News / 2. Handball Bundesliga

Im Interview: Christian Köhrmann, Coach des Wilhelmshavener HV

„Trotz Punktabzug zum Saisonende, wir sind nur einen Zähler vom rettenden Ufer entfernt.“

In einem Nachholspiel vom 10. Spieltag treffen am Mittwoch, 03.03,2021 um 19.00 Uhr in der Werner-Aßmann-Halle der ThSV Eisenach und der Wilhelmshavener HV aufeinander. Ohne Zuschauer. Beide Teams brauchen dringend Punkte für den Klassenerhalt.

Wir sprachen mit Christian Köhrmann, dem Coach des Wilhelmshavener HV:

Glückwunsch zum doch etwas unerwarteten 32:21-Sieg beim ASV Hamm-Westfalen. Sie gingen mit einer 32:29-Führung in die letzte Spielminute, lagen über weite Strecken der Partie vorn, sahen sich beim 29:28 für den ASV Hamm in der 56. Minute aber im Rückstand; was sprach an diesem Tag für Ihre Mannschaft?

Da ist die Präsenz von der ersten Minute zu nennen. Die Jungs wollten unbedingt was reißen. Im Vorwärtsgang, in der Laufarbeit, im Engagement in der Abwehr, und das alles über 60 Minuten. Wir erwischten, nicht so wie in den Partien im Herbst, eine gute Startphase und haben unser Spiel über die gesamte Distanz durchgezogen. In der Schwächephase, als wir die Führung abgaben und in Rückstrand gerieten, sind wir cool geblieben, haben in der Abwehr alles rausgehauen, zwei Bälle abgefangen. Wichtig auch, wir minimierten die Zahl unserer Fehlwürfe gegenüber den vorausgegangenen Begegnungen.

 

Die HBL-Statistik weist für Ihre Torhüter nur drei gehaltene Bälle auf. Stimmt das?

Das stimmt. Dennoch haben wir das Spiel gewonnen. So ganz untypisch ist das nicht. Wir haben Spiele mit 5 oder gar 0 abgewehrten Bällen gewonnen, jetzt halt mal mit 3 parierten Bällen. Das spricht natürlich auch für die Abwehr vor unserem Keeper.

 

Wie wichtig ist die Rückkehr von Tobias Schwolow, nach einer ganz kurzen Stippvisite bei Eintracht Hagen, für Ihr Team?

Er ist allgemein eine wichtige Alternative. Er kennt unser Spiel in allen Bereichen, kann immer ein Faktor sein. Kommt er ins Rollen, ist er nur sehr schwer zu stoppen. Er hast 2 ½ Monate kein Spiel absolviert, wir bauen ihn gerade körperlich wieder auf. Ich bin mir sicher, er wird noch eine wichtige Rolle übernehmen. Den Sieg in Hamm hat er allerdings noch von der Wechselbank verfolgt. Wir haben ihn für die Partie in Eisenach geschont…

 

Ist Ihre Mannschaft nach der Insolvenz des wirtschaftlichen Trägers, den Abgängen von Spielern, dem Einstieg eines neuen wirtschaftlichen Trägers etwas zur Ruhe gekommen?

Bei uns ist immer viel Bewegung, viel Leben. Zuviel Ruhe ist ohnehin nicht gut. Nach dem kürzlichen Abgang von Torhüter Jens Vortmann haben wir mit Ivan Eres einen jungen Schlussmann von den Füchsen Berlin verpflichtet. Einer, mit viel Potential. Er schiebt gerade Sonderschichten im Torwarttraining. Für den Kreis und die Abwehr haben wir noch einen jungen Mann dazu geholt, den wir jetzt langsam aufbauen. Sprachprobleme sind dabei auch zu beheben.  Rechtsaußen Evgeny Vorontsov muss aufgrund eines Wadenbeinbruchs pausieren. Wir haben einen 19-Jährigen aus der 2. Mannschaft nach oben geholt. Nach dem Ende der Wechselfrist ist es uns gelungen, mit Duje Maretic einen 26-Jährigen zu gewinnen. Einer mit schon Erfahrung und Potential.

 

Ihr Team hat aktuell 14:24 Punkte, bekommt zum Saisonende aber 4 Pluspunkte abgezogen. Könnte das ausschlaggebend für den Klassenerhalt sein?

Das ist natürlich möglich. Bei genauem Hinsehen auf die Tabelle, sind wir einen Zähler vom rettenden Ufer entfernt. Zwei bis drei Mannschaften sind auf Schlagdistanz. Wir müssen zuallererst selbst punkten, uns nicht von der Tabelle verrückt machen lassen. Wir sind noch im Rennen!

 

Am Mittwoch kommt es in Eisenach zum Nachholspiel vom 10. Spieltag. Wie bereiten Sie Ihre Mannschaft vor? Wie sieht es personell aus? 

Am Wochenende stand Regeneration an. Am Montag begann die handballspezifische Vorbereitung auf die Partie in Eisenach, inbegriffen die Videoanalyse. Wir wollen die Stärken des ThSV Eisenach herausfiltern und herausarbeiten, wie unser Angriff und unsere Abwehr agieren müssen, um erfolgreich zu sein. Die endgültige Formation werde ich erst am Spieltag bekanntgegeben. Wir brauchen eine hohe Qualität über 60 Minuten. Dass keine Zuschauer in der Werner-Aßmann-Halle sein dürfen, kommt uns ein Stück entgegen. Wir werden, auch aus Kostengründen, die 460-Kilometer-Anfaht, am Spieltag antreten. Wir haben einen guten Busfahrer und schmieren uns die Butterbrote selbst.

Th. Levknecht