News / 2. Handball Bundesliga

Gegentore bei eigener doppelter Überzahl

ThSV Eisenach liegt nach 21 Minuten bereits 3:14 hinten, kassiert am Ende 24:33 (8:18) -Niederlage beim Ligatopfavoriten VfL Gummersbach

Mit dem VfL Gummersbach und dem ThSV Eisenach trafen am Freitagabend zwei echte Handball-Traditionsvereine in der Schwalbe-Arena aufeinander. Allerdings ohne Zuschauer. In Gummersbach und in Eisenach wurden vor 100 Jahren erstmals Handball-Sparten in den ortsansässigen Sportvereinen gebildet. Auf der Vita des VfL Gummersbach stehen etliche nationale und internationale Erfolge. Vor zwei Jahren mussten die Oberbergischen erstmals die Eliteliga verlassen. „Mission Wiederaufstieg: Zweiter Versuch“, unter diesem Slogan steht die aktuelle Saison für den VfL Gummersbach in der 2. Handballbundesliga. Der Rückkehr in die Eliteliga ist der Altmeister mit einem leicht und locker erspielten 33:24 (18:8) -Erfolg über den ThSV Eisenach ein Stück näher. Er hat nunmehr 14:2 Punkte aufzuweisen. Die Thüringer stehen nun bei 8:10 Zählern.

Gegentore bei eigener doppelter Überzahl

„Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt“, bemerkte Eisenachs Trainer Markus Krauthoff-Murfuni treffend. Gerade hatte sein Keeper Blaz Voncina im Duell von zwei Routiniers einen Siebenmeter von Janko Bozovic pariert und Rückraumspieler Daniel Dicker zum 2:3-Anschlußtreffer eingenetzt (6.), da schienen die Eisenacher von allen guten Geistern verlassen. Bei eigener doppelter Überzahl, die Gummersbacher Timm Schneider und Tin Kontrec hatten kurz hintereinander Zeitstrafen kassiert, brachten sie das Leder nicht im Kasten der Gastgeber unter. Doch nicht nur das, sie kassierten in doppelter Überzahl sogar zwei Gegentreffer durch Alexander Herrmann und Raul Santos. Die Gastgeber drehten nun richtig auf. Der ThSV Eisenach wurde zum Spielball des Altmeisters. Der vom SC DHfK Leipzig zurückgekehrte Raul Santos versenkte Gegenstoß auf Gegenstoß. „ Wir hatten einen super Torwart und einen starken Raul Santos, der eine besondere Laufeinheit absolvierte“, konstatierte ein aufgekratzter VfL-Trainer Gudjon Sigurdsson. Seine Crew überrollte einen ängstlichen und hausbackenen Gast vom 3:2 auf 14:3 (21.).  Raul Santos markierte bis zur Halbzeit bereits 9 Treffer, wurde mit insgesamt 11 Toren (bei 12 Versuchen) notiert. „Das hatten wir uns ganz anders vorgenommen. Das war auch anders besprochen. Wir agierten wie das Kaninchen vor der Schlange“, stellte Markus Krauthoff-Murfuni fest, der auf seinen Kapitän und einzigen etatmäßigen Rückraum-Rechten Alexander Saul krankheitsbedingt verzichten musste. „Dieser Ausfall darf nicht als Ausrede herhalten“, betonte der Eisenacher Coach. Alexander Saul fehlte freilich als Zuspieler und Werfer. Ante Tokic mühte sich als Stellvertreter überaus redlich im rechten Rückraum. Für seine 3 Treffer benötigte er allerdings 11 Versuche. „Wir machen wieder die gleichen Fehler. Ich dachte, wir wären ein Stück weiter. Warum gehen wir so emotionslos in die Partie“, fragte sich ein enttäuschter Eisenacher Manager Rene Witte. „Wir haben die Hausherren im ersten Abschnitt zum Torewerfen eingeladen“, gab Markus Krauthoff-Murfuni zu. Praktisch vor seiner Haustür hätte sich der Eisenacher Coach mit seinem Team liebend gern anders präsentiert. „Es war schön, dass wir so viele Gegenstoßtore erzielten, uns absetzten und dann auch viel durchwechseln konnten“, erklärte Gummersbachs Trainer Gudjon Sigurdsson. Eisenachs Torleute Blaz Voncina und Thomas Eichberger kamen sich wie in einer Schießbude vor. Sie parierten zusammen gerade einmal 5 Bälle. VfL-Schlussmann Sebastian Puhle wurde während seines 38-minütigen Einsatzes mit 13 Paraden notiert. Auch in punkto Treffsicherheit hatte der designierte Aufsteiger klar die Nase vorn. Alexander Herrmann benötigte für seine 8 Treffer nur 10 Versuche. Eisenachs Würfe wurden vielfach geblockt, technische Fehler kamen hinzu. Daniel Dicker wurde bei 10 Versuchen mit 4 und Jonas Ulshöfer bei ebenso vielen Versuchen mit 5 Treffern notiert. Kreisspieler Kristian Beciri hatte eine 100-Przent-Quote (3 Würfe – 3 Treffer). Erst nach dem 11-Tore-Rückstand trafen die Eisenacher wieder, wobei Heimkehrer Hannes Iffert seinen ersten Treffer wieder markierte (zum 7:17 aus Eisenacher Sicht, 27.).

Ein Zwischenhoch ließ Rückstand bis auf 5 Treffer schmelzen

„Zur Halbzeitpause haben wir uns eingeschworen, wir wollten zeigen, dass wir es besser können. Das ist uns dann auch gelungen. Wir spielten mehr in die Breite, holten uns mit jedem Treffer mehr Sicherheit“, beschrieb Markus Krauthoff-Murfuni weite Phasen des zweiten Spielabschnittes. Das hatte auch Eisenachs Manager Rene Witte so konstatiert, wobei ihm die ersten 30 Minuten schwer im Magen lagen. Die Gummersbacher kamen nach der eigenen 21:11-Führung (37.) den Gästen von der Wartburg mit einigen Unkonzentriertheiten entgegen. ThSV-Linksaußen Ivan Snajder traf aus der eigenen Hälfte in den verwaisten Gummersbacher Kasten (38.) Der leichtfüßige Jonas Ulshöfeer narrte gleich mehrfach die VfL-Abwehr einschließlich des eingewechselten 21-jährigen Keepers Diogo Valerio. Daniel Dicker schmetterte eine Freiwurfablage ein (45.). Willy Weyhrauch traf per Gegenstoß und von Rechtsaußen. Beim 25:20 (47.) waren die Thüringer bis auf 5 Treffer heran.  VfL-Trainer Gudjon Sigurdsson schickte sein Stammpersonal um Kapitän Timm Schneider zurück auf das Parkett, beorderte den erfahrenen Matthias Puhle wieder ins Tor. Die Schlagzahl wurde wieder erhöht, die Tordifferenz stieg wieder an (30:22/ 52.). Arian Wöhler verwandelte von der Bank kommend den einzigen den Eisenachern zuerkannten Siebenmeter (55.), (Die Unparteiischen Frederic Linker und Sascha Schmidt warteten mit einer überzeugenden Spielleitung auf.) Armend Alaj, für die Schlussphase auf dem Parkett der Schwalbe Arena, überwand von Rechtsaußen Vfl-Keeper Matthias Puhle zum 24. und zugleich letzten Eisenacher Treffer. Wenig später ertönte beim Stand von 33:24 die Schlusas-Sirene. Zumindest schon einmal auf der Eisenacher Bank hat nach einer langen Verletzungspause Kristian Volar Platz genommen. Der Rückraum-Mitte-Mann befindet sich in der Aufbauphase. Auf den an einer schweren Knieverletzung laborierendem Justin Mürköster müssen die Eisenacher lange verzichten.  

Zwei Derbys für den ThSV Eisenach binnen weniger Tage

„Wir müssen die Partie schnell abhaken, den Fokus auf die anstehenden zwei Derbys richten“, erklärten Rene Witte und Markus Krauthoff-Murfuni. Bereits am Dienstag, 08.12.2020 reist der ThSV Eisenach zum Nachholspiel ins Erzgebirge, zum EHV Aue, am Samstag, 12.12.2020 kommt mit dem Dessau-Roßlauer HV der überraschend starke Aufsteiger in die Werner-Aßmann-Halle.

Statistik

VfL Gummersbach Puhle, Valerio; Schröter, Fanger, Vidarsson (2), Blohme (2), Kontrec, Häseler, Schuster, Herrmann (8), Schneider (4), Meinhardt, Santos (11/5), Haller, Stüber (3), Bozovic (3)

ThSV Eisenach: Voncina, Eichberger; Volar, Iffert (1), Wöhler (1/1), Potisk, Ulshöfer (5), Tokic (3), A. Alaj (1), Dicker (4), Obranovic, Beciri (3), Snajder (3), Weyhrauch (3)

Siebenmeter: VfL 5/6 – ThSV 1/1

Zeitstrafen: VfL 8 Min. – ThSV 6 Min.

Schiedsrichter: Linker/Schmidt

Zuschauer; keine

 

Th. Levknecht