News / 2. Handball Bundesliga

Nachgefragt bei Uwe Jungandreas, Coach des Dessau-Roßlauer HV

„Wir setzen unsere Philosophie der letzten Jahre fort“

Wenn man von einem Trainerfuchs spricht, Uwe Jungandreas, der Coach des Handball-Zweitbundesligisten Dessau-Roßlauer HV, ist es. Er blickt auf eine lange und erfolgreiche Zeit im Handball zurück, kann auch von diesem Erfahrungsschatz profitieren. Die Vita seiner Trainerkariere beinhaltet Stationen bei Concordia Delitzsch (Aufstieg 1998 in die 2. und 2005 in die 1, Bundesliga), SC Magdeburg und Dessau-Roßlauer HV, mit dem der 58-Jährige im Sommer zum zweiten Mal in die 2. Handballbundesliga aufstieg. Seit November 2014 amtiert er in Dessau als Trainer.

Am Samstag reist er mit dem starken Wiederaufsteiger nach Eisenach. In der 62. Auflage kommt es zum Aufeinandertreffen um Erst- und Zweitliga-Zähler zwischen Männerteams aus Eisenach und Dessau.

Wir sprachen mit Uwe Jungandreas, dem Coach des Dessau-Roßlauer HV, vor der Partie beim ThSV Eisenach:

Mit 13 Punkten aus 11 Spielen, der Trainer des Aufsteigers Dessau-Roßlauer HV dürfte nicht unzufrieden sein?

Nicht unzufrieden, das ist das richtige Vokabular. Wir sind gut in die Saison gestartet, sind in den letzten Spielen ins Schlingern geraten, haben deutliche Führungen noch aus der Hand gegeben. Das sollte uns zum Nachdenken veranlassen. Wir müssen jetzt einen Schritt mehr machen! 13 Punkte sind in Ordnung, doch dass wir zuletzt in den zweiten Halbzeiten Spiele aus der Hand gegeben haben, ergibt ein klares Zeichen.

 

„Jungandreas setzt auf Talente“ titelte das Fachorgan „Handballwoche“ seine Saisonvorschau zum Dessau-Roßlauer HV. Sie haben wieder ihre guten Kontakte zum Tragen gebracht, konnten Talente aus der Region gewinnen, haben eine junge Mannschaft zusammen...?

Vom Altersdurchschnitt sind wir nicht ganz so jung, haben mit Tomas Pavlicek und Jacub Hrstka zwei Spieler, die die 30 überschritten haben. Aber auf verschiedenen Positionen, wie im linken Rückraum und am Kreis, spielen ganz junge Leute. Sie machen einen guten Job, wenngleich ihnen natürlich noch die Erfahrung fehlt. Wir setzten unsere Philosophie der letzten Jahre fort, mit jungen Leuten aus der Region, die den nächsten Schritt bei uns machen wollen.

 

Wie würden Sie Ihre Mannschaft charakterisieren?

Die gesamte Saison betrachtet, sind wir mit einer guten Abwehr aufgetreten. Vor der Saison veränderten wir unser Abwehrsystem, konkret in der 6:0-Abwehr. Dadurch haben wir insgesamt einen Schritt nach vorn vollzogen. Meine Mannschaft zeichnet ein großer innerer Zusammenhalt aus. Sie ist sehr kampfstark. Obwohl wir viele junge Spieler in unseren Reihen haben, unterlaufen uns wenige technische Fehler. Freilich gelingt es uns nicht immer, unser System durchzuziehen. Auf diesem Level sind andere Mannschaften der Liga.

 

Sie sprachen es gerade an, Ihr Team hat zuletzt deutliche Führungen aus der Hand gegeben. In Rimpar sprang letztlich ein 21:21-Remis heraus, im Heimspiel gegen den TuS Ferndorf führten Sie 9:3 und 17:12, am Ende stand aber eine 26:28-Niederlage. Woran lag es?

In Rimpar und zuletzt im Heimspiel gegen Ferndorf haben wir zu viele gute Torchancen ausgelassen. Gegen Ferndorf brachten wir im Schlussabschnitt zwei entscheidende Siebenmeter nicht unter. Letztlich kam Ferndorf mit seinem Tempospiel zum Erfolg. Wir haben in der zweiten Halbzeit in der Abwehr keinen Zugriff bekommen.

 

An Ihre letzten Gastspiele mit dem Dessau-Roßlauer HV in der Werner-Aßmann-Halle erinnern Sie sich bestimmt gern, im November 2016 siegten Sie 24:23 und im Dezember 2017 mit 31:28. Wie gehen Sie die Partie am Samstag an?

Ich habe in der Werner-Aßmann-Halle auch schon bittere Niederlagen hinnehmen müssen. Was ist unser Ziel für den Samstag? Wir wollen unsere Leistung stabilisieren, mit einer guten Abwehr und einem disziplinierten Angriff. Ich sehe den ThSV Eisenach und uns derzeit auf einem Niveau. In Eisenach bestehen freilich andere Möglichkeiten als bei uns. Auch der ThSV Eisenach hat junge Leute im Kader, ich denke da an die Rückraum-Mitte-Position. Ich stelle mich auf ein extrem hartes Spiel vom Spielverlauf her ein. Auch wenn keine Zuschauer in der Halle sind, die besondere Atmosphäre einer Werner-Aßmann-Halle fehlt, die Partie trägt dennoch Derbycharakter. Hinter dem Einsatz unseres Abwehrchefs Daniel Schmidt steht verletzungsbedingt ein Fragezeichen.

 

Zweitbundesliga-Handball in der Corona-Pandemie mit Geisterspielen; wie sehen Sie die Situation?

Wir müssen es nehmen, wie es ist. Da hilft kein Jammern. Wir sind privilegiert. Wir dürfen spielen. Wir dürfen arbeiten.

 

Danke für das Interview. 

Th. Levknecht