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Ex-ThSV-Keeper Simon Herold beendet Karriere

Der Junge aus Nazza (Wartburgkreis) setzt 32-jährig andere Schwerpunkte. Nach Erfolgen im ThSV-Nachwuchs und Zweitliga-Einsätzen verließ Simon Herold frühzeitig den ThSV Eisenach. Zuletzt war er für Drittligist Oranienburger HC aktiv.

Beitrag von Sportjournalist Mike El Antaki (Eisenach)

Ei Als A-Jugendlicher bestritt er seine ersten Zweitligaspiele für den ThSV Eisenach, nur ein Jahr später durfte er bereits Champions-League-Luft schnuppern. Simon Herold (32) ist der erste Nazzaer, der es in die erste Handball-Bundesliga schaffte. Nach insgesamt 22 Jahren, die letzten acht beim Oranienburger HC, hat der orhüter nun seine Laufbahn beendet. Aber nicht mit stehenden Ovationen, Blumenstrauß und innigen Umarmungen.

Aufgrund der wegen der Corona-Pandemie abgebrochenen Handballsaison fiel die geplante große Abschiedsparty anders aus als geplant. Am vergangenen Samstag, als eigentlich gegen den SC Magdeburg II das letzte Heimspiel steigen sollte, würdigte der OHC Herolds "Ära" viral mit einem emotionalen Videoclip. Internet statt großen Bahnhofin der Arena. "So stellt man sich das nicht vor, aber es ist eben eine besondere Situation, nicht nur für uns Sportler", sagt Herold, der im Februar seine Entscheidung bekanntgegeben hatte. Zu keinem Zeitpunkt habe er seitdem überlegt, vielleicht doch noch eine Serie dranzuhängen. "Es ist endgültig Schluss. Ich habe gemerkt, dass es immer schwieriger wurde Familie, Job und den Handball unter einen Hut zu bekommen", erklärt der Keeper mit dem Gardemaß (1,96 m) und verweist auf die geänderten Lebensumstände. In den vergangenen Jahren hat er geheiratet, ist zweimal Vater geworden und hat sein Studium abgeschlossen. Inzwischen ist Simon Herold als Kindheitspädagoge und Therapeut im Norden Berlins tätig.

Sein letztes Handballspiel bestritt er Anfang März mit dem OHC gegen Empor Rostock. Es war der Schlusspunkt einer Karriere, die 1998 im heimatlichen Nazza bei den Jugendübungsleitern Heiko Lintz und Leonhard Lintz ihren Anfang nahm. "Beide haben mich auf den Sport aufmerksam gemacht", erinnert sich Herold, der 1999 zum ThSV wechselte und schon als Zwölfjähriger im Sportinternat einzog. Dankbar sei er auch seinen weiteren Nachwuchstrainern, zu denen die viel zu früh verstorbene Bettina Neumann, Lutz Sinke, Peter Hattenbach und sein Vater Andreas gehörten. Unvergessen ist die Zeit in der Eisenacher B-Jugend, mit der er bei der Deutschen Meisterschaft Bronze gewann. Mit vielen aus diesem Team hält er bis heute in Kontakt. Zum Eisenacher Ausnahmejahrgang, der haarscharf das DM-Finale verpasste, zählten unter anderem Adrian Wöhler und Daniel Luther. Während jene beiden nie ein anderes Trikot als das des ThSV trugen, zog es Herold früh in die große Handballwelt. Im Herbst 2006 nahm das Torwarttalent ein Angebot von Top-Club SG Flensburg-Handewitt an. Kritiker meinten damals, der Wechsel käme zu früh. Herold ist mit sich im Reinen und erklärt: "Ich liebe es herumzukommen und würde es heute genauso wieder machen. Ich ziehe aber den Hut vor Daniel Luther. Was er in Eisenach erreicht hat, ist krass. Er ist eine Legende".

Auf seine Laufbahn blieb Herold zufrieden zurück. "Meine Träume sind alle wahr geworden", betont der 32-Jährige, meint zum Beispiel den Aufstieg mit Stralsund in die 1. Bundesliga und seine Einsätze in der Champions League. Ebenso die zwei Serien bei der TG Melsungen (2008 bis 2010), wo er bewiesen habe, dass er "in der 1. Liga bestehen" könne. Aber auch Rostock (2010/11) und Springe (2011/12) waren Stationen, die ihn sowohl sportlich als auch menschlich geprägt haben. "In jedem Verein", so Herold "habe ich Freunde gefunden". Und auch seine aus Neubrandenburg stammende Ehefrau hat er durch den Handball kennengelernt. Apropos. Seine Familie will Herold nicht als den Ausgleich bezeichnen, von dem Sportler nach dem Karriereende oft sprechen: "Der Sport war nicht nur ein Hobby, er war das Leben. Alles war darauf ausgerichtet."

Seit 2012 hütete Simon Herold das Tor des Drittligisten Oranienburger HC, war dort Publikumsliebling und Vize-Kapitän. "Aber Simon brauchte nie ein Amt, um Verantwortung zu übernehmen", beschreibt ihn sein Ex-Coach Christian Pahl. Von der Zeit in Oranienburg bleibt bei Herold viel hängen. Zum einen schwärmt er vom begeisterungsfähigen Publikum, zum anderen vom Umfeld, das ihm Vertrauen und Wertschätzung schenkte. Er habe dort viel Unterstützung erfahren. "Es war beim OHC eine wunderschöne Zeit", bilanziert Herold. Dennoch bleibe Eisenach, wo er die komplette Jugend verbrachte, seine Heimat und Liebe. Umso erstaunter ist man, dass er seit jenem 14. November 2006, als er nach dem Heimspiel gegen Münster vom ThSV verabschiedet wurde, nie wieder einen Fuß in die Werner-Aßmann-Halle gesetzt hat. Obwohl er so oft es geht zu Besuch in Nazza ist. "Irgendwie hat es sich nie ergeben", sagt Herold, will die Stippvisite an alter Wirkungsstätte aber auf seiner To-do-Liste vormerken. Schließlich bleibt künftig mehr Zeit, um anderen beim Handballspielen zuzuschauen.

Porträtfoto: Simon Herold (Oranienburger HC)