News / 2. Handball Bundesliga

Martin Potisk war der Mann der zweiten Halbzeit

Unser Team bejubelt nach holpriger erster Halbzeit im Schluss-Spurt 30:29- Erfolg über die HSG Konstanz

Freud und Leid lagen einmal wieder ganz dicht beieinander. Praktisch mit der Schluss-Sirene netzte Eisenachs Kapitän Alexander Saul zum 30:29 (12:13) -Sieg seines Teams über die HSG Konstanz ein. Die Partie in der Wartburgstadt war eine von nur 5 stattfindenden Punktspielen des 4. Spieltages der 2. Handballbundesliga Männer.  Vier Begegnungen fielen positiven Corona-Tests zum Opfer. Weitere könnten folgen.

Entscheidende Treffer in Unterzahl

Wie im Vorjahr an gleicher Stelle, das Team vom Bodensee bestimmte über weite Strecken die Partie, führte im ersten Abschnitt gar mehrmals mit 4 Toren, stand am Ende erneut mit leeren Händen da. In der 53. Minute, durch einen Treffer vom „Mann der zweiten Halbzeit“, des 21-jährigen Spielgestalters Martin Potisk, zum 26:25 (54.) gingen die Wartburgstädter erstmals in Führung. Es wurde ein Handball-Krimi mit Happyend für den ThSV Eisenach. Die Gastgeber legten vor, durch zwei schnörkellos von Adrian Wöhler verwandelte Strafwürfe und ein Unterzahl-Treffer (Ante Tokic, 28:27, 56.), die Gäste egalisierten. Tom Wolf lochte per Strafwurf zum 29:29 ein (60.). Die Hausherren trafen sich 35 Sekunden vor Ultimo zur Besprechung der letzten Angriffsaktionen. Da in Unterzahl nahmen sie ihren Torhüter für einen zusätzlichen Feldspieler vom Parkett und gingen hohes Risiko. Bei einem Ballverlust drohte ein Gegentor in den verwaisten Kasten, gleichbedeutend mit einer Niederlage.  Das Leder lief schnell durch die Eisenacher Reihen, bis letztendlich Alexander Saul aus dem rechten Rückraum zum Wurf ansetzte und Gästekeeper Michael Haßferter das Leder passieren ließ. Eine Eisenacher Jubeltraube auf dem Parkett, 666 Zuschauer auf den Rängen, die Thüringens Nationalhymne, das Rennsteiglied intonierten, und schier fassungslose Spieler und Betreuer der HSG Konstanz auf dem Parkett. „Wäre es nur ein Punkt geworden, hätten wir uns nicht beklagen dürfen“, gestand Eisenachs Manager Rene Witte. „Wir dürfen in heimischer Halle Glaube und Mut nicht verlieren“, fügte er hinzu. Woran noch zu arbeiten ist, hat auch er gesehen. „Die gezeigten Schwächen dürfen wir nicht übersehen“, betonte auch Trainer Markus Krauthoff-Murfuni während der Pressekonferenz.

Umstellung auf eine 5:1-Abwehr war wichtiger taktischer Schachzug

„Das ist schon bitter, aber so ist Handball eben. Es gibt Gewinner und Verlierer“, gab sich Daniel Eblen, der Coach der HSG Konstanz, gefasst. Letztlich habe wohl etwas Cleverness gefehlt. „Bei unseren 3-Tore-Führungen haben wir die Bälle viel zu schnell weggeworfen. Das hat sich gerächt“, ging Daniel Eblen in die Analyse. „Die HSG Konstanz hat im letzten Jahr und auch heute super aufgespielt, aufopferungsvoll gearbeitet und gekämpft. Wir brauchten lange, um uns nach der deutlichen Niederlage in Lübeck freizuschwimmen. Zum Ende der ersten Halbzeit fingen wir damit an“, konstatierte Eisenachs Trainer Markus Krauthoff-Murfuni.  „Die Mannschaft hat an sich geglaubt, den Tanz auf der Rasierklinge im Finish für sich entschieden“, ergänzte Markus Krauthoff-Murfuni. „Unsere 5:1-Abwehr war der Schlüssel zum Sieg“, befand Linksaußen Ivan Snajder. Er selbst agierte auf der vorgezogenen Position, versenkte zudem 5 von 6 Bällen. „Wir haben viele Gegenstöße zugelassen, zwei Siebenmeter und mehrere freie Wurfchancen ausgelassen“, fand Ante Tokic kritische Worte. Dass dennoch ein Sieg heraussprang, zeuge vom Geist und Charakter des Teams. „Anfangs spielten wir zu statisch. Die Umstellung auf eine 5:1-Abwehr half uns. Wir müssen künftig mehr über das Tempo kommen“, erklärte Alexander Saul, der 5 von 8 Bällen versenkte.

 

Martin Potisk: Mein bestes Spiel im Eisenacher Trikot

So richtig auf der Rechnung hatte das Team vom Bodensee Eisenachs jungen Spielmacher Martin Potisik wohl nicht. „Er hat im zweiten Abschnitt seine Stärken gezeigt. Seine Mitspieler ermöglichten ihm den Zweikampf“, so Markus Krauthoff-Murfuni. Martin Potisk marschierte immer wieder erfolgreich in die Nahtstellen der Gästeabwehr, netzte im zweiten Abschnitt 6 Bälle ein, konnte zudem nur auf Kosten von Strafwürfen gestoppt werden. „Ja, das war heute mein bestes Spiel im Eisenacher Trikot. Das stärkt natürlich mein Selbstvertrauen“, merkte ein aufgekratzter Martin Potisk an.  „Er suchte den Körperkontakt, um seine Tore zu erzielen. Uns auf ihn zu konzentrieren, wäre falsch gewesen, denn an seiner Seite stand ja noch Alexander Saul und auch am Kreis gab es einen wichtigen Mann“, so Daniel Eblen. „Ein Handballspiel ist eben keine Theateraufführung, in der alles exakt wie bei der Probe abläuft“, fügte der seit 2004 die HSK Konstanz trainierende Daniel Eblen hinzu.

 

Kein Spiel der Torhüter

„Wenn unsere Torhüter keinen Ball halten, wird es zu keinem Sieg kommen“, diagnostizierte Rainer Lehmann, in den 70er Jahren im Kasten der Erstliga-Handballer von Motor Eisenach. Im ersten Abschnitt standen für beide ThSV-Schlussleute, Thomas Eichberger und Blaz Voncina, gerade einmal zwei abgewehrte Würfe in der Statistik. Im zweiten Abschnitt kamen bei Thomas Eichberger noch 5 Paraden hinzu. Nicht unwichtige! Er parierte beim Stand von 20:21 das Leder von Rechtsaußen Fabian Maier-Hasselmann (45.) und war auch beim Stand von 25:25, Kristian Beciri hatte gerade aus schwieriger Position von Rechtsaußen eingenetzt, zur Stelle (52.) Gegen die Würfe von Tom Wolf fanden er und Kollege Blaz Voncina freilich kein Rezept. Der Spielgestalter der HSG Konstanz markierte 13 Treffer bei 15 Würfen. Dabei waren auch alle seinem Team zuerkannten sechs Siebenmeter. Im ersten Abschnitt traf auch der Rückraum-Linke Peter Schramm schier nach Belieben, nutzte die ihm eingeräumten Freiheiten, wie beim 3:7 (14.) und mit seinem 5. Treffer zum 7:11 (22.). Danach gelang ihm nur noch ein Torerfolg. Aber auch beide Keeper der HSG Konstanz bekamen zusammen nur 9 Bälle vor der Linie zu fassen. Es war also kein Spiel der Torhüter.

 

Adrian Wöhler bei Comeback sicher von der Siebenmeterlinie

Nach zwei verwandelten Siebenmetern scheiterte Ivan Snajder. Zuvor war Willy Weyhrauch ein Strafwurf aus der Hand gerutscht und landete weit über dem Gehäuse der HSG Konstanz. Die nächsten drei dem ThSV Eisenach zugesprochenen Siebenmeter versenkte der nach einem doppelten Außenbandriss im Sprungbein erstmals wieder mitwirkende Adrian Wöhler kaltschnäuzig. „Ich mache mir inzwischen da keine großen Gedanken mehr. Ich will den Ball nur reinhauen. Eine Lieblingsecke habe ich nicht. Ich schaue, was der Torwart macht“, erläutert der Dienstälteste im Eisenacher Aufgebot. Das tat er auch beim 27:26 (nach Regelwidrigkeit an Kristian Beciri, 55.) und 29:28 (nach Foul an Martin Potisk, 58.Min.).

Team vom Bodensee dominierte lange Zeit im ersten Abschnitt

Der von der Ostseeküste mitgebrachte schwere Rucksack, die 21:32-Niederlage in Lübeck, lähmte zunächst das Eisenacher Spiel. Für Daniel Dicker (Muskelfaserriss in der Fußsohle) begann Andrej Obranovic im linken Rückraum. Die HSG Konstanz, vom Eisenacher Publikum aufgrund der freundschaftlichen Bande der Fangruppen beider Lager, ausgesprochen herzlich begrüßt,  mit Tom Wolf auf der Regieposition und Markus Dangers am Kreis, begann trotz der in den Gliedern steckenden 500-Kilometer-Anfahrt mit flüssigem zielstrebigen Handball. Peter Schramm zog immer wieder scharf und präzise ab, traf im Doppelpack zum 2:6 (12.). Michael Stotz löste bei der HSG Konstanz David Knezevic für Abwehraufgaben ab. ThSV-Coach Markus Krauthoff-Murfuni griff zur grünen Karte. Blaz Voncina kam ins Tor.  Die Abwehrformation wurde auf eine offensivere Variante, mit Ivan Snajder vor der Deckung, umgestellt. Das Sagen behielten zunächst weiter die Gäste. Samuel Wendel traf von Linksaußen zum 4:8 (18.). Tom Wolf verwandelte einen an Markus Dangers verwirkten Siebenmeter zum 6:10 (21.). Erst nach dem 7:11 (22.) fanden die Hausherren langsam zu ihrem Spiel. Willy Weyhrauch stibitzte sich das Leder, der inzwischen im linken Rückraum eingewechselte Luka Kikanovic vollendete zum 9:11 (24.). Ivan Snajder scheiterte per Strafwurf an HSG-Keeper Michael Haßferter (26.). Ante Tokic netzte zum 11:12-Anschluß und zum ersehnten 12:12-Ausgleich ein (27.). Peter Schramm besorgte das 12:13 beim Gang zu den Pausengetränken.

 

Martin-Potisk-Gala

Der Auftakt der zweiten Halbzeit ging an die Gäste (12:16, 34.). Thomas Eichberger rückte wieder ins ThSV-Gehäuse. Adrian Wöhler, von der Bank kommend, verwandelte von der ominösen Linie. Willy Weyhrauch, an diesem Tag nicht so treffsicher wie zuletzt, schloss per Tempogegenstoß zum 15:16 ab (35.). Doch Eisenachs Spiel war zu fehlerbehaftet. Die HSG Konstanz traf zum 15:18 (38.). Es begann die Martin-Potisk-Gala. Unterstützt durch seine Teamkollegen nutzte er seine individuellen Qualitäten gepaart mit ganz viel Willenskraft beim direkten Weg auf den gegnerischen Kasten. Ihn bekam die HSG-Abwehr einfach nicht in den Griff. „Ein offener Schlagabtausch war eingesagt“, so Markus Krauthoff-Murfuni. Eisenachs Anschlusstreffer beantworteten die Gäste immer wieder mit der eigenen 2-Tore-Führung. Alexander Saul bediente Justin Mürköster zum 18:19 (41.). Markus Dangers netzte zum 18:20 ein (42.). Martin Potisk konzentrierte sich voll auf das Angriffsspiel, wurde für Abwehraufgaben von Adrian Wöhler abgelöst. Kristian Beciri behauptete sich an Kreis zum umjubelten 22:22 Ausgleich (46.). Spannung und Dramatik waren angesagt. Immer wieder versetzte Martin Potisk die Gästeabwehr in höchste Alarmstimmung. Beim Stand von 24:25 nahm HSG-Coach Daniel Eblen eine Auszeit. Die Eisenacher eroberten nach Wiederanpfiff im Bodenkampf das Leder. Kristian Beciri und Martin Potisk netzten zum 26:25 ein (53.). Erstmals lagen die Wartburgstädter vorn. Sollte die Partie wie in der Vorsaison im Schlussgang eine Wende für den ThSV Eisenach sehen? Ja, die Wartburgstädter entschieden die Partie im Herzschlagfinale. Der ersehnte erste Heimsieg der Saison wurde in allerletzter Sekunde perfekt. „Eine kämpferisch sehr gute Leistung, nach anfänglichen Schwierigkeiten, wurde in letzter Sekunde belohnt“, fasste Eisenachs einstiger Klasse-Rechtsaußen Bernd Fichtner, nun im Vorstand des Traditionsvereins, die 60 Minuten zusammen.

 

Statistik

ThSV Eisenach : Eichberger (6 Paraden), Voncina (12.-34./ 1 Parade); Kikanovic (2), Wöhler (3/3), Potisk (7), Ulshöfer, Tokic (3), A. Alaj, Mürköster (1), Obranovic, Beciri (3), Snajder (5/2), Weyhrauch (1), Saul (5)

 

HSG Konstanz : Haßferter (8 Paraden), M. Wolf (bei 2 Siebenmetern/ 1 Parade); Stotz, Schlaich (1), Czako, Mauch, Hild (1), T. Wolf (13/6), Dangers (4), Krüger, Maier-Hasselmann (1), Beckmann (1), Braun (1), Wendel (1), Schramm (6), Knezevic

 

Siebenmeter : Eisenach 5/7 – Konstanz 6/6

 

Zeitstrafen : Eisenach 12 Min. – Konstanz 8 Min.

 

Schiedsrichter : Friedel/ Herrmann

 

Zuschauer : 666

 

Th. Levknecht