Buchpremiere: Handballgeschichte aus Ost und West
Trainerlegende Hans-Joachim Ursinus und Co-Autor Matthias Klaß stellten das druckfrische Buch „Verschlossene Tore – Mein Handball-Leben in Ost und West“ vor

Buchpremiere: Handballgeschichte aus Ost und West
Trainerlegende Hans-Joachim Ursinus und Co-Autor Matthias Klaß stellten das druckfrische Buch „Verschlossene Tore – Mein Handball-Leben in Ost und West“ vor
Thüringens Sportjournalist Axel Eger formulierte es einmal treffend: „Motor Eisenach war Achim Ursinus. Achim Ursinus war Motor Eisenach.“ Hans-Joachim „Achim“ Ursinus stellte nun kürzlich sein Buch „Verschlossene Tore – Mein Handball-Leben in Ost und West“ vor. Kein klassisches Handballbuch. Schwerpunkt bildet die Zeit in Eisenach, mit zwei ganz unterschiedlichen Perioden, beleuchtet werden auch seine Engagements in Günzburg, Melsungen und bei der HSG Niestetal-Staufenberg. Am Anfang seine Familie, der Einstieg in den Handball in Leipzig. Hans-Joachim Ursinus hat das Buch in Dankbarkeit seinem Vater gewidmet.
Der Saal zur Buchpremiere und Buchlesung füllte sich schon lange vor dem angekündigten Beginn. Stühle-Heranschleppen war angesagt. Selbst Eisenachs Oberbürgermeister Christoph Ihling war gekommen. Jürgen „Bongo“ Beck, Michael „Dubse“ Dubiel und Peter Witzsche, einst Spieler im Team von Hans-Joachim Ursinus, wollten sich diese Buchpremiere nicht entgegen lassen. Werner Hering, viele Jahre Mannschaftsleiter der ersten Männermannschaft von Motor Eisenach und nach der Wende 1989/90 auch des ThSV Eisenach, durfte natürlich nicht fehlen. Dessen handschriftliche Statistik-Aufzeichnungen über 17 Jahre übergab Hans-Joachim Ursinus an Statistik-Experten Thomas Pfeil, der diesen Fundus digitalisiert. Zur Buchpremiere dabei war auch Thomas Ursinus, einer der beiden Söhne von Hans-Joachim Ursinus, und Enkel Milan, Sohn von Thomas Ursinus. Platz genommen hatte ebenso Manfred Lindig mit seiner Frau Barbara, über Jahrzehnte Sponsor und Partner des ThSV Eisenach.
Auf 464 Seiten blickt Hans-Joachim Ursinus gemeinsam mit Matthias Klaß in überaus kurzweiligen Episoden in trefflich pointierter Form, der jeweiligen Situation angemessen, auf fast 60 Jahres eines Brennens für den Handballsport. Seit zwei Jahren arbeitete die Trainer-Legende mit Matthias Klaß als Co-Autor an diesem Buch, das einen zu Beginn der Zusammenarbeit nicht erwarteten Umfang mit 8 Kapitel zusätzlich Vorspiel und Nachspiel (mit Zitaten von Wegbegleitern) bekam. Illustriert ist das Buch mit reichlich Fotomaterial. Der Leser taucht in Eisenacher Handballgeschichte ein, aber auch in den Lebensweg des heute 81-jährigen Hans-Joachim Ursinus. „Über vieles können wir heute lachen, nehmen es mit Unverständnis auf, doch es war knallharte und zu jener DDR-Zeit keineswegs lustige Realität“, betont Hans-Joachim Ursinus. Da war das Spielverbot nach seinem Wechsel, gemeinsam mit seinem Freund Steffen Wohlrab, vom SC DHfK Leipzig zu Motor Eisenach. Also Berufsverbot. Beide mussten zunächst in der zweiten Mannschaft von Motor Eisenach in der Bezirksliga spielen. Wie das beim Auswärtsspiel in Oberdorla zuging, ist nachzulesen. Aufgehoben war das „Berufsverbot im real existierenden Sozialismus“ durch den Abstieg der ersten Mannschaft in die zweite Liga. (Der Aufstieg gelang postwendend.) Der Leser taucht beim Lesen des Buches in die Zwänge und Nöte der Handballer der BSG Motor Eisenach ein.
Die Jahnhalle, eine ehemalige Reithalle der Kasernierten Volkspolizei, war die Heimfestung, gefürchtet und verachtet von der Konkurrenz in der höchsten DDR-Spielklasse, der Oberliga. Bis zu 500 Zuschauer drängten sich innen und von außen an den Fenstern. „Eng, niedrig, hart. Sie wurde zur echten Heimfestung. Es roch dort nicht nach Heu, sondern nach Heimat, nach Kampf, nach Handball. Sie brodelte zu jedem Heimspiel. Was an Komfort fehlte, wurde durch die Stimmung wieder ausgeglichen“, erinnert sich Hans-Joachim Ursinus. Den Oberen der DDR-Sportführung war das alles mehr als ein Dorn im Auge. Hallensperren führten zu „Heimspielen“ in Mühlhausen, Leinefelde und Erfurt. Doch auf dem Weg von Leipzig ins damals grenznahe Eisenach musste Hans-Joachim erst an kontrollierenden Transportpolizisten im Zug der Eisenbahn vorbei. Den Grund seines Reisens nach Eisenach, Handballspielen, begegneten die „Trapos“ mit einer großen Portion zweifelnden Hohns.
Im Buch nicht fehlen darf natürlich der Triumph im FDGB-Pokal über den verhassten SC Dynamo Berlin im Mai 1981. Die Hinspielniederlage egalisierte die Motor-Sieben gegen die siegessicher angereisten Hauptstädter. Nicht für möglich gehalten, im Siebenmeter-Werfen siegte Motor Eisenach und qualifizierte sich für die in Rostock stattfindende FDGB-Pokal-Endrunde. Weil Diesel-Marken für den Ikarus-Reisebus fehlten, musste die 500-Kilometer-Fahrt in die Ostseemetropole mit einem Robur-Bus angetreten werden, der mit 40-Stundenkilometern auf der Autobahn jeden Berg hinaufschnaubte und zum Verkehrshindernis wurde. Die „Krönung“ dann in der neuen modernen 4.500 Zuschauer platzbietenden Ostseehalle. Vergeblich wurde eine mit „Motor Eisenach“ gekennzeichnete Kabine gesucht. Motor Eisenach wurde dann die Kabine von Dynamo Berlin zugewiesen. Niemand hatte an die Sensation der kleinen BSG aus dem Automobilwerk vom Fuße der Wartburg gerechnet.
Zur über 2.000 Mitglieder zählenden Betriebssportgemeinschaft (BSG) Motor Eisenach zählten ja auch die zwischen der DDR-Liga (der zweithöchsten Spielklasse mit 5 Staffeln) und der Bezirksliga Erfurt pendelnden Fußball-Männer. Hand- und Fußballer trafen oft zum Kick mit dem großen Leder auf dem grünen Rasen aufeinander. „Die Fußballer hatten gegen uns keine Chance“, erinnerten sich Jürgen Beck und Michael Dubiel während der Buchpremiere.
Hans-Joachim Ursinus erzählt in seinem Buch von einem Lebensweg durch den Handball in Ost und West – als Spieler, Hochschullehrer, Cheftrainer und später auch als Handball-Manager.Es ist kein klassisches Handballbuch und keine reine Erfolgsgeschichte. Es geht um Führung, Verantwortung, Widerstand, persönliche Konsequenzen und um Einblicke hinter die Kulissen eines Sports, der oft mehr war als nur Spiel, Tabelle und Ergebnis.
Nach der Buchpremiere konnten die Besucher das Buch käuflich erwerben und es sich von Hans-Joachim Ursinus signieren lassen. Diese Gelegenheit nutzte nahezu jeder….
Das Buch „Verschlossene Tore – Mein Handball-Leben in Ost und West“ ist im THK-Verlag zu bestellen unter info@thk-verlag.de, ISBN/Bestellnummer 978 – 3 – 910993 – 62 -4. Preis 29.90 €.
Th. Levknecht
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