News / 2. Handball Bundesliga

Heimniederlage gegen den TuS Ferndorf

Alexander Saul wirft 8 Tore, der ThSV Eisenach unterliegt dem TuS Ferndorf aber 26:30 (12:16)

Eisenachs Trainer Sead Hasanefendic hatte im Vorfeld eindringlich gewarnt: „Heimspiele sind gegen kein Team der Liga ein Selbstläufer. Der TuS Ferndorf ist ein äußerst unbequemer Kontrahent, hat viele Spiele nur hauchdünn mit einem Tor Differenz verloren, hat wesentlich mehr Qualität, als es der Punktstand und Tabellenplatz aussagt.“ Das Team aus dem nördlichen Siegerland bestätigte das zum Leidwesen des ThSV Eisenach und seiner nahezu 2.200 Zuschauer. Im letzten Hinrundenspiel kassierten die Wartburgstädter mit einer 26:30 (12:16) die zweite Heimniederlage der Saison und rutschten mit nunmehr 19:15 Punkten auf den 9. Tabellenplatz ab. Am 2. Weihnachtsfeiertag, am Donnerstag, 26.12.2019, hat der ThSV Eisenach im Heimspiel gegen den HC Elbflorenz Dresden (Anwurf bereits um 18.00 Uhr!) die Chance, in der Tabelle wieder ein Stück nach oben zu klettern, trennt die Teams zwischen Platz 9 und 5 nur ein einziger Punkt.

Hoffnung im Eisenacher Lager keimte nur nach einem 5:0-Tore-Lauf

„Wir alle haben uns auf die Partie in Eisenach vor einer tollen Kulisse gefreut. Ich natürlich besonders“, sprudelte es aus Ferndorfs Abwehrchef Branmir Koloper heraus. Er trug von 2011 bis 2016 das Trikot des ThSV Eisenach, wurde mit prasselndem Beifall begrüßt. „Ich glaube, der Wille war ein entscheidender Faktor. In dieser faszinierenden Atmosphäre wollten wir uns beweisen, standen in der Abwehr kompakt, haben vorn mit Kopf gespielt“, analysierte Branimir Koloper. „Ja, wir gingen freudvoll in diese Begegnung, hatten richtigen Spaß. Unsere Vorgaben wurden extrem gut umgesetzt. Auf die verschiedenen Deckungsvarianten der Gastgeber fanden wir stets eine Antwort. Auch nach einem 5:0-Lauf der Eisenacher, der zum Gleichstand führte, haben wir kühlen Kopf bewahrt“, konstatierte Michael Lerscht, der Coach des TuS Ferndorf. Ja, nur nach diesem 5:0-Lauf, vom 15:20 (37.) zum 21:21 (44.), durften die Gastgeber hoffen. „Wir hatten es in dieser Phase in der Hand, die Partie zu kippen. Doch der Führungstreffer fiel nicht“, stellte Eisenachs einstiger Klasse-Außen Bernd Fichtner fest. Nach dem 22:23 (45.) gaben die Gäste die Führung nicht aus der Hand, hatten noch einige Joker (Torhüter Lucas Puhl, Rückraumspieler Jonas Faulenbach) auf der Bank, die stachen. Mancher glaubte beim 24:27 (53.) an eine Vorentscheidung, doch die Eisenacher bliesen zur Schlussoffensive. Beim 26:27 (56.) durch Willy Weyhrauch war wieder alles offen. Der für die Schlussminuten ins ThSV-Gehäuse gekommene Blaz Voncina parierte, doch sein ebenfalls für das Finish ins Ferndorfer Gehäuse gekommene Lucas Puhl verwehrte im großen Stil 4 Bällen von beiden Eisenacher Außenpositionen den Weg ins Tor. Als Willy Weyhrauch scheiterte (59.), zerstob die letzte Eisenacher Hoffnung. Der auf Rechtsaußen freigespielte Jan Wicklein machte mit seinem Treffer zum 26:29 (59.) für die Gäste den Deckel drauf.

Ferndorfer Rückraumachse gab den Ausschlag

„Der TuS Ferndorf hat verdient gewonnen. Alles andere wäre Augenwischerei. Der ThSV Eisenach hat die Gäste im ersten Abschnitt regelrecht aufgebaut. Das Selbstbewusstsein der Gäste stieg. Ihr Rückraum traf sehr gute Entscheidungen. Eisenach hatte zu viele individuelle Ausfälle. Ein torgefährlicher Rückraumwerfer, Alexander Saul, war deutlich zu wenig“, fasste Eisenachs langjähriger Trainer zu BSG-Motor-Zeiten Hans-Joachim Ursinus zusammen. Neunzehn der 30 Gäste-Treffer kamen auf das Konto des Rückraumspieler! Spielgestalter Julius Lindskog Andersson versetzte mit seinen Rückraumkollegen Patrick Weber (im ersten Abschnitt 6 Treffer!) und Andreas Bornemann vor allem in der ersten Halbzeit Eisenachs Abwehr in Serie. Auf die Vorteile der Ferndorfer Rückraumachse verwies auch Rainer Osmann, Spieler, Kapitän, Co-Trainer und Trainer bei Motor und dem ThSV Eisenach, einer der Väter des Erstligaaufstiegs 1997. Als „versiert und flexibel“ bezeichnete er den Gäste-Rückraum. „Der Rückraum ist eigentlich der Motor für den Angriff“, betonte Eisenachs Trainer Sead Hasanefendic. Doch der tuckerte am Samstagabend bei seinem Team nur. Sead Hasanefendic versuchte es mit vier Mittelmännern (Obranovic, Lumbroso, Ulshöfer, Potisk). „Mal war der Pass zu langsam, mal landeten Pässe gar in Serie beim Gegner“, ärgert sich Eisenachs Trainerikone. Er hatte im Rückraum-Rechten Alexander Saul nur einen torgefährlichen Rückraumwerfer, der ständig an den Ketten zerrte, 8 Treffer (bei 12 Versuchen) einnetzte. Etliche seiner Rückraum-Kollegen versuchten es nur ganz spärlich. „Wir haben ohne Druck im Angriff gespielt“, gab ThSV-Rückraumspieler Andrej Obranovic (2 Treffer aus 4 Versuchen) zu. Luka Kikanovic wurde gar nur mit 2 Würfen (1 Treffer) notiert. Die Eisenacher Torwurfquote lag bei nicht einmal 60 Prozent. Um ins Tempospiel zu kommen, hätte es Ballgewinne in der Abwehr bedurft, doch die gelangen kaum. „Insbesondere im ersten Abschnitt schien das Eisenacher Team von der Physis und vom Kopf nicht auf dem Parkett, in der Abwehr zu unbeweglich, gedanklich zu langsam. ThSV-Keeper Denis Karic verhinderte einen deutlicheren Rückstand. Im zweiten Abschnitt erwachte der Eisenacher Kampfgeist, unterstützt von den Rängen, doch in den entscheidenden Phasen gelangen die big points nicht, wurden freistehende Torchancen ausgelassen. Sicher auch, weil der TuS Ferndorf zwei gute Torhüter hatte“, konstatierte Rainer Osmann. Nicht nur er hatte seine Probleme mit der Schiedsrichterleistung. Oliver und Philipp Frankholz verhängten 16 Strafminuten für Eisenach, lediglich 6 an den TuS Ferndorf. Das Neutralitätspendel schien nicht in der Mitte. Rainer Osmann war aus seinem bayrischen Wohnort angereist, um gemeinsam mit Hans-Joachim Ursinus, Ex-ThSV-Präsident Gerhard Sippel, dem einstigen Aufsichtsratsvorsitzenden und aktuellen Gesellschafter Günter Oßwald. Präsident Shpetim Alaj, Manager Rene Witte sowie Vereinsgründungsmitglied und langjährigen Pressesprecher Thomas Levknecht den Ehrenrat des ThSV Eisenach zu gründen.

Ehe sich der ThSV versah, lag er deutlich hinten

„Wir brauchten viel zu lange, um ins Spiel zu kommen. Eine richtige Deckung hatten wir in der ersten Halbzeit nicht“, befand Bernd Fichtner. Ferndorfs Patrick Weber netzte schier nach Belieben ein. Adrian Wöhler brachte gleich den ersten Siebenmeter für den Gastgeber nicht unter (6.). Immer wieder standen die Eisenacher dezimiert auf dem Parkett. Julian Schneider versenkte zum 2:6 (11.). Auszeit. Der erhoffte Erfolg blieb aus. Patrick Weber hatte keine Mühe ins leere ThSV-Tor zu versenken (4:8, 15.). Sead Hasanefendic versuchte es mit einer 5:1-Abwehr, Ivan Snajder vorgezogen. Weil weder in Unterzahl und den Torhüter zugunsten eines Feldspielers getauscht, kassierte der ThSV-Eisenach den Treffer zum 6:12 ins leere Gehäuse (Julian Schneider, 21.) Yoav Lumbroso übernahm die Spielführung beim ThSV Eisenach, bediente Justin Mürköster zum 8. ThSV-Treffer. Es sollte der einzige Torerfolg vom Kreis bleiben. Die besonderen Qualitäten eines 2,08.Meter- Hünen am Kreis (Marko Racic) wurden nicht genutzt. Im Angriff zerrte Alexander Saul an den Ketten. Ante Tokic verwandelte sicher von der Siebenmeterlinie. Ihren Keeper Denis Karic hatte es der ThSV Eisenach mit zu verdanken, dass es nur mit einem 4-Tore-Rückstand in die Halbzeitpause ging.

Aufholjagd fand keine Fortsetzung

Unverändertes Bild nach dem Seitenwechsel. Ferndorfs Abwehr um Branimir Koloper behielt den Kopf oben. Der einstige ThSV-Mann im Deckungsinnenblock hatte sogar Zeit, seinen Keeper Informationen zu den Wurfbildern der Eisenacher Werfer mitzuteilen. Eisenachs Kapitän Duje Miljak rückte mit in den Angriff auf, wuchtete zum 16:20 ein, sah sich kurz darauf aufgrund einer der vielen umstrittenen Zeitstrafen auf der Bank. Der Funke zur Aufholjagd war entzündet. Adrian Wöhler (mit purer Willenskraft), Ante Tokic (per Gegenstoß und einem Wurf aus der eigenen Hälfte in den leeren Gästekasten) und Alexander Saul (leichtfüßig präzise abziehend) trafen zum 21:21(44.). Jonas Ulshöfer brachte Esprit, traf zum 22:22 (45.). Der letztmalige Gleichstand. Joker Jonas Faulenbach versenkte zum 22:23. Der TuS Ferndorf gab die Führung nicht aus der Hand, auch wenn er in den letzten Minuten mächtig wankte. Doch da stach mit Torhüter Lucas Puhl der andere Joker.

 

ThSV Eisenach : Karic (10 Paraden), Voncina (ab 49., 1 Parade); Kikanovic (1), Wöhler (1), Potisk, Ulshöfer (2), Miljak (1), Tokic (8/3), Richardt, Mürköster (1), Obranovic (2), Lumbroso (1), Snajder, Racic, Weyhrauch (1), Saul (8)

Tus Ferndorf : Durica (11 Paraden), Puhl (ab 51.,4 Paraden), Hoffgenoth; Faulenbach (4). L. Schneider, M. Michel (1), Wicklein (5), L. Michel, J. Schneider (2), Barwitzki, Bornemann (5), Rüdiger, Andersson (5/3), Koloper. Weber (7), Rink (1)

Siebenmeter

ThSV Eisenach 3/4

(Wöhler scheitert an Durica, Tokic verwandelt 3x gegen Durica)

TuS Ferndorf: 3/3 (Andersson verwandelt 2x gegen Karic u. 1x gegen Voncina)

Zeitstrafen

ThSV Eisenach: 16 Min.

(Miljak u. Racic je 4, Wöhler, Mürköster, Obranovic, Saul je 2 Min.)

TuS Ferndorf 3 Min. (L. Schneider, J. Schneider, Wicklein je 2 Min.)

Schiedsrichter: Frankholz/Frankholz

Zuschauer : 2.182

 

Th. Levknecht