News / 2. Handball Bundesliga

Unser Team mit zwei Gesichtern

Nur eine Frage der Mentalität?

In der 96. Auflage des Traditionsderbys zwischen dem EHV Aue und dem ThSV Eisenach bejubelten die Männer aus dem Erzgebirge einen 30:25 (14:9)- Erfolg. Es war ein Start-Ziel-Sieg.

Rüdiger Jurke, der umtriebige Manager des EHV Aue, seit 40 Jahren im Verein, 15 Jahre als Spieler und 25 Jahre als Manager, war vor der Partie sichtlich nervös. Der EHV Aue hat schwere Wochen durchlebt, mit zahlreichen Corona-Erkrankungen einschließlich einer über vierwöchigen Quarantäne. Trainer Stephan Svat liegt mit einer Corona-Erkrankung noch immer in der Klinik. Rüdiger Jurke gelang es Ex-Trainer Runar Sigtryggsson (2012 bis 2016 in Aue, 2004/2005 als Spieler und Trainer beim ThSV Eisenach) für ein zeitlich begrenztes Comeback auf der Bank des EHV Aue zu gewinnen. Dieses ist dem Isländer bestens gelungen. „Ein absolut verdienter Sieg. In der Situation, in der wir uns befinden, boten wir eine überzeugende Leistung“, erklärte ein entspannter und aufgekratzter Rüdiger Jurke nach dem Abpfiff. Einer der Garanten des Sieges war Kreisspieler Bengt Bornhorn, der 10 Treffer markierte,  4 von der Siebenmeterlinie, eine 100-Prozent-Torwurfquote insgesamt aufwies.  „Wir sind bestens ins Spiel gekommen, haben rasch 11:5 geführt. Eine gute Abwehr und ein guter Torwart bildeten den Grundstein zum verdienten Erfolg. Gute Abschlusshandlungen sorgten für die nötigen Treffer. Der ThSV Eisenach kam im zweiten Abschnitt auf zwei Tore heran, doch wir legten einen Zacken zu“,  konstatierte Bengt Bornhorn.

„Für dieses Derby hatten wir uns viel vorgenommen“, leitete Eisenachs Coach Markus Murfuni sein Fazit ein. „Wir haben zwei Gesichter gezeigt, präsentierten uns bei Weitem nicht so desolat wie im ersten Abschnitt in Gummersbach. Unser Manko während der ersten 30 Minuten in der Erzgebirgshalle, die herausgespielten Torchancen konnten wir nicht nutzen. Unsere Torwurfeffektivität lag in der ersten Halbzeit bei 43 Prozent. Aus 21 Würfen resultierten nur 9 Treffer. Hinzu kamen 6 Ballverluste. Uns fehlte zudem die Kompaktheit in der Abwehr. Nicht zu übersehen, unsere Probleme in den Zweikämpfen. Da spreche ich auch den Willen an; wir müssen noch mehr arbeiten, mehr verschieben, mehr Präsenz zeigen. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das deutlich. Unsere Wurfeffektivität lag dann bei 68 Prozent. Wir bewegten uns ganz anders. Wir leisteten uns keine Ballverluste mehr. Wir hatten die Möglichkeit zum Anschlusstreffer, patzten aber. Positiv zu registrieren, auch mit Blick auf das Gummersbach-Spiel, dieses Mal entschieden wir die Überzahlphasen mit 7:2 für uns. Unsere Defizite waren freilich nicht zu übersehen“, wurde Markus Murfuni konkret. Was muss sich ändern? „Um es klar zu sagen, es ist eine Mentalitätsfrage. Fehler dürfen uns nicht aus der Bahn werfen. Durch Fehler dürfen wir uns nicht reinreiten lassen. Um zu mentaler Stärke zu kommen, ist jeder im Team gefordert.  Wir brauchen mehr Effizienz beim Torwurf. Aber auch die Quote unserer Torhüter muss besser werden, auf über 30 Prozent gehaltener Bälle klettern. Unser Auftritt beim Sieg in Großwallstadt hat gezeigt, dass wir es können. Diese 60 Minuten müssen für uns der Maßstab sein“, betonte Markus Murfuni.

 

EHV Aue schließt mit Überzeugung ab

Nach der Abtastphase (5:4, 10.) brachte der EHV Aue sein Angriffsspiel auf den Punkt, schloss mit Überzeugung ab. Die Thüringer hingegen konnten ihre durchaus vorhandenen Wurfchancen nicht nutzen. EHV-Keeper Sveinbjörn Petursson wehrte in Serie ab. In der vor ihm herzhaft agierenden Abwehr fand er zudem gute Unterstützung. Die Hausherren leiteten erfolgreich Anspiele zum Kreis ein, nutzten technische Fehler der Eisenacher zu Gegenstößen. Goncaio Ribeiro schloss zum 11:5 ab (18.). Eisenachs Trainer zog nahezu alle personellen Optionen. Jinas Ulshöfer übernahm von Martin Potisk die Regieposition. Ante Tokic rückte für den wieder mitwirkenden Alexander Saul in den rechten Rückraum. Die Zahl der technischen Fehler stieg. Ein Saul-Zuspiel war für Ivan Snajder nicht zu erreichen und landete im Seitenaus (19.), nach einem Missverständnis zwischen Daniel Dicker und Ante Tokic landete das Leder ebenso außerhalb des Spielfeldes (20.) Nach einer Parade von ThSV-Keeper Thomas Eichberger markierte Willy Weyhrauch den 7. Treffer für sein Team (11:7, 21.). Mit 7 Treffern bei 10 Würfen verzeichnete der Rechtsaußen noch eine gute Quote. Pech für Ivan Snajder, dessen Ball ans Holz klatschte (25.). Der EHV traf über den Kreis zum 14:7 (29.). Willy Weyhrauch (von Rechtsaußen) und Adrian Wöhler nach Gegenstoß verkürzten zum Halbzeitstand von 14:9.

Eisenachs Anschlusstreffer fiel nicht

Mit der Umstellung auf eine 5:1-Formation bekam Eisenachs Abwehr mehr Zugriff. Auch die Angriffszüge wurden resoluter abgeschlossen. Ante Tokic verkürzte mit einem Treffer in den leeren EHV-Kasten bis auf zwei Treffer (15:13, 33.). Der Anschlusstreffer fiel hier und auch später nicht. Nach Regelwidrigkeit an Jonas Ulshöfer brachte Adrian Wöhler den fälligen Siebenmeter nicht am Keeper der Hausherren vorbei (35.). Adrian Kammlodt narrte die Eisenacher Abwehr zum 17:13 (36.). Doch es ging noch was für den ThSV Eisenach! Die Hausherren wackelten. Beim Stand von 19:17 (Ivan Snajder hatte per Konter eingenetzt) musste Kristian Beciri verletzt raus. Aue traf zum 21:17 (44.). Alexander Saul und Willy Weyhrauch  verkürzten wieder auf zwei Treffer (22:20, 48.). Nach dem 24:22 durch Hannes Iffert (53.) waren die Eisenacher in Ballbesitz, stoppten sich durch einen technischen Fehler. Der EHV Aue machte den Sack zu.

Statistik

ThSV Eisenach: Voncina, Eichberger; Volar, Iffert (1), Wöhler (2/1), Potisk, Ulshöfer (1), Tokic (1), A. Alaj, Dicker (4), Obranovic, Beciri(2), Snajder (4), Weyhrauch (7/3), Saul (3)

EHV Aue: Bochmann, Petursson; De Santis, Roch (1), Ebert, Bornhorn (10/4), Lux (4), Roth, Schneider, Tsuyama, Slachta (1), Kammlodt (5), Paraschiv (1), Halfdansson (2), Ribeiro (6)

Zeitstrafen:

EHV Aue 10 Min., Rot gegen Roch (51.)

ThSV Eisenach 6 Min., Rot gegen Tokic (60.)

Siebenmeter:

EHV Aue 4/4

ThSV Eisenach 4/5

Schiedsrichter: Kauth/Kolb

Zuschauer: keine