71-Tore-Spiel in Kassel: ThSV verliert Offensiv-Spektakel knapp

Am Samstagabend unterlag der ThSV Eisenach in einem Torfestival bei der MT Melsungen mit 34:37 (15:20)! Das Team von Sebastian Hinze zeigte starkes Offensiv- und Tempospiel, kam durch eine defensive Leistungssteigerung sogar tief in der zweiten Hälfe nochmal auf ein Tor ran, musste die Heimreise aber dennoch mit leeren Händen antreten!

Tillman Leu gegen Olle Forsell Schefvert - Fotos: Alibek Käsler

Der ThSV reiste am Samstagabend ersatzgeschwächt nach Kassel. Neben Dominik Solak, der sich vor einigen Wochen den Daumen broch, fielen für das Duell mit der MT auch Rückraumspieler Max Beneke, Abwehrchef Philipp Meyer und Torhüter Silvio Heinevetter aus. Personell erfreulich: Aleksandar Capric, der inzwischen 22-Jährige hatte lange und hart auf sein Comeback hingearbeitet, konnte nach auskurierter Kreuzbandverletzung erstmals wieder auf der Platte stehen. Für Schlussmann Heinevetter rückte Torwarttrainer Stanislaw Gorobtschuk nach und bildete mit Matija Spikic das Keeper-Duo in Melsungen.

Der erste Treffer des Abends ging aufs Eisenacher Konto. Spikic hatte schon ein Siebenmeter-Duell gegen Florian Drosten gewonnen, da netzte Stephan Seitz auf der Gegenseite zum 0:1. Die Folgeminuten torreich. Schon in Minute 6 flog Timmy Reichmuth zum fünften Eisenacher Tor in den Kreis und machte das 4:5 aus Sicht der Hausherren. Knapp zehn Minuten drin, brachte Rückraum-Hüne Dainis Kristopans die MT beim 6:5 erstmals in Front. Um die Viertelstunden-Marke berief ThSV-Chefcoach Sebastian Hinze erstmals seinen eigentlichen Trainerkollegen Stanislaw Gorobtschuk zwischen die Pfosten, Melsungens Drosten aber versenkte den fälligen Strafwurf zum 10:8.

Durststrecke wirft Eisenach zurück: Melsungen zur Pause in Front

Eine fünfminütige Durststrecke suchte den Eisenacher Angriff wenig später heim, zwischen Minute 19 und 24 gelang kein Tor gegen Nebojsa Simic im MT-Kasten, bis Felix Aellen den Nachwurf eines Siebenmeters zum 16:11 verwandelte. Jenen Fünf-Tore-Vorsprung brachten die rot gekleideten Nordhessen abgezockt in die Pause, führten zum Seitenwechsel mit 20:15.

Die viertelstündige Verschnaufpause tat dem Kultklub in Blau richtig gut, Seitz verkürzte nach Spikic-Parade auf drei Tore Unterschied, direkt nach besagtem 24:21 hielt der Kroate im Kasten Eisenachs gleich nochmal, nahm Kristopans einen Wurf ab. Richtig heiß wurde es aber um die 45. Minute. Nachdem Justin Kurch einen Gegenstoß unaufhaltbar zum 28:26 abgeschlossen hatte, sah sich Melsungen-Trainer Roberto Garcia Parrondo zum Nehmen einer Auszeit gezwungen.

Furioses Privatduell zwischen Aellen und Simic: Spannung bis in die Schlussphase

Auf jene folgte die erste Gorobtschuk-Parade des Abends, ummantelt von einem Doppelschlag des, Pardon für die Wortwahl, saustarken Felix Aellen. Als er in der 47. Minute einen Siebenmeter an Simic vorbei ins rechte Kreuzeck legte, machte er damit sein 12. Tor und das 31:30. Gorobtschuk hielt erneut, aber auch Simic auf der Gegenseite, als die Ein-Mann-Dampflok Peter Walz auf ihn zurollte. Nach Videobeweis, der eine Abwehraktion später eine mögliche Disqualifikation gegen Walz checkte, sah er glimpflicherweise eine Zeitstrafe und musste zwei Minuten pausieren.

Sechs Minuten vor Schluss versenkte David Mandic einen Alleingang aufs Eisenacher Tor zum 35:31, nachdem Aellen am ebenfalls grandiosen Simic gescheitert war. Moritz Ende konnte beim 36:32 von Rechtsaußen den Vier-Tore-Abstand zwar nochmal herstellen, doch brachte die MT Melsungen das Spiel dann abgeklärt über die Ziellinie.

37:34 hieß es am Ende, trotz schwerwiegender Ausfälle hatte sich der ThSV Eisenach in Hessen teuer verkauft. Nach der Länderspielpause geht’s für das Team aus der Wartburgstadt im Heimspiel gegen den TBV Lemgo ran, für die MT steht neben der Bundesliga in dieser Saison noch ein großes Highlight, das Final4 der European League, auf dem Programm.

Die Protagonisten über das Spiel

„Ich glaube, wir haben ein attraktives und schnelles Handballspiel gesehen“, so Eisenach-Trainer Sebastian Hinze nach dem nervenaufreibenden Duell. „Es gab viele gute Situationen auf beiden Seiten. Das ist bei einem 37:34 nicht normal, aber ich kann mich trotz der vielen Tore über einige Chancen ärgern, die wir liegen lassen. In der zweiten Hälfte haben wir offensiv sehr stark agiert, defensiv stand der neue Innenblock deutlich kompakter und besser. Melsungen hat den Sieg verdient, war diese drei Tore besser. Dennoch bin ich heute mit meiner Mannschaft nicht unzufrieden.“

Maik Nowak, Sportlicher Leiter des ThSV Eisenach

„Respekt an die Mannschaft und Trainer. Mit Dominik Solak, Philipp Meyer, Max Beneke und Silvio Heinevetter fehlten uns gleich 4 Stammkräfte. Ich bescheinige unserer Mannschaft in dieser Formation eine sehr gute Leistung. Aleksandar Capric feierte nach langer Verletzungspause sein Comeback. Das hat uns gefreut. Unser Torwarttrainer Stanislaw Gorobtschuk hat sich bravourös in den Dienst der Mannschaft gestellt, stand ab der 40. Minute im Kasten. Wir sind lange drangeblieben. Schade, dass es nicht zu einem Punktgewinn gereicht hat. Den einen oder anderen Ball haben wir zu viel verworfen, scheiterten am guten Schlussmann der Gastgeber. Letztendlich entschieden Kleinigkeiten. Uns unterliefen nur 4 technische Fehler, davon allerdings 3 in den letzten 12 Minuten, als wir bis auf einen Treffer verkürzten. Der Ausgleichstreffer ist uns nicht gelungen, da hätte es noch hochspannend werden können. Überragend Felix Aellen mit 14 Toren.“

Peter Walz, Kapitän und Kreisläufer des ThSV Eisenach

„Wir standen in der Abwehr nicht so kompakt. Unser Angriffsspiel, insbesondere das Tempospiel, lief hochtourig. Leider vermochten wir beste Torchancen nicht zu nutzen, scheiterten an Nebosja Simic im Kasten der MT Melsungen. Beim Stand von 31:30 unterlief uns ein technischer Fehler, kassierten wir in Unterzahl zwei Gegentreffer ins leere Tor. In der 59. Minute kassierte die MT Melsungen ihre einzige Zeitstrafe. Dadurch wurde es für uns zusätzlich schwer.

Linkshänder Stephan Seitz: "Wir hatten heute ein sehr gutes Tempospiel. In beiden Halbzeiten hatten wir aber auch je eine Phase mit Problemen im Angriff. Wir kommen eigentlich gut aus der Halbzeitpause, aber die MT haut uns einige tolle Würfe aus dem Rückraum rein. Der Sieg ist nicht unverdient, aber auch wir haben bei Weitem kein schlechtes Spiel gemacht."

"Leider hat es heute trotz riesiger Unterstützung unserer Fans nicht ganz für den Sieg gereicht", lobte Timmy Reichmuth den mehrere hundert Fans starken Anhang. "Ich finde, wir haben uns über weite Strecken sehr gut präsentiert, am Ende haben doch diese drei Tore gefehlt. Ich freue mich schon auf den Freitag in zwei Wochen, wenn wir vor heimischer Kulisse Lemgo empfangen."

J. Gante

 

Statistik MT Melsungen - ThSV Eisenach 37:34 (20:15)

MT Melsungen: Simic (33 Gegentore/15 Paraden/ 1 Tor), Palasics (1 Gegentor/ 0 Paraden), Marchan (3), Balenciaga (2), Mandic (4), Sipos, Kristopans (6), Ignatow, Drosten (5/2), Stefansson (1), Arnarsson (2), Schefvert, Mensing (10), I. Guardiola, Darmoul, Kastening (3)

ThSV Eisenach: Spikic (27 Gegentore/ 4 Paraden), Gorobtschuk (10 Gegentore/ 2 Paraden), Joelsson (3), Reichmuth (3), Capric, Attenhofer (2), Walz (1), Ende (3), Aellen (14/5), Antonijevic (1), Seitz (5), Kurch (1), Büchner, Saul, Leu (1)

Siebenmeter:

MT Melsungen 3/4 (Drosten wirft über das ThSV-Tor)

ThSV Eisenach 5/6 (Aellen scheitert an Simic)

Zeitstrafen:

MT Melsungen: 1 x 2 Min. (Schefvert)

ThSV Eisenach 3 x 2 Min. (Leu, Walz, Kurch)

Schiedsrichter: C. vom Dorff/ F. vom Dorff

Zuschauer: 4.500 (ausverkauft)

Spielfilm: 6:5 (9.), 11:8 (17.), 16:10 (24.), 20:15 (30.), 26:21 (38.), 29:28 (45.), 31:30 (47.), 33:30 (51.), 36:31 (55.), 37:34 (60.)

J. Gante

Timmy Reichmuth verbuchte drei Tore in Kassel
Justin Kurch und Stephan Seitz ackern defensiv
Coach Sebastian Hinze sah ein packendes Spiel
Felix Aellen (14 Treffer!) ist an Dainis Kristopans und Olle Forsell Schefvert vorbei - sportfotoseisenach
Peter Walz auf dem Weg zum Kasten der MT Melsungen - sportfotoseisenach
Oskar Joelsson bei einem seiner 3 Treffer aus 4 Versuchen - sportfotoseisenach
Peter Walz (re.) begrüßt die ThSV-Fans in Kassel - sportfotoseisenach
Prall gefüllt, der ThSV-Fanblock in Kassel - sportfotoseisenach
Stanislaw Gorobtschuk und Matija Spikic danken den ThSV-Fans in der Rothenbach-Halle Kassel - sportfotoseisenach