identifikation der Region mit ihrem ThSV Eisenach ist ja nach wie vor sehr groß. Aktuell hätten es wohl bisher mehr als 27 Punkte sein können.

 

Th. Levknecht