News / Verein

Das abgezocktere Team nimmt die Punkte mit

Unsere Zweite (Durchschnittsalter 22,7 Jahre) unterliegt dem routiniertem Team des SV Hermsdorf (Durchschnittsalter 30,4 Jahre) im Spitzenspiel auf hohem Niveau vor nahezu 300 Zuschauer mit 27:31(13:13)

Es stand Spitzenspiel drauf und es war auch Spitzenspiel drin, im Aufeinandertreffen Zweiter gegen Ersten, ThSV Eisenach II gegen SV Hermsdorf. Der Tabellenführer und Topfavorit auf den Landesmeistertitel, der SV Hermsdorf (Durchschnittsalter aller auf dem Spielprotokoll eingetragenen Akteure 30, 4 Jahre) nahm beim 27:31 (13:13) beide Zähler mit und bewahrte seine weiße Weste (10:0 Punkte). Das Durchschnittsalter aller aufgebotenen Eisenacher betrug 22,7 Jahre.

„Letztendlich waren wir die abgezocktere und erfahrenere Mannschaft“, fasste Mario Kühne, der Coach des SV Hermsdorf, die 60 Spielminuten vor der stimmungsvollen Kulisse von nahezu 300 Zuschauern, darunter etliche Anhänger aus Hermsdorf, treffend zusammen. Sein Team hatte bessere Distanzwerfer, meisterte auch die kritische Phase nach der roten und blauen Karte gegen seinen zweitbundesligaerfahrenen torgefährlichen Rückraumspieler Daniel Zele in der 43. Minute. Der knapp 30-Jährige zeigte beim Stand von 20:23 nach einer gegen ihn verhängten Zeitstrafe den „Scheibenwischer“ in Richtung Schiedsrichter. „Das hatte zwangsläufig Rot und Blau zur Folge“, erklärten die Spielleiter Sascha Hauke und Christian Lindig nach der Partie. „Da war das Momentum eigentlich auf unserer Seite, trafen wir doch zum 25:25-, 26:26- und 27:27- Ausgleich. Doch da kam unsere Unerfahrenheit und Naivität zum Ausdruck. Wir wollten zu schnell das Spiel für uns entscheiden. Bei Holztreffern von Ardit Ukaj fehlten zudem die berühmten Zentimeter“, bilanzierte ThSV-Jugendkoordinator Matthias Bäurer, der den erkrankten Daniel Hellwig auf der Trainerbank vertrat. „Nach dem vorzeitigen Aus für Daniel Zele setzten wir auf veränderte spielerische Lösungen. Der routinierte Martin Ehm übernahm exzellent die Regie“, freute sich Mario Kühne. Da nützte es den Gastgebern nichts, dass der für die Schlussviertelstunde ins Gehäuse eingewechselte 19-jährige Aron Büchner mehrfach glänzend parierte. Eisenachs überhastete Würfe wurden geblockt, waren Ausgangspunkt für Tempogegenstöße. Der zu Wochenmitte seinen 40. Geburtstag feiernde Stefan Riedel wurde am Kreis freigespielt und traf zum 27:29 (55.). Eine Zwei-Minuten-Strafe überbrückten die Hermsdorfer mit Glück und Geschick ohne Gegentreffer.  Den Eisenachern fehlte die Cleverness.  Der 34-jährige Marvin Schreck machte von Linksaußen mit seinem Treffer zum 27:30 (59.) den Deckel drauf, traf dann auch zum 27:31-Endstand (60.). „Eine Partie auf Augenhöhe von zwei stark auftrumpfenden Teams. Zu frühe Abschlüsse kosteten uns Zählbares“, konstatierte Armend Alaj vom ThSV Eisenach II.  Und was bei Verlierern selten der Fall ist, der Rechtsaußen bescheinigte den Referees „eine sehr gute Spielleitung“. Nawid Karimi-Zand, in Deutschland geboren, mit seinen Eltern nach Norwegen gezogen und dort aufgewachsen, jetzt zurück in Deutschland und in Erfurt Internationale Beziehungen studierend, feierte seinen Einstand im Trikot des ThSV Eisenach II. Dem 20-jährigen Linkshänder schmerzte zwar nach der von beiden Seiten intensiv aber dennoch überwiegend fair geführten Partie die rechte Schulter, doch er fand „Stimmung und Energie in der Halle cool“. Es habe Spaß gemacht. „In zwei Wochen steigt schon das Rückspiel. Dann haben wir die Chance, den Spieß umzudrehen“, erklärten Matthias Bäurer und Armend Alaj unisono. Am Samstag, 27.11.2021 stehen sich der SV Hermsdorf und der ThSV Eisenach erneut gegenüber, dann in der Werner-Seelenbinder-Halle in Hermsdorf.  Der Tabellenführer bestreitet in der nächsten Woche allerdings noch ein Punktspiel beim punktlosen Schlusslicht SG Motor Arnstadt/Plaue.   Der ThSV Eisenach II ist in der nächsten Woche spielfrei.

Sehenswerter Kempa-Treffer

In Anwesenheit vom Präsidenten des Kreissportbundes Michael Klostermann und des Vizepräsidenten des Thüringer Handballverbandes Volker Krempel begannen die Eisenacher in der Stammformation der letzten Wochen, mit Ardit Ukaj auf Links- und Armend Alaj auf Rechtsaußen, Julius Brenner, Qendrim Alaj und Ole Gastrock-Mey im Rückraum, Patrick Cuturic am Kreis. Im Tor erhielt der erfahrene Maximilian Steppan den Vorzug, für den bis zum Seitenwechsel 9 parierte Bälle notiert wurden. Er sendete immer wieder motivierende Signale an seine Vorderleute. „Es wurde das für uns erwartet schwere Spiel. Wir hatten Probleme gegen die starke Eisenacher Deckung“, gestand Hermsdorfs Trainer Mario Kühne. „Wir waren von Beginn mit Feuereifer dabei. Im Positionsangriff hatten wir die Gäste zumeist im Griff, bekamen aber Probleme bei deren zweiter Welle. Gegen Daniel Zele war es ganz schwer zu verteidigen“, resümierte ThSV-Coach Matthias Bäurer. Der mit körperlicher Präsenz aufwartende Hermsdorfer Deckungsinnenblock (Martin Ehm/ Oleksandr Petrov) blockte vielfach die Eisenacher Würfe oder unterband Zuspiele zum Kreis. Spielten die Eisenacher schnell, waren sie erfolgreich. Ole Gastrock-Mey, auf dem die Hauptlast der Würfe aus der Distanz lagen, und Ardit Ukaj netzten zum 5:3 ein (11.). Beim 5:6 durch Hannes Rudolph (15.) lagen die Gäste wieder vorn. Sehenswert der Kempa-Treffer zum Qendrim Alaj und Ardit Ukaj zum 7:6 (19.). Die Gäste wechselten frühzeitig durch. Eisenachs Kapitän Qendrim Alaj bewies von Beginn Nervenstärke am Siebenmeterstrich, versenkte alle seinen Farben zuerkannten sechs Strafwürfe schnörkellos, wie beim 8:7 (22.). Die Gastgeber legten einen Treffer vor, die Gäste egalisierten. Qendrim Alaj traf vom Strich zum 13:12 (29.). Martin Ehm traf für den SV Hermsdorf zum 13:13-Pausenstand (30.).

ThSV Eisenach II nach roter Karte gegen Hermsdorfs Daniel Zele nicht clever genug

Der starke Rückraum mit Felix Reis (8 Treffer) und Daniel Zele (5 Treffer bis zu seinem vorzeitigen Aus) sorgten nach dem Seitenwechsel für ein Plus des SV Hermsdorf. Daniel Zele, schon mit dem Dessau-Roßlauer HV und dem HC Elbflorenz in der 2. Bundesliga, war der Unterschied-Spieler. Er wuchtete zum 13:15 (33.) und 15:17 (35.) ein. Abwehrchef Oleksandr Petrov traf zum 15:18 (36.). „Kämpferisch gaben wir alles“, unterstrich Eisenachs Armend Alaj. Seinem Team fehlte die Effizienz im Angriff. Ardit Ukaj markierte zwar 5 Treffer, doch etliche Bälle landeten von ihm am Holz oder das Leder sprang vom Innenpfosten ins Feld zurück. Nach zwei Glanzparaden von Keeper Maximilian Steppan netzte Armend Alaj von Rechtsaußen zum 17:18-Anschlusstreffer ein (38.). Sein Teamkollege Julius Brenner verursachte einen Siebenmeter und musste für zwei Minuten auf die Bank. Die Gäste trafen zum 17:20 (40.) und hatten leichtes Oberwasser. Daniel Zele netzte zum 20:23 ein (43.), leistete sich ein Foulspiel, hatte seine Nerven nicht im Zaume, sodass sein vorzeitiges Aus kam. „Solch einem erfahrenen Spieler darf das nicht passieren“, erklärte Maio Kühne. Der „Scheibenwischer“ habe allerdings Eisenachs Armend Alaj gegolten. „Aber auch das hätte die gleiche Bestrafung nach sich gezogen“, klärten die Schiedsrichter nach dem Abpfiff auf. Die Eisenacher forcierten das Tempo. Der ins ThSV-Gehäuse gekommene Arion Büchner führte sich prächtig ein. Sein Teamkollege Ole Gastrock-Mey ließ sich von Fehlwürfen nicht entmutigen. Beim Stand von 22:23 hatte Ardit Ukaj die Ausgleichschance auf der Hand, scheiterte aber an Hermsdorfs Keeper Damian Kowalczyk (45.). Ein Zusammenspiel zwischen Qendrim Alaj und Patrick Cuturic führte dann doch zum 25:25-Auzsgleichstreffer. Mit Erfahrung pur, mit Felix Reis, Martin Ehm und Oleksandr Petrov im Rückraum, ging der SV Hermsdorf in die Schlussviertelstunde. Sie bewahrten mit ihrer Routine Ruhe und Gelassenheit. Genau das fehlte den jungen Heißspornen auf Eisenacher Seite. Julius Brenner zog zu früh und unvorbereitet ab. Der SV Hermsdorf brachte Stefan Riedel am Kreis in freie Wurfposition, der zum 25:26 (49.) und dem so wichtigen 27:29 (55.) vollendete. Ein Ukaj-Ball landete am Holz.  ThSV-Keeper Aron Büchner parierte gegen Oleksandr Petrov (58.). Die Gäste blockten einen Wurf von Julius Brenner (59.). Wenig später lag das Leder zur endgültigen Entscheidung über die Punktevergabe im Eisenacher Kasten.   

Statistik

ThSV Eisenach II: Steppan, Büchner; Gastrock-Mey (6), Brenner (2), Bourtal, Schnell, Cuturic (1), Meyer, Karimi-Zand, Ukaj (5), Q. Alaj (8/6), A. Alaj (5)

SV Hermsdorf: Kowalczyk, Zehmisch; Rudolph (2), Schreck (3), Reiss (8), Götze (1), Riedel (2), Reisa, Hammer, Heilwagen (2), Ehm (4/2), Petrov (4), Zele (5)

Siebenmeter: ThSV Eisenach II 6/6 – SV Hermsdorf 2/3

Zeitstrafen: ThSV Eisenach II 3 x 2 Min.

                      SV Hermsdorf 4 x 2 Min, Rot und Blau gegen Zele nach Paragraph 8:10a (43.)

Schiedsrichter: Hauke/Lindig

Zuschauer: 288

 

Th. Levknecht