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Was Lob vom Vorbild beweist

Dirk Pille (Journalist FunkeMedien Thüringen) nach dem DHB-Pokal-Spiel des ThSV Eisenach gegen die HSG Wetzlar zum langen Weg der Eisenacher nach oben

Für Lob kann man sich zwar nichts kaufen, aber es beweist, dass sich der ThSV Eisenach auf dem richtigen Weg befindet.

Es gehört zum Selbstverständnis in Handball-Eisenach, dass das Ziel die erste Bundesliga sein muss. Doch aktuell ist der Verein sportlich und materiell davon weit entfernt. Die Begegnung mit dem Nachbarn aus Wetzlar machte das deutlich. Die einstigen „Klassenkameraden“ haben ganz unterschiedlich Pfade eingeschlagen. War früher Eisenach das große Vorbild, wie man in einer kleinen Stadt erstklassigen Sport produziert, ist es heute Wetzlar. Die HSG gehört zum Bundesliga-Inventar mit einem Etat von über vier Millionen Euro und einer modernen Arena.

In Eisenach sind es drei Millionen weniger und man lebt vom renovierten Charme der Aßmann-Halle. Nach den zwei Bundesliga-Intermezzi in diesem Jahrzehnt stürzte der Traditionsverein in die 3. Liga ab, erholt sich unter Präsident Alaj und Manager Witte aber erfreulich. Inzwischen setzt man in Eisenach auf junge, hungrige Spieler. Mit dem Risiko, die Talente schnell wieder zu verlieren oder auch mal in Abstiegsnot zu geraten.

Doch der Weg ist der richtige. Das bestätigte auch Wetzlars Trainer Matschke den Gastgebern nicht nur aus Höflichkeit. Bleibt zu hoffen, dass die Fans mit steigenden Leistungen auch wieder so zahlreich wie früher in ihre Katzenaue zurückkehren. Ein DHB-Pokalspiel gegen einen Bundesligisten vor nur 800 Zuschauern – früher undenkbar. Corona hat viel kaputt gemacht und scheinbar auch die Liebe zum Handball in der Wartburgstadt etwas abgekühlt. Es bedarf nicht nur eines modernen Handball-Tempels, der 2023 fertig sein soll, um wieder Aufstiegswünsche aus Thüringen anzumelden.