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Im Interview: Rúnar Sigtryggsson, Interimscoach des EHV Aue

"Wir sind hinreichend gewarnt", sagt der Coach des EHV Aue, in der Saison 2004/2005 Spieler und Trainer beim ThSV Eisenach, vor der 96. Auflage des Traditionsderby am Samstag, 27.03.2021 um 19.30 Uhr in der Werner-Aßmann-Halle

  In der Saison 2004/2005 wirkte Rúnar Sigtryggsson zunächst als Spieler, dann als Trainer beim ThSV Eisenach. Von 2012 bis 2016 trainierte er den EHV Aue, bevor er für eine Spielserie Erstbundesligist HBW Balingen/Weilstetten übernahm. Der 118-fache isländische Nationalspieler sprang im Dezember 2020 für den erkrankten Stephan Swat als Interimscoach beim EHV Aue ein. Mit dem Team aus dem Erzgebirge kommt er am Samstag, 27.03.2020 zur 96. Auflage des Traditionsderbys in die Wartburgstadt.

Wir sprachen zu Wochenbeginn mit dem knapp 49-jährigen Isländer, der noch immer große Sympathien in Eisenach genießt:

Anfang Dezember des Vorjahres erreichte Sie ein Anruf aus Aue mit der Frage, ob Sie kurzfristig und zeitlich begrenzt als Interimscoach einspringen können. Dann ging es ganz schnell?

Ich fühle mich dem EHV Aue verbunden. Arbeitstechnisch kam die Nachfrage zum richtigen Zeitpunkt. Ich habe beim isländischen Verband als U17-Jugend-Trainer gearbeitet, zudem Handballspiele im Fernsehen mitkommentiert. Binnen weniger Tage habe ich alles geregelt. Die handelnden Personen und die Gegebenheiten in Aue kenne ich ja gut. Zu den Gegebenheiten im Raum Aue gehört leider auch, dass es noch immer kein flächendeckend konstant funktionierendes Internet gibt. Im Jahre 2021 sollte das eigentlich zur Normalität gehören.

Aus Ihrem kurzfristigen Engagement könnte es jetzt eines bis zum Saisonende werden?

Wenn der Klassenerhalt sicher und meine Mission eigentlich beendet ist, setzen wir uns noch einmal zusammen. Der Klassenerhalt genießt oberste Priorität.

Ihr Comeback auf der Trainerbank des EHV Aue am 08.12.2020 war mit dem 30:25-Erfolg des EHV Aue über den ThSV Eisenach ein Auftakt nach Maß...?

Fürwahr, der Sieg war gut. In den Tagen hatte ich ganz viel um die Ohren, es war viel los, auch außerhalb des Handballparketts. Alle paar Tage standen Punktspiele an. Und das mit einer Mannschaft, mit Spielern, die ich zum übergroßen Teil bis dato nicht kannte.

Haben Sie noch Kontakte nach Eisenach?

Mit Karsten Lehmann und Kristian Szep-Kis, Mannschaftskollegen der damaligen Zeit, habe ich hin und wieder Kontakt. Gern erinnere ich mich an die grandiose Stimmung in der Werner-Aßmann-Halle. Ich war eigentlich nicht darauf geeicht, mal Trainer zu werden. Thomas Dröge hat mich seinerzeit überredet. Seitdem mache ich den Job und habe Spaß daran.

Welche Art des Handballs möchten Sie mit dem EHV Aue spielen, der einen breiten Kader hat?

Kurz gesagt, einen Handball, der zur Mannschaft passt. Dabei geht es vornehmlich darum, Schwankungen zu minimieren, mehr Stabilität zu finden. Den Zusammenhalt sehe ich als enorm wichtig an, das Bereitsein, jederzeit intensiv zu arbeiten und einander zu helfen. Bei der neuen Spielergeneration lässt der Mannschaftsgedanke manchmal zu wünschen übrig. Da sind die eigenen Informationsquellen wie Instagram, jeder beschäftigt sich viel zu viel mit sich selbst, statt dem Kerngeschäft Mannschaftssport Handball.

Unter Ihrer Leitung erlebte der EHV Aue eine ganz starke Phase vom 29.12.2020 bis 04.03.2021 mit 12 Pluszählern sowie einer Serie von 6 ungeschlagenen Spielen. Was zeichnete Ihre Mannschaft während dieser Etappe aus?

Wir haben im Januar in Vorbereitung des zweiten Teiles der Saison intensiv und gut trainiert. Die Abwehrleistung im Zusammenspiel mit dem Torhüter bildete den Grundstein. Dadurch haben wir wie in Rimpar ein Spiel mit nur 19 eigenen Treffern gewonnen, mit 19:16. Während dieser angesprochenen Phase gelangen 3 Auswärtssiege in Folge. Sicherlich eine absolute Rarität beim EHV Aue!

Einem 29:21-Sieg am 24.02.2021 in Dresden folgte nicht einmal 4 Wochen später, im Rückrundenspiel am 20.03.2021, eine empfindliche 22:35-Heimniederlage gegen den HC Elbflorenz Dresden. Wie ist das zu erklären?

Ja, das ist kaum zu erklären. Einige hatten das Rückspiel wohl schon als leichte Aufgabe gebucht, obwohl wir ja eine Woche zuvor in Konstanz 26:28 verloren hatten. Bei uns ging wohl etwas Bodenhaftung verloren, wurde sich nicht ausreichend genug auf das Wesentliche konzentriert. Und schon kam es ganz anders! Der HC Elbflorenz hat von Beginn das Spiel bestimmt. Wir bekamen keinerlei Zugriff.

Am Samstag steht die 96. Auflage des Traditionsderbys zwischen Männer-Handballmannschaften aus Eisenach und Aue an. Wie gehen Sie in die Partie? Wer wird definitiv in ihrem Aufgebot fehlen?

Wir werden dieses Derby nicht so angehen wie das jüngste Sachsenderby! Wir werden uns nicht wieder so abschlachten lassen. Der ThSV Eisenach hat einen guten Lauf, hat in Konstanz souverän gewonnen, wir haben dort verloren. Wir sind also hinreichend gewarnt. Fehlen werden bei uns auf alle Fälle die verletzten Marc Töpfer (Torwart), Linksaußen Kevin Roch, Rückraum-Mitte-Mann Julius Schröder und der linke Rückraumspieler Julius Schneider, der sich gegen Dresden die Nase gebrochen hat.

 

Th. Levknecht