News / 2. Handball Bundesliga

Von Beginn hinterhergelaufen

Erfolgsserie gerissen: ThSV Eisenach mit 26:28 (10:14) -Niederlage in Aue

Mit ganz viel Siegeszuversicht waren das Team und nahezu 300 Fans des ThSV Eisenach ins Erzgebirge gereist. Doch die 95. Auflage des Traditionsderbys sah vor stimmungsvoller Kulisse den EHV Aue als 28:26 (14:10) -Sieger. Die kurze Punktspielpause, nach erfolgreichen „Festspielwochen“, schien den guten Lauf gestoppt zu haben. Eisenachs Erfolgsserie mit sechs Spielen ohne Niederlage ist gerissen, doch der Aufsteiger von der Wartburg rangiert mit 13:7 Punkten weiterhin im Vorderfeld der Tabelle, kann am Samstag, 09.11.2019 um 19.30 Uhr in der heimischen Werner-Aßmann-Halle im Heimspiel gegen die DJK Rimpar Wölfe die Pluspunktezahl wieder aufstocken.

 

„Ein tolles Derby, das allen in der Erzgebirgshalle riesigen Spaß gemacht hat. Wir haben unser gut funktionierendes System über die gesamte Distanz konsequent beibehalten, agierten im Angriff cleverer. Mein Torwartkollege hat, als es im zweiten Abschnitt noch einmal spannend wurde, wichtige Bälle gehalten“, fasste Radek Musil treffend zusammen. Der knapp 46-Jährige, von 2008 bis 2013 beim ThSV Eisenach, gehört noch immer zum Torhüterteam des EHV Aue. Das Lob des Oldies galt Vilius Rasimas, der sein Team mit 7 erfolgreichen Paraden im zweiten Abschnitt auf Kurs hielt, als Eisenach bis auf zwei Treffer verkürzte. “Die Tür war auf, doch wir gingen nicht hindurch“, konstatierte Eisenachs Manager Rene Witte. „Wer 60 Minuten in Führung liegt, hat verdient gewonnen“, fügte er hinzu. Bestens gelaunt Stephan Swat. „Wir haben das Kreisläuferspiel von Eisenach gut verteidigt“, konstatierte der Coach des EHV Aue. Sein Team initiierte selbst immer wieder erfolgreiche Angriffszüge zu allen drei Kreispositionen. EHV-Linksaußen Kevin Roch kam auf eine 100-Prozent-Wurfquote (5 Versuche – 5 Tore). Bent Bornhorn lieferte eine ganz starke Kreisläufer-Partie. Rückraum-Shooter Adrian Kammlodt, der beste Werfer der Liga, stand dieses Mal nicht im Rampenlicht.

Gleich auf Derbytemperatur starteten die Gastgeber mit einer 6:1-Führung (10.). „Dieser sind wir im gesamten Spielverlauf hinterhergelaufen“, bekannte Eisenachs Trainer Sead Hasanefendic, der stets versuchte, mit personellen und taktischen Wechseln einzugreifen. Vielfache Entscheidungen der Referees erzürnten die Trainerikone, „insbesondere, als wir auf Tuchfühlung dran waren“, so Sead Hasanefendic. „Eisenach gelang es im zweiten Abschnitt nicht, die big points zu machen, um der Partie doch noch eine andere Richtung zu geben“, analysierte Alexander Koke, während seiner aktiven Zeit für den ThSV Eisenach und den EHV Aue zumeist als Spielgestalter am Ball. Spannend wurde es, als Yoav Lumbroso (vom Veranstalter als Eisenachs Man oft he match geehrt), im Schlussgang bis auf zwei Treffer verkürzte (26:24, 57.). Benas Petreikis hämmerte eine Freiwurfablage für die Hausherren zum 27:24 in den seit der 43. Minute von Denis Karic gehüteten Eisenacher Kasten. Sekunden später brachte der freigespielte Hannes Iffert, mit Beginn der zweiten Halbzeit am Eisenacher Kreis, das Leder nicht am EHV-Schlussmann Vilius Rasimas vorbei. Kurz darauf versenkt Felix Roth von Rechtsaußen zum 28:24 (59.). Die Punktevergabe war entschieden.

 

ThSV Eisenach gerät rasch mit 5 Treffern in Rückstand

Der ThSV Eisenach, beginnend mit Luka Kikanovic, Jonas Ulshöfer und Alexander Saul im Rückraum, Ivan Snajder und Ante Tokic auf Links- und Rechtsaußen, Marko Racic am Kreis und Blaz Voncina am Kreis, startete mit „wenig Emotionen und wenig Leidenschaft“, kritisierte Manager Rene Witte. Das Angriffsspiel wirkte zu statisch. Anders die beherzt beginnenden Hausherren, von Beginn mit Spielzügen zum Kreis. Die frühzeitig mit einer Zeitstrafe belegten Eisenacher brachten für ihren Torhüter einen Feldspieler, verloren im Angriff das Leder, die Gastgeber trafen problemlos in den verwaisten Eisenacher Kasten zum 5:1 (8.). Aber auch aus der Distanz trafen die Hausherren (7:2, 11.). Inzwischen hatte Yoav Lumbroso beim ThSV Eisenach die mittlere Aufbauposition übernommen, brachte mehr Esprit ins Spiel. Dennoch standen im ersten Abschnitt 8 technische Fehler in der Statistik von Mannschaftsleiter Ronny Oelschläger. ThSV-Rückraumspieler Alexander Saul hatte sein Zielwasser gefunden, verkürzte im Doppelpack auf zwei Treffer (9:7, 18.). Die Schiedsrichter zückten Gelb gegen den reklamierenden Sead Hasanefendic, verhängten eine Zeitstrafe gegen Marko Racic. Eisenachs Luka Kikanovic verfehlte das EHV-Gehäuse. Ladislav Bryckner zog aus der Bewegung zum 13:9 ab (28.).

Anschlusstreffer fiel nicht

Yoav Lumbroso traf nach 31 Sekunden, Ivan Snajder nach 49 Sekunden der zweiten Halbzeit. Der prall gefüllte Gästeblock erhöhte seine Phonstärke. Sead Hasanefendic hatte auf eine 5:1-Abwehr, mit Ivan Snajder vorgezogen, umgestellt. „Doch nach Ballbesitz kam der Pass zum Gegenstoß nicht an, freie Würfe landeten gegen einen guten Torwart nicht im Netz, doch man kann auch besser werden“, merkte Sead Hasanefendic an. Aus insgesamt 42 Würfen seiner Crew resultierten 26 Treffer (Wurfeffektivität von knapp 62 Prozent). Yoav Lumbroso narrte mehrfach die EHV-Abwehr, erhielt die Hoffnung in seinen Reihen am Leben. Haareraufen im Eiosenacher Lager, als Ivan Snajder nach einem Tempogegenstoß völliog freistehend das Leder nicht am Schlussmann des EHV Aue vorbeibrachte. Die Hausherren hielten konsequent an ihrem Matchplan fest, trafen, so Alexander Koke, „viele gute Entscheidungen im Angriff“. Der beim ThSV Eisenach auf Linksaußen gekommene Adrian Wöhler zeigte sich sofort tatendurstig. Angriffszüge auf beide Außenpositionen, zu Ante Tokic ( 9 Würfe – 7 Treffer) und Adrian Wöhler, schienen nun ein richtiges Mittel. Beide verkürzten auf zwei Treffer (23:21, 48.). Kippt jetzt die Partie, dachten nicht wenige. Stephan Swat spürte das, zückte die grüne Karte. „Ich wollte Eisenach den psychologisch wichtigen Anschlusstreffer nicht erlauben“, begründete der EHV-Coach sein Eingreifen. Gestützt auf ihren Keeper trafen die Hausherren zum 25:21 (51.). steckten einen ausgelassenen Strafwurf problemlos weg. Doch die Männer von der Wartburg steckten nicht auf, reduzierten die Zahl ihrer technischen Fehler deutlich (nur noch 3 in der zweiten Halbzeit). Ante Tokic verkürzte erneut auf zwei Treffer (25:23, 52.) ThSV-Keeper Denis Karic parierte. Kapital konnten seine Vorderleute daraus nicht ziehen. Der EHV Aue setzte seinen starken Linksaußen Kevin Roch in Szene, der zum 26:23 versenkte und die Anhängerschaft der Gäste verzückte, die die letzten fünf Minuten stehend ihr Team feierten. Der EHV Aue ließ sich den Derbysieg nicht mehr entreißen.

 

Statistik

EHV Aue: Töpfer, Rasimas, Musil; de Santis (3), Naumann, Schroeder, Roch (5), Ebert (1), Bornhorn (5/3), Petreikis (4), Roth (2), Schneider, Brykner (5), Slachta, Kammlodt (3), Lux

 

ThSV Eisenach: Voncina, Karic; Iffert, Kikanovic (3), Wöhler (4/1), Potisk, Ulshöfer (1), Miljak, Tokic (7), Mürköster, Obranovic, Lumbroso (5), Snajder (1), Racic, Weyhrauch, Saul (5),

 

Siebenmeter: EHV Aue 4/3 – ThSV Eisenach 1/1

 

Zeitstrafen: EHV Aue 5 x 2 Min. – ThSV Eisenach 4 x 2 Min.

 

Schiedsrichter: Dauben/Rohmer

 

Zuschauer: 1.720

 

Th. Levknecht