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Im Interview: Uwe Jungandreas, Coach des Dessau-Roßlauer HV

„Wir sind die Mannschaft mit den zwei Gesichtern.“

In der 65. Auflage eines Handball-Klassikers stehen sich am Dienstag, 10.05.2022 um 19.30 Uhr in der Eisenacher Werner-Aßmann-Halle der auf Tabellenplatz 4 vorgepirschte ThSV Eisenach und der mit einem 30:26-Erfolg bei TuSEM Essen dem Klassenerhalt ein gehöriges Stück näher gerückte Dessau-Roßlauer HV gegenüber. 

Wir sprachen im Vorfeld mit Uwe Jungandreas, dem Coach des Teams aus Sachsen-Anhalt.

Glückwunsch zum Erfolg in Essen! Ihre Mannschaft verwandelte einen 13:18-Rückstand in einen 30:26-Sieg um. Was war ausschlaggebend?

Wir haben im gesamten Spiel unsere Linie beibehalten, Rückstände immer wieder aufgeholt, haben nicht abreißen lassen. Im Endspurt haben wir die sich uns bietende Chance genutzt. Den Grundstein legten wir mit unserer Abwehrarbeit inklusive einer guten Torwartleistung. Unser Manko, wir ließen noch zu viele Freie aus.

Stammkeeper Philip Ambrosius kam nur bei Siebenmetern auf das Parkett?

Philipp Ambrosius war noch von den Folgen einer Corona-Erkrankung gehandicapt. Julian Malek hat seine Sache in unserem Tor gut gemacht, was eine Fangquote von über 37 Prozent in der HBL-Statistik zeigt.

War das schon der Klassenerhalt, hat Ihr Team doch nun  27 Pluszähler auf dem Konto?

Ich glaube, 27 Punkte reichen noch nicht. Wir brauchen noch ein paar Zähler. Unser Ziel ist es, weiter zu punkten. Auf uns wartet noch ein anspruchsvolles Programm, zu dem die Derbys gegen Eisenach, Dresden und Aue, ebenso die Spiele gegen die Aufstiegskandidaten HSG Nordhorn-Lingen und ASV Hamm-Westfalen gehören.

Wie sehen Sie die Situation am Tabellenende?

Der EHV Aue muss fast noch alles gewinnen, um dem Abstieg zu entgehen. Doch das ist machbar. Alle anderen haben auch ihre Chance. Es ist noch nichts entschieden. Die bedrohten Teams punkten Woche für Woche. Wie erwähnt, auch wir – die Mannschaft mit den zwei Gesichtern - müssen weiter punkten. 29 Punkte könnten für den Klassenerhalt reichen.

Sie sprachen sie gerade an, die Wechselbäder Ihres Teams. Einem 33:32-Sieg über Ligaprimus VfL Gummersbach folgte eine herbe 27:36-Heimschlappe gegen den TV Hüttenberg…

Ja, wir sind nicht konstant genug. Das war schon vor Weihnachten so. Da spielen viele Faktoren rein. Wir sind auf zentralen Positionen, wie im Mittelblock, mit sehr jungen Spielern besetzt. Fehlende Konstanz im Kader über Jahre ist ebenso anzuführen. Im Dezember mit 9 Spielen fehlten uns drei bis vier Stammspieler, hinzu kamen Corona-Erkrankungen bei 14 Aktiven. Mancher war über die Woche krank, spielte dann aber trotzdem. Das spielte alles eine Rolle. Wir müssen an unserer Konstanz arbeiten.

Sie bevorzugen einen „Spezialistenwechsel“, in Essen kam Luca Baumgart zumeist für Abwehraufgaben?

Luca Baumgart ist im Januar aus Magdeburg gekommen. Der SCM hat uns mit einem Zweitspielrecht schnell geholfen. Der 22-Jährige hat seine Stärken in der Abwehr, wo er für sein Alter eine hohe Qualität aufweist, die wir nutzen. Mit seiner Verpflichtung hat sich unsere Abwehr merklich stabilisiert.

Sie profitieren generell weiterhin von Ihren guten Kontakten zum SC Magdeburg?

Diese Zusammenarbeit prägt unseren Weg ja schon über Jahre. Unsere Schiene der Zusammenarbeit mit dem SCM, aber auch dem SC DHfK Leipzig und den Füchsen Berlin behalten wir bei. Junge in den Leistungszentren ausgebildete Talente können bei uns den nächsten Schritt vollziehen.

Beim Thema „Schnelle Mitte“ wird Ihre Mannschaft oft als „das Beste, was die Liga hat“ bezeichnet. Sehen Sie das ähnlich?

Das müssen andere entscheiden. Tempo spielt bei allen von mir trainierten Mannschaften eine Rolle. Auch der Dessau-Roßlauer HV kommt – mit zwei schnellen Mittelleuten – viel über das Tempo. Nach Ballgewinnen ins Tempospiel zu kommen, das ist eine unserer Stärken.

Der zusätzliche Feldspieler, das 7 gegen 6, ist inzwischen fast zum Alltag geworden. Fördert das den Handball oder ist das Risiko zu groß?

Ein taktisches Mittel, das auch wir praktizieren, wenn es erforderlich ist. Mal mit positiven, mal mit negativen Folgen. Ich gehöre zu denen, die meinen, es wäre für unseren Handball besser, wenn es diese Möglichkeit nicht gibt.

Am Dienstag können Sie relativ entspannt zum Handball-Klassiker nach Eisenach fahren. Was geben Sie Ihrer Mannschaft mit auf den Weg?

Wir freuen uns auf dieses Derby, hoffen – trotz des Wochentages – auf viele uns begleitende Fans. Nach dem Doppelpunktgewinn in Essen ist unser Rücken etwas freier. Ich erwarte ein anspruchsvolles Spiel vor einer gewohnt stimmungsvollen Kulisse in der Werner-Aßmann-Halle, geprägt von Emotionalität und Taktik. Auf ein Team mit dem Abwehrverhalten Eisenachs trifft man nicht alle Tage.

Wie sieht es bei Ihnen personell aus?

Jedes Zweitbundesligaspiel hinterlässt Blessuren. Ich hoffe, alle Spieler vom Sieg bei TuSEM Essen aufbieten zu können. Eventuell kommt unser junger Kreisspieler Tillman Leu dazu.

 

Th. Levknecht