News / 2. Handball Bundesliga

Robert Krass arbeitet an seinem Comeback

Robert Krass lässt es aus dem rechten Rückraum richtig krachen - Deutscher A-Jugend-Meister mit den Rhein-Neckar Löwen und Europameister mit der U 19 des DHB ist seit dem Sommer beim ThSV Eisenach/ Nach einer Verletzung arbeitet er an seinem Comeback

Seine Würfe atmen Schärfe, wurden schon im C- und B-Jugend-Alter mit 100 Kilometer je Stunde gemessen. Seit dem Sommer gehört der am 24.08.2003 in Germersheim geborene 2,02-Meter-Recke Robert Krass zum Aufgebot des Handball-Zweitbundesligisten ThSV Eisenach. Er kam als frisch gebackener Deutscher Meister mit der A-Jugend der Rhein-Neckar-Löwen ins Thüringische. Ein Jahr zuvor, im August 2021, wurde er mit der U 19 Deutschlands in Kroatien Europameister.

Robert Krass besuchte in der heimischen 8.000 Einwohner- Gemeinde Forst (Landkreis Karlsruhe) die Grundschule, wechselte später an das Gymnasium in Bruchsal, einer Privatschule, wo er 2021 das Abitur ablegte. Danach stand der Handball ganz im Fokus, eingebettet in der Sportfördergruppe der Bundeswehr.

Wir sprachen mit Robert Krass, der Pizza und Burger zu seinen Lieblingsgerichten zählt, in den Urlaub gern mal nach Australien und in die Karibik reisen möchte:

Wann und wo begannen Sie mit dem Handball im Verein?

Im Alter von 5 Jahren meldeten mich meine Eltern beim heimatlichen TV Forst an. Michael Riffel und Michael Willhauk waren meine ersten Übungsleiter. Im D-Jugend-Alter ging es zur SG Kronau/Östringen, die später die „Junglöwen“ wurden. Von der D- bis zur A-Jugend, also 8 Jahre, trug ich deren Trikot. Mit der C-Jugend wurde ich Baden-Württemberg-Meister. Beim DHB wurde man auf mich aufmerksam, in der Jugend-Nationalmannschaft bestritt ich 18 Spiele. Höhepunkt war dann der EM-Titel 2021.

Wie wichtig war und ist familiäre Unterstützung?

Sehr wichtig. Ohne diese wäre meine handballerische Entwicklung nicht möglich gewesen. Ich war in keinem Sportinternat. Meine Eltern und meine Schwester fuhren mich täglich zur etwa 15 Kilometer entfernten Trainingsstätte, aber auch zu Auswahllehrgängen. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Meine Mutter begleitete und begleitet mich mit der Fotokamera, ist auch hin wieder bei den Spielen des ThSV Eisenach dabei, stellt der Presseabteilung ihre Aufnahmen zur Verfügung.

Wie kamen Sie auf die Position im rechten Rückraum?

Als Linkshänder rückte man natürlich gleich auf die rechte Angriffsseite. Anfangs habe ich im rechten Rückraum und auf Rechtsaußen gespielt, ab der C-Jugend dann nur noch im rechten Rückraum. Sicher auch meiner Körpergröße geschuldet.

Sie sprachen es an, Sie sind für den rechten Rückraum prädestiniert, identifizieren Sie sich mit dieser Position?

Ja, voll und ganz.

Haben Sie ein sportliches Vorbild?

Auch wenn er auf einer anderen Position spielt, Uwe Gensheimer.

Von den Rhein-Neckar Löwen als frisch gebackener deutscher A-Jugend-Meister zum Zweitbundesligisten ThSV Eisenach…?

Mir lagen mehrere Angebote vor. Das familiäre Umfeld in Eisenach sagte mir, der erstmals von zuhause wegzog, zu. Gute Gespräche vor Ort ließen den Entschluss reifen. Das Konzept mit den jungen Spielern, dazu beste Trainingsbedingungen und ein handballbegeistertes Umfeld, überzeugten mich. Wir verstehen uns alle im Team gut.

Was ist beim ThSV Eisenach anders als bei den Rhein-Neckar Löwen?

Das Training bei den Junglöwen war schon professionell. In Eisenach ist die Intensität, im Vergleich zum Jugend- und Drittligateam meines bisherigen Vereins, höher. Das trifft auch auf das Tempo in den Zweitbundesligaspielen zu. Das Trainingspensum ist vergleichbar mit dem der ersten Mannschaft der Rhein-Neckar Löwen, wo ich schon mittrainiert habe. Die Rhein-Neckar Löwen kommen nur zu den Erstligaspielen nach Mannheim, in die 14.500 Zuschauer fassende SAP-Arena, trainiert wird in Kronau.

Wie lebt es sich in der Kleinstadt Eisenach?

Ich habe ja nicht in Mannheim gelebt, sondern im kleinen Städtchen Forst. Ich kenne und schätze die Wärme von Kleinstädten. Der Vorteil von Forst, zu den Großstädten mit pulsierendem Leben, wie Karlsruhe und Heidelberg, war es nicht weit.

Wie sehen Sie Ihre Rolle im 3-Mann-Team für den rechten Rückraum?

Eine Verletzung hat mich erst einmal zurückgeworfen. Vor 8 Wochen zog ich mir einen Außenbandriss und einen Riss der vorderen Syndesmose zu. Das Training, vornehmlich mit Sprungwürfen, habe ich wieder aufgenommen. Ich will und werde mich zurückkämpfen, um über gute Trainingsleistungen mehr und mehr Spielanteile zu erarbeiten.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, wo noch Nachholbedarf?

Meinen Wurf, meine Sprungkraft, meine körperlichen Voraussetzungen zähle ich zu meinen Stärken. Nachholbedarf sehe ich in der Beinarbeit.

Behagt Ihnen eine defensive Deckung auf der Gegenseite mehr als eine offensive?

Für mich als großer Spieler, als Werfertyp, ist eine defensive Abwehr auf der Gegenseite besser.

In welchem Deckungssystem spielen Sie selbst lieber?

Das ist für mich in der Defensive egal. Bei den Rhein-Neckar Löwen haben wir zumeist 6:0 gespielt. An die 5:1-Variante beim ThSV Eisenach gewöhne ich mich immer besser.

Wie haben die im Sommer vorgenommenen Regelveränderungen Einfluss genommen?

Durch die Veränderungen beim Anwurf ist das Spiel deutlich schneller geworden. Nach dem Anzeigen des drohenden Zeitspiels sind statt 6 nur noch 4 Pässe erlaubt, das erfordert noch schnellere Entscheidungen.

Sind Sie eher der ruhige oder der emotionale Typ?

Ich sehe mich eher als der ruhige Typ, im Freundeskreis gelte ich als der lustige Typ.

Über was lachen Sie gern?

Ich lache generell gern. Über vieles.

In diesen Wochen dürfte Ihnen oft das Lachen vergehen. Was beunruhigt Sie?

Der Krieg in der Ukraine, also ein Krieg in Europa, beunruhigt mich sehr. Sorge bereitet mir auch, wenn manche aktuell zu leichtfertig damit umzugehen scheinen, Corona ist noch nicht besiegt.

Interview: Th. Levknecht