News / 2. Handball Bundesliga

Im Interview: Jan Gorr, Coach des HSC Coburg

„Wir haben ein Team mit einer interessanten Mischung aus jungen, hungrigen Spielern auf der einen und einigen sehr erfahrenen Korsettstangen auf der anderen Seite.“

Wir sprachen im Vorfeld mit Jan Gorr, dem Coach der Franken:

Das Spitzenspiel des 12. Spieltages führt den HSC Coburg und den ThSV Eisenach aufeinander. Überrascht von dieser Konstellation?

Nun ja, ob diese Konstellation im Vorfeld zu erwarten war oder nicht, auf jeden Fall ist es toll, dass beide Teams bisher eine wirklich gute Saison gespielt haben und es sich aus meiner Sicht auch redlich verdient haben, zumindest aktuell im vorderen Bereich zu stehen.

Wie sehen Sie die Liga nach zehn Spieltagen?

Ich möchte es so sagen: die Liga hält was sie auch im Vorfeld versprochen hat. Jede Mannschaft kann jeden Gegner schlagen und man sieht das jedes Wochenende aufs Neue. Sowohl im Tabellenkeller als auch im Spitzenbereich ist für reichlich Spannung gesorgt. Vor allem für die Fans ist das natürlich hochinteressant.

Bei einem der eigentlich ganz oben erwarteten Teams, der bis dato in heimischer Halle sieglosen SG BBM Bietigheim, riss die Siegesserie Ihrer Mannschaft mit einer 23:27-Niederlage. Mit Abstand betrachtet, woran hat es gelegen?

Aus meiner Sicht hat es an mehreren Dingen gelegen. Zum einen natürlich an unserer Leistung in Angriff und Abwehr, wo aus meiner Sicht einfach ein paar entscheidende Prozentpunkte gefehlt haben. Das war zu wenig, um auswärts zu punkten. Und andererseits gab es da natürlich auch den Gegneranteil. Bietigheim hat wirklich sehr gut verteidigt und im Angriff viel disziplinierter gespielt als in den vergangenen Partien.

 

Das Prunkstück in der Vorsaison des HSC Coburg war die Abwehr. Doch der Innenblock mit Markus Hagelin und Anton Prakapenia zog im Sommer das HSC-Trikot aus. Die Neuzugänge Andreas Schröder und Stepan Zemann sollten es zusammen mit Marcel Timm reißen. Wie ist die Entwicklung verlaufen?

Das stimmt. Das war die größte Aufgabe in der Vorbereitungszeit. Und heute redet bei uns fast niemand mehr von der letzten Saison und unserer Deckungsformation. Das spricht für meine Jungs und die schnelle Integration. Nichtsdestotrotz ist es auf gar keinen Fall selbstverständlich, zwei so erfahrene Spieler wie Anton und Markus zu ersetzen, die viel für unser Team geleistet haben. Und so werden wir es nur über die gesamte Saison hinweg beweisen können, dass uns das auch in der neuen Formation wirklich gelingt.

Wie zufrieden sind Sie generell mit der Bilanz nach 10 Spieltagen?

Grundsätzlich kann sich unser Abschneiden bis zum jetzigen Zeitpunkt mit Platz 2 und 16:6 Punkten durchaus sehen lassen. Allerdings waren wir in unseren ersten beiden Auswärtsspielen nicht richtig auf der Höhe und haben keine Punkte in Aue und Hüttenberg einfahren können. Die fehlen zu einer hervorragenden Bilanz. Von daher sind wir weiter hungrig und wollen unsere Bilanz unbedingt ausbauen.

Girts Lilienfelds, der ehemalige Eisenacher, sollte oder wollte ja eigentlich den Fokus auf seine berufliche Entwicklung legen, nur noch in der zweiten Mannschaft spielen, steht aber Woche für Woche seit dem Sommer um Zweitbundesliga-Punkte auf dem Parkett…?

Das ist richtig. Girts ist auch nach wie vor dabei, seine Berufsausbildung bei der Firma Schumacher zu machen. Aufgrund von dem verletzungsbedingten Ausfall von Jakob Knauer im rechten Rückraum hat er sich aber bereit erklärt, diesen Verlust bis zu Jakobs Rückkehr aufzufangen. Das war und ist extrem wichtig für unser Team und dafür bin ich ihm auch sehr dankbar.

Wie würden Sie Ihre aktuelle Mannschaft charakterisieren?

Wir haben ein Team mit einer interessanten Mischung aus jungen, hungrigen Spielern auf der einen Seite und einigen sehr erfahrenen Korsettstangen auf der anderen. Das ist auch Bestandteil unserer Vereinsphilosophie im Rahmen des „Coburger Wegs“. Dass diese Mischung auch auf hohem sportlichem Level miteinander funktioniert, ist immer wieder aufs Neue eine Herausforderung. Die Spieler haben naturgemäß unterschiedliche Interessen und auch ganz andere Lebenssituationen. Schließlich liegen teilweise mehr als 15 Jahre dazwischen. Bisher haben wir aber überwiegend gute Erfahrungen mit unserem eingeschlagenen Weg gemacht und es macht viel Freude, unserem Team zuzuschauen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung beim ThSV Eisenach?

Als Aufsteiger hat man es in der Regel extrem schwer, direkt in der neuen Liga anzukommen und Fuß zu fassen. Dass dieser Aspekt dem ThSV bisher so gut gelungen ist, spricht für eine ausgezeichnete Arbeit und Vorbereitung. Letztlich konnte man den vorübergehenden Abstieg aus der 2. Liga wohl auch nutzen, um ein paar wichtige und neue Weichenstellungen vorzunehmen.

Was erwarten Sie am Samstag? Was geben Sie Ihrer Mannschaft mit auf den Weg?

Am Samstag wartet aus meiner Sicht ein emotionales Derby auf beide Mannschaften und ihre Fans. Die Kartennachfrage ist im Vorfeld extrem groß und die Begegnung wird einen tollen Rahmen haben. Wir möchten von unserer Seite aus natürlich auch in diesem Heimspiel die Punkte erkämpfen und zeigen, dass wir zu Hause nicht ohne Grund ungeschlagen sind. Dabei wissen wir aber sehr wohl, dass wir mit Eisenach einen sehr starken Gegner zu Gast haben. Und genau diese Spiele sind ja immer etwas Besonderes.

Wie sieht es personell aus? Ist Christoph Neuhold wieder dabei?

Hier müssen wir letztendlich den Verlauf der Trainingswoche abwarten. Bisher sieht es aber sehr gut aus und ich hoffe, dass wir am Samstag wieder nahezu in Vollbesetzung auflaufen können.

 

Danke für das Interview.

Thomas Levknecht