News / 2. Handball Bundesliga

Unser Team erwacht auch im Erzgebirge zu spät

EHV Aue - ThSV Eisenach 30:25 (14:9)

In der Erzgebirgshalle Aue-Lößnitz fand gestern Abend die 96. Auflage des Handballderbys zwischen dem EHV Aue und dem ThSV Eisenach statt.  Es war in der langen Geschichte das erste Aufeinandertreffen ohne Zuschauer. Die Eindämmung der Corona-Pandemie steht an erster Stelle. Dieser heimtückische Virus hat im Lager des EHV Aue nicht nur für eine mehrwöchige Quarantäne der Spieler gesorgt, Cheftrainer Stephan Swat befindet sich mit einer schweren COVID-19-Erkrankung schon die zweite Woche im Klinikum. Der Termin einer Rückkehr auf die EHV-Bank ist nicht abzusehen. Der EHV Aue hat nach einer Lösung gesucht – und gefunden. Bereits am gestrigen Abend stand Runar Sigtryggsson als Trainer an der Seitenlinie. Der Isländer war in der Saison 2004/2005 als Spieler und Trainer beim ThSV Eisenach, von 2012 bis 2016 Coach des EHV Aue, zuletzt beim isländischen Erstligisten Stjarnan. Gleichzeitig war er Trainer der isländischen Jugendnationalmannschaft U17 und als Handballexperte im isländischen TV. Der 48-jährige wird das Traineramt so lange übernehmen, bis Stephan Swat wieder genesen ist. EHV Manager Rüdiger Jurke: „Ich freue mich, dass Runar sofort zugesagt hat. Er kennt unseren Verein, und die Zeit mit ihm war ja auch nicht die erfolgloseste für den EHV. Natürlich sind wir uns einig, dass er nur solange bleibt, bis Stephan wieder zurückkehrt. Ein wahrer Freund zeigt sich dann, wenn es einem nicht so gut geht. DANKE Runar! Und natürlich hoffe ich, dass diese Lösung auch Stephan hilft, bald wieder gesund zu werden“, erklärte Rüdiger Jurke.

Im 96. Traditionsderby zwischen dem EHV Aue und dem ThSV Eisenach feierten die Erzgebirgler einen völlig verdienten 30:25 (14:9)-Erfolg. Wieder einmal erwachten die Eisenacher erst nach einem klaren Rückstand. Erst nach einer Deckungsumstellung zu Beginn der zweiten Halbzeit waren die Eisenacher nahezu ebenbürtig. „Wir hatten uns für das Derby freilich mehr versprochen, hatten erhebliche Probleme in den Zweikämpfen“, konstatierte Eisenachs Trainer Markus Murfuni.

Die Eisenacher hatten ihren Kapitän Alexander Saul wieder dabei, der seine Stammposition im rechten Rückraum einnahm. ThSV-Coach Markus Murfuni beauftragte zunächst Martin Potisk mit der Rolle des Spielgestalters. Nach anfänglichem Abtasten (3:2/7.,5:4/10.) brachten die Gastgeber ihr Angriffsspiel auf den Punkt, schlossen mit Überzeugung ab. In der Abwehr griffen sie herzhaft zu, wussten mit Sveinbjörn Petursson einen guten Torhüter hinter sich. Der EHV Aue schloss konsequent zum 11:5 (18.) ab. Beim ThSV Eisenach häuften sich hingegen die Fehler, obwohl Trainer Markus Murfuni mehrere personelle Auswechslungen vornahm. Jonas Ulshöfer übernahm Mitte der ersten Halbzeit die zentrale Aufbauposition, Ante Tokic rückte in den rechten Rückraum. Was blieb, war die Dominanz der Hausherren. Beim ThSV Eisenach häuften sich nicht nur die Fehlwürfe, sondern auch die technischen Fehler. Ein Zuspiel von Alexander Saul war für Ivan Snajder nicht zu erreichen, landete im Seitenaus. Nach einem Missverständnis zwischen Daniel Dicker und Ante Tokic ging das Leder ebenfalls verloren. Ivan Snajder visierte zunächst das Holz an (25.), scheiterte wenig später am guten EHV-Schlussmann. Dieser kaufte auch dem eingewechselten Andrej Obranovic das Leder ab (28.). Die Hausherren zogen ihr zielgerichtetes Angriffsspiel konsequent durch, brachten ihren Kreisläufer Bengt Bornhorn immer wieder in Position. Ballgewinne nutzten die Gastgeber zu Tempogegenstößen zum 14:7 (29.). Willy Weyhrauch und Adrian Wöhler verkürzten zum 14:9-Pausenstand.

Um mehr Zugriff in der Abwehr zu bekommen, starteten die Eisenacher mit einer 5:1-Abwehr in den zweiten Abschnitt. Daniel Dicker traf im Doppelpack, Ante Tokic aus der eigenen Hälfte (33.). Beim ThSV Eisenach keimte plötzlich Hoffnung. Doch das fand keine Fortsetzung, Adrian Wöhler scheiterte von der Siebenmeter-Linie, Willy Weyhrauch verfehlte von Rechtsaußen den EHV-Kasten. Körperlich robust, mit bekannten Spielzügen, schloss der EHV Aue zum 19:14 auf (39.). Doch Eisenachs Kampfgeist war inzwischen erwacht. Die Wartburgstädter gingen beherzt in die Zweikämpfe, marschierten in die Nahtstellen der Abwehr. Willy Weyhrauch verwandelte nach Foul an Ante Tokic von der Siebenmeter-Linie (19:16, 41.). Ivan Snajder verkürzte per Gegenstoß auf zwei Treffer (19:17, 42.). Ging da noch was für den ThSV Eisenach? Die Partie war plötzlich wieder offen. Kristian Beciri musste verletzt vom Parkett. Über Rechtsaußen und die Kreismitte netzten die Gastgeber zum 21:17 (44.) ein. Dennoch kein Aufgeben für die Männer von der Wartburg. Nach Treffer von Alexander Saul und Hannes Iffert betrug der Rückstand wieder nur zwei Treffer (22:20, 48.). Doch dann war es erneut der starke Auer Kreisläufer Bengt Bornhorn, der die Eisenacher Abwehr narrte (23:20, 49.). Die Härtegrade beim Gasgeber nahmen zu. Kevin Roch kassierte nach üblem Foul an Jonas Ulshöfer die Rote Karte (51.). Doch die Eisenacher waren nicht mit Fortuna im Bunde. Ein Dicker-Ball klatschte ans Holz (51.). Beim Stand von 24:22, nach einer Parade des eingewechselten Blaz Voncina, war der Anschlusstreffer möglich, doch die Eisenacher fabrizierten ein Stürmerfoul. Ausgebufft, ihren Körper effektiv einsetzend, netzten die Gastgeber zum 26:22 ein (55.). Der starke Bengt Bornhorn besorgte mit seinem zehnten Treffer den 30:25-Endstand.

 

 

 

 

Statistik

ThSV Eisenach: Voncina, Eichberger; Volar, Iffert (1), Wöhler (2/1), Potisk, Ulshöfer (1), Tokic (1), A. Alaj, Dicker (4), Obranovic, Beciri(2), Snajder (4), Weyhrauch (7/3), Saul (3)

EHV Aue: Bochmann, Petursson; De Santis, Roch (1), Ebert, Bornhorn (10/4), Lux (4), Roth, Schneider, Tsuyama, Slachta (1), Kammlodt (5), Paraschiv (1), Halfdansson (2), Ribeiro (6)

 

Zeitstrafen:

EHV Aue 10 Min., Rot gegen Roch (51.)

ThSV Eisenach 6 Min., Rot gegen Tokic (60.)

 

Siebenmeter:

EHV Aue 4/4

ThSV Eisenach 4/5

 

Schiedsrichter: Kauth/Kolb

 

Zuschauer: keine

Th. Levknecht