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Elisabeth-Gymnasium: Feierliche Übergabe der Reifezeugnisse

Ein „Mädel vom Stiegk“ und ein Handballer mit besonderen Auszeichnungen Feierliche Übergabe der Reifezeugnisse an 37 Abiturienten des Elisabeth-Gymnasiums im Palas der Wartburg/ Auch 8 Waldorf-Schüler erhielten ihre Abiturzeugnisse

Der Palas der Wartburg bot auch in diesem Jahr den faszinierenden Rahmen zur festlichen Übergabe der Reifezeugnisse an die Abiturienten des Elisabeth-Gymnasiums Eisenach. Die festlich gekleideten Abiturientinnen hatte einige Mühe, mit ihren Absatzschuhen über das alte Pflaster in den Palas zu gelangen. Da hatten es die Jungen leichter, im Anzug und Sportschuhen.

Von 38 SchülerInnen, welche die Stufe 12 besuchten, haben 37 das Abitur bestanden. Der Gesamtdurchschnitt liegt bei 2,09. Das Ergebnis liege damit, so Schulleiter Tino Nazareth, in der Tendenz der vergangenen Jahre, leicht besser. „Alles in allem ein disziplinierter, verlässlicher und sympathischer Jahrgang. Auf diese Truppe konnte man sich verlassen“, ergänzte Tino Nazareth. Ihm wurde am Ende des Abends von den Abiturienten mit einem Blumenstrauß und den Worten „ohne Herrn Nazareth ging nichts“ gedankt. Blumen gab es ebenso für die die Abiturstufe begleitenden LehrerInnen. Basmar Jantscher, die mit einem Notendurchschnitt von 1.0 den mit 1.000 Euro dotierten Preis der Frank-Hirschvogel-Stiftung für das beste Abitur erhielt, ließ die Jahre der Abiturienten in humorvoller Art noch einmal Revue passieren. Zu den herzlich begrüßten Gästen zählte der ehemals langjährige Schulleiter Gerhard Sippel und der Präsident des Kooperationspartners ThSV Eisenach Shpetim Alaj.

Schon traditionell erhielten auch SchülerInnen der Waldorf-Schule Eisenach in diesem feierlichen Rahmen ihr Reifezeugnis. Acht Abiturienten freuten sich über das gewichtige Schriftstück.

Der von Lehrerin Anett Arnold bestens moderierte Abend wurde musikalisch begleitet vom Chor des Elisabeth-Gymnasiums unter Leitung von Susan Unger, Klavier Anne-Sophie Matthiesen und Susan Unger, Oboe Merle Weggen, Violoncello Sarah Löbel und Luise Unger, die alle mit reichlich Beifall bedacht wurden.

Plädoyer für die deutsche Sprache

Schulleiter Tino Nazareth nutzte den Abend zu einem Plädoyer für die deutsche Sprache. Er verwies auf den Ort des Abends, übersetzte auf der Wartburg Martin Luther vor 500 Jahren das Neue Testament in die deutsche Sprache. „Seine Übersetzung gilt vielen als Initialzündung für die Entstehung der deutschen Sprache, wie wir sie kennen und gebrauchen, als Wegbereiter einer deutschen Identität, leider auch missverstanden als Initiator eines deutschen Nationalgefühls“, erklärte der Schulleiter eingangs. Es folgte ein Exkurs durch die deutsche Sprache. Damals und heute. Auch im Alltag, am Beispiel familiärer Abendbrottisch oder in verschiedenen Lebenssituationen. Luther habe es in unseren Alltag mit Aussprüchen wie „von Pontius zu Pilatus laufen“, den „seinen gibt’s der Herr im Schlaf“ oder die berühmten „Perlen, die vor die Säue geworfen wurden“ geschafft.

 

Dialog in Corona-Zeiten

Auch beim „kunstvollen Dialog“ in Corona-Zeiten ging es um die deutsche Sprache: „Darf ich näherkommen. Ach nein, wir halten doch Abstand. Maske auf, Maske ab. Ja- die Maske über die Nase. Nein! Nicht über die Augen. Beim Essen lassen wir die Maske nicht auf. Wenn ich zu dir komme, dann ziehen wir beide die Maske auf. Die Maske kommt ab! – Und kommt wohl wieder. 10er? Sind Abschlussklasse. 11er nicht. 12er schon. Nun: Nur die 12er, der 10er wenn er geht? Ja, auch. – Sind eigentlich noch genügend Tests da? Der 9er nun auch Abschlussschüler. Wenn er geht! Das habe ich anders gelesen. Och nö!“ Der Schulleiter fügt gleich hinzu: „Es wäre schön, wenn die, die diese Dialoge zu verantworten hatten, sich Luthers Worte bewusstwerden und `Asche aufs Haupt streuen` würden.

Einen gewichtigen Ratschlag für den weiteren Lebensweg

Tino Nazareth wandte sich direkt an „seine Abiturienten“: „Es gilt nun selbst Hindernisse zu umschiffen. Schiffbruch auf seiner langen weiten Reise durchs Leben möge keiner von euch erleiden, das wünsche ich euch von Herzen. Die Zeiten sind nicht leicht, Corona beinahe überwunden, Krieg vor der europäischen Haustür, die Affenpest droht (?). Schwierige Zeiten haben auch immer in besonderer Weise zu Kreativität angespornt, Menschen erfinderisch gemacht, Neues, zuvor Ungeahntes entstehen lassen. Ihr habt gelernt `Der Mensch lebt nicht vom Brot allein`, es braucht auch Kunst und die Liebe unter den Menschen. `Wer glaubt`, dass die Welt sich von allein verändert `der wird [wohl eher zuvor] seelig` werden. Zwei weitere Weisheiten von Luther am Ende meiner Worte. Dass wir aber auch nach 500 Jahren noch fähig sind, mit der deutschen Sprache zukunftsfähige Aussagen zu treffen, möchte ich mit einem Zitat der besten Band der Welt, der Punkband `Die Ärzte`, am Ende meiner Worte zeigen. Dem Abiturjahrgang 2022 soll ins Stammbuch geschrieben sein und mit auf den Weg gegeben: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es ist deine Schuld, wenn sie so bleibt.“

Auszeichnungen

Auch in diesem Jahr wurden besondere Leitungen gewürdigt. Zu den Ausgezeichneten gehört mit Johanna Melissa Keiner ein „Mädchen vom Stiegk“ (Ehrensteig) und Yannick Seidel ein erfolgreicher Nachwuchs-Handballer.

Die Auszeichnung der Stadt Eisenach ging an Yannick Seidel. Mit einem Durchschnitt von 1,1 erreichte dieser ein außerordentlich gutes Abitur. „Diese Leistung überrascht, wenn man bedenkt, dass sich dieser Schüler über viele Jahre auch erfolgreich an verschiedenen Mathematikwettbewerben beteiligte. Zudem spielte Yannick Seidel viele Jahre erfolgreich Handball im Nachwuchsbereich unseres Kooperationspartners ThSV Eisenach. Erfolgreich hat er Schule und Leistungssport unter einen Hut gebracht“, hieß es in der Laudatio.

Den Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker erhielten Yannick Seidel und Helene Luise Richardt für ihre hervorragenden Leistungen im Fach Chemie. „Beide waren über beide Schuljahre verlässlich und umfassend vorbereitet“, hieß es zur Auszeichnung.

Über den Preis der Peter-Mädler-Stiftung freute sich Johanna Melissa Keiner, in den vergangenen zwei Jahren die Schülerschaft der Schule als Schulschülersprecherin vertretend, zudem Kurssprecherin des Stammkurses A22La. „Sie war aktives und stimmhaftes Mitglied in der Schulkonferenz. Ihr engagiertes Eintreten für die Interessen der Schülerschaft war dabei stets verbunden mit dem Blick für das Ganze – die Schulgemeinschaft. Über viele Jahre war Johanna aktives Mitglied der Sommergewinnszunft, engagiert sich im Ehrenamt und der Brauchtumspflege“, hieß es in der Begründung für die Auszeichnung.

Helene Merten durfte sich für eine sehr gute Leistung im schriftlichen Abitur im Fach Wirtschaft und Recht über den Preis vom „Verein für Socialpolitik“ (Wirtschaft und Recht) freuen.

Als mathematisch besonders leistungsstarker Schüler wurde Georg Hasanov mit dem Preis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) ausgezeichnet. „Aber vor allem ist Georg Hasanov ein Mensch, der sich höchst ungern mit oberflächlichem Verständnis zufriedengibt“, hieß es in der Laudatio.

Der besten Abituraufsatz verfasste Dominik Schaschek. „Ihm ist es gelungen, über einen international ausgerichteten Einstieg die Problematik des Themas im Deutsch-Abitur voll zu erfassen. Er weist in der sprachlichen Umsetzung seiner Gedanken eine hohe Variabilität nach“, hieß es in der Begründung für den Preis der Goethe-Gesellschaft Eisenach.

Heike Apel-Spengler, ehrenamtliche Beigeordnete der Stadt Eisenach und beruflich als Ehrenamtsbeauftragte tätig, freute ganz besonders im Namen des Fördervereins des Elisabeth-Gymnasiums die Seminararbeit von Anna Katharina Kellner, Samantha Gruschka, Helene Merten und Amelie zum Thema “Ehrenamt“ auszuzeichnen. „Es wurden zahlreiche Gespräche mit Menschen geführt, die sich ehrenamtlich engagieren. Die Schülerinnen besuchten trotz der Widrigkeiten der Corona-Pandemie das Altenpflegeheim Wartburgblick in Eisenach. Jeder Schülerin wurde eine feste Bezugsperson im Alter zwischen 80 und 100 Jahren zugeteilt, die die Schülerinnen liebevoll `unsere Omis` nannten. Besonders hervorzuheben ist, dass auch nach Abschluss ihrer Seminarfacharbeit die Schülerinnen sich weiter im Altenpflegeheim engagieren.

Allen Anwesenden wird dieser Abend auf dem UNESO-Weltkulturerbe Wartburg sicher ganz lange in Erinnerung bleiben. Für die Abiturienten schließt und öffnet sich eine Tür…

Th. Levknecht