News / 2. Handball Bundesliga

Klare Derbyniederlage - Ein starker Yoav Lumbroso war zu wenig

Fehlerfestival nach dem Seitenwechsel

„Wir sind nicht so gut, wie manche meinen“, erklärte Sead Hasanefendic, der Coach des ThSV Eisenach. Sein Team hatte kurz zuvor den Beweis geliefert. Die Wartburgstädter unterlagen beim ambitionierten HSC Coburg nach guter erster Halbzeit am Ende mit 23:31 (14:15). Nach der Niederlage im Traditionsderby beim EHV Aue (26:28) setzte es zwei Wochen später im fränkisch-thüringischen Derby gar eine deftige Pleite. Eine blau-weiße Fankarawane hatte dafür gesorgt, dass die Zuschauerzahl in der HUK-Coburg Arena erstmals in dieser Saison die 3.000- Marke überschritt. Beide Trainer waren begeistert von der Rekordkulisse, die einen fantastischen Rahmen für die nach dem Wechsel einseitige Partie bot. Beide Fanlager präsentierten eine sehenswerte Choreo, die Maskottchen beider Teams, Vestus und Schorsch, sorgten für Unterhaltung, wobei der blaue Drache aus Eisenach den meisten Beifall einheimste. Die über 300 ThSV-Anhänger zogen enttäuscht von dannen. Zu viele Akteure aus ihrem Team blieben weit unter den Erwartungen. ThSV-Manager Rene Witte sprach von einer „grottenschlechten zweiten Halbzeit“. Es sei keine Schande in Coburg zu verlieren, doch zum wiederholten Male habe das Team mit einer schlechten zweiten Halbzeit aufgewartet. „Darüber wird zu reden sein. Stellen wir das nicht ab, können wir auswärts nicht erfolgreich sein“, betont Rene Witte. Der eigenen 13:11-Führung (26.) ließ der ThSV Eisenach ein Fehlerfestival mit einer 5:16-Tore-Phase zum 18:27-Rückstand folgen (50.). „Wir haben völlig den Faden verloren“, gestand Sead Hasanefendic. Symptomatisch, Ivan Snajder, bis dahin 7 Treffer bei 7 Versuchen, schmetterte im Gegenstoß das Leder völlig frei ans Holz, der Abpraller landete bei Marco Racic und dessen Wurf ließ ebenfalls das Gebälk wackeln (49.). Rene Witte dankte den vielen mitgereisten Anhängern für ihre grandiose Unterstützung. Trotz der Enttäuschung brauche die Mannschaft im anstehenden Heimspiel kommenden Sonntag gegen den TV Emsdetten wieder die Unterstützung von den Rängen, um erfolgreich zu sein.

Ein starker Yoav Lumbroso konnte es allein nicht richten

„Gegen einen starken Gegner hatten wir nichts zu verlieren, nur zu gewinnen. Doch ein bis zwei Spieler waren wohl nicht in der Halle. Ihre Ausfälle waren nicht zu kompensieren“, befand ein sichtlich geknickter und enttäuschter Eisenacher Trainer. Ein starker Yoav Lumbroso jagte die Deckung der Hausherren im ersten Abschnitt von einer Verlegenheit in die andere. Doch er bekam schon da nur ganz wenig Unterstützung von seinen Rückraum-Kollegen. Alexander Saul und Luka Kikanovic blieben im gesamten Spielverlauf ohne Treffer. Andrej Obranovic musste verletzt vorzeitig passen. Ein Siebenmeter-Wurf von Adrian Wöhler landete am Hals und Kinn des Coburger Schlussmannes Konstantin Poltrum. Die Schiedsrichter zeigten Adrian Wöhler Rot (23.). Eine sehr harte Entscheidung, Adrian Wöhler entschuldigte sich im Stil eines untadeligen Sportsmannes sofort beim Keeper der Hausherren.

Allein neun technische Fehler im zweiten Abschnitt

Mit einer Torwurfeffektivität von gerade einmal 52 Prozent und 13 technischen Fehlern, 9 davon im zweiten Abschnitt, war den mit mannschaftlicher Geschlossenheit auftrumpfenden Franken nicht beizukommen. Bei ihnen griff im zweiten Abschnitt ein Rädchen in das andere. Sie spielten sich, auch Dank ihres starken Rückraumes mit Pontus Zettermann, Tobias Varvne und Andreas Schröder, ihrem treffsicheren Torjäger Florin Billek und den sich im Zusammenspiel mit ihren Vorderleuten steigernden Torhütern Jan Kulhanek und Konstantin Poltrum in einen wahren Rausch. Nahezu jeder Ball zappelte, ob gegen Blaz Voncina oder gegen den in der 40. Minute ins ThSV-Gehäuse eingewechselten Denis Karic. Beide ThSV-Torhüter wurden in der Statistik von Mannschaftsleiter Ronny Oelschläger mit einer Fangquote von gerade einmal 20 Prozent notiert. Vielfach wurden sie von ihren Vorderleuten im Stich gelassen. „Im ersten Abschnitt beschäftigten wir uns mit zu vielen Randerscheinungen. Nach Wiederbeginn haben wir die Weichen auf Sieg gestellt, sind den Gästen mit Routine gepaart mit viel Lauffreudigkeit hinten und vorn begegnet. Wir haben vieles auf den Punkt gebracht“, bilanzierte ein aufgekratzter Coburger Coach Jan Gorr. Sein Eisenacher Kollege fragte sich, „was haben wir uns die ganze Woche vorbereitet“ und gestand, über die Schluss-Sirene froh gewesen zu sein. Er hatte alle personellen und taktischen Möglichkeiten ausgereizt.

Erste Halbzeit ließ hoffen

Dabei sah es im ersten Abschnitt recht gut für die Eisenacher aus. Das lag vor allem am kleinen Yoav Lumbroso, der als gewitzter Spielgestalter die Abwehr der Gastgeber immer wieder narrte, bis zur Pausensirene auch selbst 5 Bälle einnetzte. Doch schon da wurde sichtbar, seine Rückraumkollegen hatten kaum Zielwasser dabei. Ballgewinne in der offensiv ausgerichteten Abwehr nutzte Ivan Snajder zu schnörkellos abgeschlossenen Tempogegenstößen. Auch er markierte im ersten Abschnitt 5 Treffer. Einen 5:7-Rückstand (13.) verwandelte der ThSV Eisenach in eine 9:7-Führung (18.). Nach der roten Karte für Adrian Wöhler glichen die Hausherren, die es mehrfach über den Kreis versuchten, zum 10:10 aus (23.). Ante Tokic verwandelte einen an Yoav Lumbroso verursachten Siebenmeter, ThSV-Keeper Blaz Voncona parierte per Fußabwehr, Ivan Snajder netzte per Gegenstoß zu Eisenachs 13:11-Führung ein (26.). . „Da haben wir uns das Leben selbst schwer gemacht. Wir haben den Gegner zu oft zu Toren eingeladen, waren nicht konzentriert genug“, befand Coburgs Geschäftsführer Michael Häfner. Doch mit einer Eisenacher Pausenführung wurde es nichts. In Überzahl donnerte Ante Tokic das Leder von Rechtsaußen über den Coburger Kasten. Torjäger Florian Billek besorgte mit 3 Treffern die 15:14-Pausenführung für seine Farben. „Nach dem Wechsel haben wir bis zur 50. Minute nur vier Gegentore kassiert. Das war nach der doch schwachen ersten Halbzeit wirklich spitze von der Mannschaft“, lobte Michael Häfner sein spielendes Personal. Nach Wiederbeginn nahm Eisenachs Untergang seinen Lauf. Die Gastgeber hatten Eisenachs Alleinunterhalter Yoav Lumbroo weitestgehend im Griff. Im Gefühl des sicheren Sieges packten die Coburger im Schlussabschnitt sehenswerte Spielzüge mit Rückhandanspielen und technischen Raffinessen aus. Den Höhepunkt schloss Florian Billek zum 30:22 ab, der ein Kempa-Anspiel von Zetterman verwandelte.

Die Serien beider Teams hielten

Zwei Serien wurden fortgeführt. Der HSC Coburg behauptete seine blütenweiße Heimweste, rangiert auf einen der beiden Aufstiegsplätze. Der ThSV Eisenach bleibt auswärts weiter sieglos, belegt Dank seiner Heimstärke mit nunmehr 15:9 Punkten den 5. Tabellenplatz.

ThSV Eisenach erwartet nächsten Sonntag den TV Emsdetten

Am Sonntag, 24.11.2019 kommt der TV Emsdetten mit Eisenachs Ex-Kapitän Marcel Schliedermann in die Werner-Aßmann-Halle (Anwurf um 18.15 Uhr), da soll wieder doppelt gepunktet werden. Eintrittskarten sind vorab erhältlich online unter www.thsv-eisenach.de, in der ThSV-Geschäftsstelle und in allen Pressehäusern der Mediengruppe Thüringen. Desgleichen läuft der Dauerkartenverkauf für die Rückrunden-Heimspiele, beginnend mit dem Heimspiel am zweiten Weihnachtsfeiertag gegen den HC Elbflorenz Dresden. Sieben Heimspiele sehen, nur sechs bezahlen, lautet das lukrative Angebot. Rückrunden-Dauerkarten sind ausschließlich in der ThSV-Geschäftsstelle in der Werner-Aßmann-Halle erhältlich. Rückfragen unter Tel. 0369/82800 oder 72360.

Statistik

HSC Coburg: Kulhanek, Poltrum; Jaeger (4), Wucherpfennig (1/1), Spross, Weber (1), Billek (8/4), Timm (1), Zettermann (4), Lilienfelds, Varvne (3), Zeman (3), Schröder (5), Neuhold (1)

ThSV Eisenach : Voncina, Karic; Iffert (1), Kikanovic, Wöhler (1/1), Ukshöfer, Miljak, Tokic (2/2), Richardt (2), Mürköster, Obranovioc (2), Lumbroso (6), Snajder (7), Racic (2), Weyhrauch, Saul

Siebenmeter : HSC Coburg 5/6 – ThSV Eisenach 3/4

Zeitstrafen : HSC Coburg 8 Min. – ThSV Eisenach 10 Min./ Rot gegen Wöhler (23.)

Schiedsrichter : Hurst/ Krag

Zuschauer : 3.316

 

Th. Levknecht