Da sang selbst Trainer Sebastian Hinze das Rennsteiglied mit
ThSV Eisenach bejubelte mit einem 34:29 (16:13) -Sieg bei GWD Minden den ersten Auswärtssieg der Saison/ Matchplan mit 13 Treffern von den Außenpositionen bestens umgesetzt/ Torhüter Matija Spikic mit 15 Paraden ein starker Rückhalt
Sebastian Hinze, der Coach des ThSV Eisenach, stand sichtlich berührt inmitten seiner jubelnden Mannschaft auf dem Parkett der Kampa-Halle Minden. Er stimmte mit ein, als die mitgereisten blau-weißen Fans Thüringens Nationalhymne, das Rennsteiglied, intonierten. „Sebastian-Hinze“ Sprechhöre erschallten aus dem stimmgewaltigen Block des ThSV Eisenach. Schon lange vor dem Abpfiff hatten die ThSV-Fans die akustische Hoheit in der mit knapp 3.500 Zuschauern gefüllten Halle übernommen. Ihr Team auf dem Parkett dominierte von Beginn, feierte mit einem 34:29 (16:13) -Erfolg den so langen erhofften ersten Auswärtssieg. Am 29. Spieltag wurde der Auswärtsbock umgestoßen, zugleich die Pluspunktezahl auf 21 geschraubt, der Klassenerhalt eingetütet. Die Wartburgstädter überholten in der Tabelle den HC Erlangen (23:31-Heimniederlage gegen den HSV Hamburg) und kletterten auf den 13. Platz.
„Unsere Jungs wissen, es ist ein absolutes Privileg, in der 1. Handballbundesliga zu spielen“, betonte Sebastian Hinze. „Die Mannschaft ist jung, ehrgeizig und gierig. Jeder kämpft um seinen Platz. Das werden wir bis zum Saisonende so halten, wollen nun die Großen der Liga ärgern, Bonuspunkte sammeln“, erklärte ThSV-Rechtsaußen Moritz Ende und richtete den Blick schon mal auf die noch bevorstehenden 5 Punktspiele. In denen wird es für GWD Minden schwer, den Ligaverbleib zu sichern. Aaron Ziercke, der Mindener Coach, rang nach der Partie um Worte. „Wir waren nicht bereit so ein Spiel anzugehen, so wie es Eisenach vorgemacht hat. Mir ist es nicht gelungen, unsere Mannschaft so einzustellen, mit einer anderen Körpersprache. Kompliment dem ThSV Eisenach für einen verdienten Sieg. Ich bin maximal enttäuscht“, so Aron Ziercke. Sein Team entzündete nicht das für einen Sieg im Abstiegskampf erforderliche Feuer, zeigte ganz viel Respekt, ging nur selten in die Tiefe. Malte Donker, Kapitän von GWD Minden erklärte: "Bei uns fehlten die Emotionen, Für ein kleines Endspiel standen wir mit der falschen Körpersprache auf dem Parkett. Die fehlte schon von Beginn. Dadurch sind wir nicht zu unserem Spiel gekommen. Vielleicht war auch ein Stück Nervosität dabei, der Druck zu hoch, um die Chance auf zwei ganz wichtige Punkte zu nutzen. Wir sind alle mit uns unzufrieden. Wir müssen nach vorn schauen, das Spiel auswerten, unsere Punkte gegen andere Kontrahenten sammeln. Vielleicht im Derby beim TBV Lemgo."
„Mit der Lizenzerteilung für die nächste Saison und unserem ersten Auswärtssieg liegt eine schöne Woche hinter uns“, betonte Rene Witte, der Geschäftsführer des ThSV Eisenach. Und auch das soll nicht unerwähnt bleiben: In den jungen Sophia Janz und Rosana Sug hatte die Partie zwei vorzügliche Schiedsrichterinnen.
Maßgeschneiderter Matchplan bestens umgesetzt
„Uns sind, die letzten 5 Minuten ausgeklammert, wenige Ballverluste unterlaufen, wir haben extrem viele Zweikämpfe gewonnen, ein super Timing hat unser Spiel geprägt. Unsere Außen haben getroffen. Die Phase, als es 25:22 stand, wir einige Bälle liegengelassen haben, die Halle kam, haben wir gut gelöst. Mit Peter Walz und Vukasin Antonijevic kamen frische Kräfte“, bilanzierte Sebastian Hinze. Mit Dominik Solak fehlte ihm ein gefährlicher Distanzwerfer verletzungsbedingt. Sebastian Hinze hatte seinem Team den richtigen taktischen Anzug geschneidert. Spielzüge zu beiden Außenpositionen hieß ein Erfolgsrezept. Vincent Büchner (8 Treffer aus 9 Versuchen) und Moritz Ende (5 aus 6) netzten ein. Die Abwehr um die Innenblocker Philipp Meyer und Tillman Leu behielt im Zusammenspiel mit Torhüter Matija Spikic den Durchblick. Malte Donker hatte schon im Vorfeld davor gewarnt, den Eisenacher Keeper ins Spiel kommen zu lassen. Mit 15 abgewehrten Bällen stand bei Matija Spikic eine Fangquote von 35 Prozent. Zwei der vier ihnen zuerkannten Siebenmeter setzten die Gastgeber ans Holz, einen (von Morten Hempel Jensen) meisterte Matija Spikic kurz vor der Sirene. Da waren die Eisenacher, die auf dem Parkett und die auf den Rängen, schon in Feierlaune. „Wir waren taktisch sehr gut vorbereitet, in Abwehr und Angriff, haben das gepaart mit vorbildlichem kämpferischem Einsatz bestens umgesetzt. Als Mindens Keeper Malte Semisch 3 Bälle parierte, unser Vorsprung etwas schmolz, haben wir diszipliniert weiter bis zur besten Wurfchance gespielt. Riesenkompliment an die Mannschaft und ihren Trainer Sebastian Hinze, die sich nicht nur diesen Sieg, sondern 21 Punkte hart und verdient erarbeitet hat. Ein Riesendank geht an unsere Fans, die an einem Freitagabend unsere Mannschaft in Ostwestfalen so lautstark unterstützt haben. Mit dem Gang auf die Tribüne hat sich unsere Mannschaft bei ihren Fans bedankt“, resümierte Maik Nowak der Sportliche Leiter des ThSV Eisenach. Peter Walz führte das Team nach dem Abpfiff hinauf in den ThSV-Block, jeder Spieler wollte persönlich danken, jeder ThSV-Fan wollte möglichst alle Spieler umarmen. Emotionen pur!
Vincent Büchner und Moritz Ende treffsicher
Nur beim 1:0 (1.) führte GWD Minden, beim 3:3 (6.) leuchtete letztmalig ein Gleichstand auf der Anzeigetafel. Einen vom Pfosten zurückspringenden Ball versenkte Moritz Ende zum 3:4 (7.). Stephan Seitz tankte sich zum 4:7 durch (11.). Einen technischen Fehler von Philipp Vorlicek nutzte Max Benecke per Gegenstoß zum 6:10 (16.). ThSV-Coach Sebastian Hinze wechselte mehrfach durch, stellte die Gastgeber immer wieder vor neue Aufgaben. Schnelles Angriffsspiel, alle in Bewegung, GWD Minden schaute verdutzt hinterdrein. Vincent Büchner sorgte als Einläufer immer wieder für Verwirrung, lochte zur Kreismitte eingelaufen zum 8:12 ein (20.). GWD-Kapitän Malte Donker wurde erst in der 21. Minute in den rechten Rückraum eingewechselt, an die Seite von Regisseur Ian Weber. Der 2,08 Meter große Malte Semisch löste Tibor Ivanisevic im Kasten der Hausherren ab (24.). Die erhoffte Wirkung blieb aus. Oskar Joelsson verwandelte einen an Vukasin Antonijevic verwirkten Siebenmeter zum 11:15 (27.).
ThSV Eisenach löscht Mindener Hoffnungsfunken
Ungebremst kamen die Eisenacher aus den Kabinen. Felix Aellen dirigierte mit Übersicht. Die Gastgeber wirkten weiter verhalten, von unbedingtem Siegeswillen keine Spur, leisteten sich Ballverluste. Stephan Seitz (mit Überzeugung aus dem Rückraum) und Vincent Büchner (von Linksaußen) lochten zum 15:20 ein (37.). Kurz zuvor hatte ThSV-Keeper Matija Soikic dem freien Florian Kranzmann das Leder abgekauft. Jede gelungene Abwehraktion wird auf dem Parkett, auf der Bank und im ThSV-Fanblock bejubelt. Beim 17:23 durch Vincent Büchner (41.) lagen die Wartburgstädter erstmals mit 6 Treffern vorn. GWD-Keeper Malte Semisch sendete mit drei Paraden hintereinander Signale an sein Team und die einheimischen Zuschauer. Beide erwachten. Aber nur kurzzeitig. Beim Stand von 22:25 (48.) durch den am Kreis freigespielten ehemaligen U 21-Weltmeister Mika Sajenev, erst kürzlich von der HSG Nordhorn-Lingen gekommen, griff Sebastian Hinze zur Auszeit. Vincent Büchner (von Linksaußen) und Peter Walz (per Dreher von der Kreismitte) trafen zum 22:27 (51.). Malte Donker hämmerte das Leder ans Holz des ThSV-Kastens. Die Hausherren wirkten konsterniert. Ein Siebenmeter von Florian Katzmann landete am Querbalken (52.). Unterzahlphasen brachten die Gäste von der Wartburg nicht vom Erfolgsweg ab. Oskar Joelsson stibitzte sich das Leder und vollendete selbst zum 23:30 (53.). Matija Spikic kaufte Alexander Weck das Leder ab (53.). GWD-Coach Aaron Ziercke versuchte es mit einer offenen Manndeckung. Der Ex-Eisenacher Niclas Heitkamp sorgte für frischen Wind. In Gefahr kamen die Thüringer freilich nicht. Das Feuer beim Gastgeber war längst gelöscht. Oskar Joelsson markierte mit seinem 6. Treffer das 26:33 (56.). Florian Katzmann donnerte das Leder an den Eisenacher Kasten (58.). Matija Spikic heimste mit zwei Glanzparaden Sonderbeifall ein. Auf der ThSV-Bank beglückwünschte Sebastian Hinze bereits seine Spieler. „Auswärtssieg! Auswärtssieg!“ skandierte die lautstrake ThSV-Kolonie.
Stimmen zum Spiel
Aron Ziercke, Trainer von GWD Minden:
Wir waren nicht bereit so ein Spiel anzugehen, so wie es Eisenach vorgemacht hat. Mir ist es nicht gelungen, unsere Mannschaft so einzustellen, mit einer anderen Körpersprache. Kompliment dem ThSV Eisenach für einen verdienten Sieg. Ich bin maximal enttäuscht.
Sebastian Hinze, Trainer des ThSV Eisenach:
Ich bin stolz darauf, wie unsere Jungs den Matchplan umgesetzt haben. Uns sind, die letzten 5 Minuten ausgeklammert, wenige Ballverluste unterlaufen, wir haben extrem viele Zweikämpfe gewonnen, ein super Timing hat unser Spiel geprägt. Unsere Außen haben getroffen. Die Phase, als es 25:22 stand, wir einige Bälle liegengelassen haben, die Halle kam, haben wir gut gelöst. Mit Peter Walz und Vukasin Antonijevic kamen frische Kräfte. Vor der Saison hat uns kaum einer diese Entwicklung zugetraut. Unsere Jungs wissen, es ist ein absolutes Privileg in der Handballbundesliga zu spielen. Überragend unsere Fans, grandios ihre Unterstützung auch in Minden. Dieser Sieg ist auch eine Belohnung für unsere Fans!
Maik Nowak, Sportlicher Leiter des ThSV Eisenach:
Im Saisonverlauf waren wir so oft dran an einem Auswärtssieg. Endlich haben wir den Bock umgestoßen. Wir waren taktisch sehr gut vorbereitet, in Abwehr und Angriff, haben das gepaart mit vorbildlichem kämpferischem Einsatz bestens umgesetzt. Als Mindens Keeper Malte Semisch 3 Bälle parierte, unser Vorsprung etwas schmolz, haben wir diszipliniert weiter bis zur besten Wurfchance gespielt. Vincent Büchner hat insgesamt 8 dieser Torchancen von Linksaußen genutzt. Riesenkompliment an die Mannschaft und ihren Trainer Sebastian Hinze, die sich nicht nur diesen Sieg, sondern 21 Punkte hart und verdient erarbeitet haben. Ein Riesendank geht an unsere Fans, die an einem Freitagabend unsere Mannschaft in Ostwestfalen so lautstark unterstützt haben. Mit dem Gang auf die Tribüne hat sich unsere Mannschaft bei ihren Fans bedankt.
Rene Witte, Geschäftsführer ThSV Eisenach:
Unsere Mannschaft hat die richtige Reaktion auf die klare Heimniederlage gegen Hannover gezeigt. Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute dominiert, jedem in der Liga gezeigt, was wir draufhaben. Ein riesiges Kompliment geht an die Mannschaft und das Trainerteam. Unfassbar, wir unsere Fans das Team an einem Freitagabend im 270 Kilometer von Eisenach entfernten Minden unterstützt haben. Diesen Erfolg haben sich Mannschaft und Fans gemeinsam erkämpft. Mit der Lizenzerteilung für die nächste Saison und unserem ersten Auswärtssieg liegt eine schöne Woche hinter uns.
Malte Donker, Kapitän GWD Minden:
Bei uns fehlten die Emotionen, Für ein kleines Endspiel standen wir mit der falschen Körpersprache auf dem Parkett. Die fehlte schon von Beginn. Dadurch sind wir nicht zu unserem Spiel gekommen. Vielleicht war auch ein Stück Nervosität dabei, der Druck zu hoch, um die Chance auf zwei ganz wichtige Punkte zu nutzen. Wir sind alle mit uns unzufrieden. Wir müssen nach vorn schauen, das Spiel auswerten, unsere Punkte gegen andere Kontrahenten sammeln. Vielleicht im Derby beim TBV Lemgo.
Matija Spikic, Torhüter des ThSV Eisenach, mit 15 Paraden einer der Garanten des Sieges:
Wir waren von Beginn mit viel Energie und Disziplin als geschlossene Mannschaft präsent, dominierten über nahezu über 60 Minuten. Wir haben viel über die Außen gespielt. Das hat sich ausgezahlt. Das sollten wir künftig auch so machen.
Oskar Joelsoon, linker Rückraumspieler des ThSV Eisenach, 6 Tore aus 9 Versuchen:
Wir haben im Angriff und in der Abwehr die Vorgaben umgesetzt. Ganz viel hat funktioniert, die Abwehr im Zusammenspiel mit dem 15 Bälle parierenden Torwart. Im Angriff haben wir unsere Außen in Szene gesetzt, die konsequent abschlossen. Wir waren das bessere Team und haben folgerichtig beide Punkte mit nach Eisenach genommen. Famos, wie unsere Fans uns unterstützt haben. Und das an einem Freitagabend in Nordrhein-Westfalen!
Philipp Meyer, Abwehrchef des ThSV Eisenach:
Dieser Sieg war überfällig. Die letzten 5 Minuten mal außen vorgelassen, haben wir guten Handball gezeigt. Mit einer guten Teamleistung, gute Abwehr, guter Torwart, guter Angriff. Heute hat mal alles geklappt-
Moritz Ende, Rechtsaußen des ThSV Eisenach, 5 Treffer aus 6 Versuchen:
Wir waren nervenstark und haben 60 Minuten unseren Stiefel durchgezogen. Wir wollten unbedingt auch einmal auswärts das zeigen, was wir in heimischer Halle auf die Platte bringen. Eine kurze Schwächephase in der zweiten Halbzeit, als GWED Minden bis auf drei Treffer verkürzte, haben wir gut überstanden, auch das 7 gegen 6 gut verteidigt. Wir wussten genau, wie wir aufzuspielen haben, um erfolgreich zu sein. Dazu gehörte das Spiel über beide Außen mit guten Quoten. Wir ließen das Leder bis zum am besten postierten Mitspieler laufen. Wir wissen, was wir können. Wir haben es allen gezeigt, können nun 21 Pluspunkte vorweisen. Die Mannschaft ist jung, ehrgeizig und gierig. Jeder kämpft um seinen Platz. Das werden wir bis zum Saisonende so halten, wollen nun die Großen der Liga ärgern, Bonuspunkte sammeln.
Statistik
GWD Minden: Ivanisecic (3 Paraden), Semisch (ab 24./11 Paraden); Pedersen (3), Kranzmann (4), Antanavicius, Hempel Jensen (6), Korte, Weber (4), Sterba (1), Sajenev (2), Vorlicek (4), Heitkamp (1), Staar (1), Donker, Weck (3)
ThSV Eisenach: Spikic (15 Paraden), Heinevetter; Joelsson (6/1), Reichmuth, Beneke (2), Attenhofer, Walz (2), Ende (5), Aellen (2), Meyer, Antonijevic (2), Seitz (5), Kurch, Büchner (8), Saul, Leu (2)
Siebenmeter: GWD Minden 1/4 – ThSV Eisenach 1/2
Zeitstrafen: GWD Minden 2 x 2 Min. – ThSV Eisenach 5 x 2 Min.
Schiedsrichter: Sophia Janz/ Rosana Sug
Zuschauer: 3.474
Th. Levknecht
1. Handball Bundesliga
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