News / 2. Handball Bundesliga

Unser Team vor zwei Klassikern

Nach der klaren Niederlage in Gummersbach geht es morgen zum Traditionsderby ins Erzgebirge/ Am Samstag kommt der Dessau-Roßlauer HV nach Eisenach

Handball-Zweitbundesligist ThSV Eisenach ist in dieser Woche zu zwei Klassikern am Ball, die in normalen Zeiten die Fans des kleinen runden Leders im mitteldeutschen Raum elektrisieren würden. Am Dienstag, 08.12.2020 reisen die Wartburgstädter zum Traditionsderby ins Erzgebirge, zum EHV Aue. Am Samstag, 12.12.2020 kommt mit dem Dessau-Roßlauer HV ein überraschend starker Aufsteiger in die Werner-Aßmann-Halle.

Eisenachs Trainer gab eine Veränderung im Familiennamen bekannt. Seit dem 04.12.2020 tragen er und seine Familie ausschließlich den Nachnamen Murfuni. „Also Markus Murfuni, geborener Krauthoff“, erläutert der Eisenacher Coach.

Jonas Ulshöfer: Gummersbach bestrafte gnadenlos unsere vielen Fehler

Bevor sich der Fokus auf die Derbywoche richtete, war bei den Wartburgstädtern Aufarbeitung der Dienstreise nach Gummersbach angesagt. „Wir machen wieder die gleichen Fehler. Ich dachte, wir wären ein Stück weiter. Warum gehen wir so emotionslos in die Partie“, fragte sich ein enttäuschter Eisenacher Manager Rene Witte am Freitagabend. Die Wartburgstädter unterlagen beim Liga-Topfavoriten VfL Gummersbach mit 24:33 (8:18). „Wir haben die Hausherren im ersten Abschnitt zum Torewerfen eingeladen“, gab Trainer Markus Murfuni zu. Die Oberbergischen überrollten die Thüringer vom 5:3 (9.) zum 14:3 (21.). Ein 9:0-Tore-Lauf!  „Eigentlich sind wir gut gestartet, doch dann unterliefen uns zu viele Fehler, die Gummersbach gnadenlos ausnutzte. Wir sind nicht in unsere geordnete Abwehr gekommen. Ohne eine gute Abwehr mit einem guten Torwart hat man keine Chance, in Gummersbach zu bestehen“, konstatierte ThSV-Rückraumspieler Jonas Ulshöfer rückblickend. Der ThSV Eisenach wurde zum Spielball des Altmeisters, kassierte in doppelter Überzahl Gegentore, ohne selbst ins Netz zu treffen.  Eisenachs Torleute Blaz Voncina und Thomas Eichberger kamen sich wie in einer Schießbude vor. Sie parierten zusammen gerade einmal 5 Bälle. VfL-Schlussmann Sebastian Puhle wurde während seines 38-minütigen Einsatzes mit 13 Paraden notiert. Auch in punkto Treffsicherheit hatte der designierte Aufsteiger klar die Nase vorn. Raul Santos benötigte für seine 11 Treffer nur 12 Versuche, Alexander Herrmann für seine 8 Treffer 10 Versuche. Eisenachs Würfe wurden vielfach geblockt, technische Fehler kamen hinzu. Ante Tokic, für den erkrankten Alexander Saul im rechten Rückraum, benötigte 11 Würfe für 3 Treffer. Daniel Dicker wurde bei 10 Versuchen mit 4 Treffern und Jonas Ulshöfer bei ebenso vielen Versuchen mit 5 Treffern notiert. Kreisspieler Kristian Beciri hatte eine 100-Przent-Quote (3 Würfe – 3 Treffer). Erst nach dem 11-Tore-Rückstand trafen die Eisenacher wieder, wobei Heimkehrer Hannes Iffert seinen ersten Treffer wieder markierte (zum 7:17 aus Eisenacher Sicht, 27.). Nach dem Seitenwechsel verkürzten die Eisenacher - überwiegend mit Jonas Ulshöfer als Spielgestalter - bis auf 5 Treffer (20:25), ehe der Hausherr mit dem auf das Parkett zurückgekehrten Stammpersonal im Schlussgang die Schlagzahl nochmals erhöhte. Dass Kapitän Alexander Saul grippebedingt nicht dabei war, wollte ThSV-Coach Markus Murfuni nicht als Ausrede gelzen lassen, doch der einzige etatmäßige Rückraum-Rechte fehlte als Werfer und als Zuspieler für den Kreis erheblich.

EHV-Manager Jurke: Trotz aller Widrigkeiten ist kein Jammern angesagt

Der EHV Aue, zuletzt in mehrfacher Hinsicht arg gebeutelt, mit einer mehrwöchige Zwangspause aufgrund Corona-Infektionen, ohne einem am Covid 19-Virus erkrankten seit 1 ½ Wochen im Auer Helius Klinikum befindlichen Trainer Stephan Swat, eroberte am Samstagabend personell gebeutelt, mit einem durch eigene A-Jugendliche vervollständigten Kader, ein 26:26-Remis beim TV Hüttenberg einen Zähler, hat nach 5 absolvierten Spielen 7:3 Punkte vorzuweisen. Co-Trainer Kirsten Weber leiten zusammen mit Torwarttrainer Michael Hilbig den Trainings- und Wettkampfbetrieb „Die Neuauflage des Derbys gegen Eisenach findet unter besonderen Umständen statt. Während der letzten 6 Wochen befanden wir uns 4 ½ Wochen in Quarantäne. Vor der Partie in Hessen konnten wir gerade einmal drei Trainingseinheiten im Mannschaftsverbund absolvieren. In Hüttenberg fehlten uns 7 Spieler. Wir haben von unserer guten Nachwuchsarbeit profitiert und A-Jugendliche mit eingebaut. Trotz aller Widrigkeiten ist kein Jammern angesagt“, erklärt EHV-Manager Rüdiger Jurke. Er, ein Handballurgestein in Aue, seit 25 Jahren Manager, zuvor Spieler, versucht die alten Wismut-Tugenden auch der heutigen Spielergeneration zu vermitteln. „Wir sind Bergleute, Wir jammern nicht“, erläutert Rüdiger Jurke. Er erwartet am Dienstagabend ein spannendes und knappes Spiel.

Bemerkenswert: Im gerade einmal 16.000 Einwohner zählenden Aue, seit Januar 2019 ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema im sächsischen Erzgebirgskreis und zum Städtebund Silberberg gehörend, sind Fußball und Handball fest in den jeweiligen 2. Bundesligen verankert.

 

ThSV-Coach Murfuni erwartet faires, aber hartes Derby im Erzgebirge

Am gestrigen Sonntag trafen sich die Eisenacher zum vorgeschriebenen Corona-Test und zum Training in Vorbereitung des Derbys am Dienstag. Was es heißt, ein Derby im Erzgebirge zu spielen, versuchte Adrian Wöhler, seit 14 Jahren im Kader der 1. Mannschaft, seinen Mitspielern klar zu machen. Trainer Markus Murfuni hatte den Dienstältesten mit dieser Aufgabe betraut. „Derby sind Kampf und Wille. Da geht es nicht um Schönheit“, unterstreicht der Eisenacher Trainer. „In der Erzgebirgshalle müssen alle von Beginn mit ganz viel Emotionen dabei sein. Auch ohne Zuschauer, es ist ein Derby“, betont Jonas Ulshöfer mit Blick auf den Trip ins Erzgebirge. Er und alle seine Teamkollegen haben den Auftritt des EHV Aue am Samstagabend bei sportdeutschland tv verfolgt. „Auf die 5:1-Abwehr des EHV Aue werden wir die richtigen taktischen Antworten haben“, ist sich Jonas Ulshöfer sicher. Dass die Auer infolge der längeren Zwangspause nicht im Punktspiel-Rhythmus stehen, stuft Jonas Ulshöfer als kleinen Vorteil für seine Mannschaft ein. „Ich rechne mit einem fairen, aber harten Derby“, erklärt Markus Murfuni. „Die englische Woche gibt uns rasch die Gelegenheit, uns anders als in Gummersbach zu präsentieren“, ergänzt ThSV-Manager Rene Witte.

Th. Levknecht