News / 2. Handball Bundesliga

Der ThSV vermisst seine Fans!

Aßmann-Hallen-Eindrücke von Peter Rossbach, stellv. Leiter der Lokalredaktion von TA und TLZ

„Es ist schon was ganz anderes für die Spieler, wenn sie beim Einlaufen nicht von der üblichen Kulisse in der Halle empfangen werden“, berichtet ThSV-Manager René Witte. Das galt für das Zweitliga-Spiel am Mittwoch, 12. Mai, in Dessau. Aber natürlich ist es besonders auffällig, wenn wie kürzlich mit dem VfL Gummersbach ein Aufstiegs-Kandidat in Eisenach aufläuft.

Es ist erschreckend leer in der Halle. Die Tribünen hinter den Toren sind gar nicht erst ausgefahren. Ein paar Journalisten sind da, die Sanitäter des DRK, der Busfahrer des gegnerischen Teams, zwei, die das Parkett mit Wischern trocken halten, Live-Stream-Sprecher, Online-Befüller und ansonsten das rund zehnköpfige Aufbau- und das kleine Technik-Team. Das erstere Team ist dafür zuständig, dass alle Bänke da sind, wo sie sein sollen, die Werbebanner an der richtigen Stelle stehen. Schließlich haben die Sponsoren nahezu ausnahmslos dem ThSV die Treue gehalten. „Da sind wir sehr froh und dankbar, das hilft uns sehr“, sagt Witte. Auch die Zuschauer waren bislang tapfer, viele haben ihre Dauerkarten auch für dieses Saison bezahlt, um zu helfen.

Und das nun schon so lange. Ein Mann wie Peter Walz, seit einigen Monaten Kreisläufer bei den Eisenachern, hat noch nie für ein Spiel vor Fans das ThSV-Trikot übergezogen. Am 22. Februar 2020 gab es ein solches Heimspiel zum letzten Mal vor vollem Haus, im Oktober noch zwei mit erlaubten 700 Fans.

Vor der Halle fehlt der Mix Bratwurst- und Bier-Geruch, es fehlen das Lärmen der Gespräche, das Lachen in Vorfreude auf das Spiel, das Treffen der Fans, die sich nur zu diesem Anlass sehen. Es ist still, in der Halle sorgen die Technik-Jungs oben mit Musik, dafür, dass es zumindest eine Ahnung von Stimmung gibt.

Wie motiviert man die Spieler, wenn die Adrenalin-treibende Atmosphäre einer „Aßmann-Hölle“ fehlt? Für Coach Markus Mufuni gibt es da kein spezielles Corona-Aufpuschen. „Da hat jeder Spieler seine eigene Methode in der Vorbereitung auf ein Spiel, und das Team an sich ist gefragt, sich gegenseitig zu pushen“. Gegen Gummersbach, immerhin 11-mal Deutscher Meister, war es etwas leichter. Aber nach Corona oder Corona-Verdacht bei den Gegnern und im Umfeld des eigenen Teams gab es eine Spielabsage nach der anderen, fünf Wochen lang. Konsequenz: Eine englische Woche an der anderen.

In der Halle läuft kurz vor dem Spiel die normale Routine ab, Spielervorstellung, Musik, Begrüßung der Gäste und natürlich der „Final Countdown“ mit dem Einlaufen des Teams. Vom Aufbau-Team sind einige mit Trommeln ausgerüstet, und tun ihr Bestes, um so das Team einigermaßen lautstark anzufeuern.

Aber die Ränge sind eben leer, wo sonst 2000 bis 3000 Fans dem Gegner lautstark den Schneid abzukaufen versuchen, sind es nicht einmal 20. Das wirkt, während die Mannschaft gegen Gummersbach bis zur Halbzeit mithält, lange führt, werden die Spieler in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit überrollt. Besonders in solchen Momenten fehlt der 8. Mann, das Publikum, das nach vorne treibt. Ob es in dieser Saison überhaupt noch Spiele vor Publikum geben wird, ist eher unwahrscheinlich. Und dabei wäre es allen zu wünschen, Team, Verein und vor allem den Fans.