Ein Handballfest par Exellence

Personell gebeutelter ThSV Eisenach fordert den Champions-League-Sieger, unterliegt dem SC Magdeburg, Tabellenführer der DAIKIN Handballbundesliga, nach einem 14:14 zur Pause am Ende 25:30

Beste Stimmung bei den Fans aus beiden Lagern - sportfotoseisenach

 

Ein Handball-Highlight, ein stimmungsvolles mitteldeutsches Derby in einer rappelvollen Werner-Aßmann-Halle, via ARD und DYN überall in Deutschland zu sehen. Der SC Magdeburg knackte die Heimfestung unter der Wartburg, führt mit einem 30:25 (14:14) Erfolg weiterhin ungeschlagen die Tabelle der DAIKIN Handballbundesliga an. Der ThSV Eisenach belegt Tabellenplatz 13 in der Liga mit 18 Teams.

Zu einem Handballfest par Exellence passte es, dass Thüringens stellvertretende Ministerpräsidentin und Finanzministerin Katja Wolf dem ThSV Eisenach e.V. die Ehrenamtsurkunde überreichte. Shpetim Alaj, Präsident des ThSV Eisenach, nahm diese unmittelbar vor dem Anpfiff unter dem Beifall der 2.850 Zuschauer entgegen. „Ehrenamt gestaltet Gesellschaft, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und vermittelt Werte, die unser Zusammenleben prägen“, erklärte der in der Halle weilende Thüringer Staatssekretär für Sport und Ehrenamt David Möller.

Bennet Wiegert, der Coach des SC Magdeburg, konstatierte zu den 60 mitreißenden Handballminuten: „Das war ein super intensives Spiel und für mich das, was den Handball ausmacht. Da geht es nicht nur um Technik und Taktik, sondern auch um Kampf, Leidenschaft und Emotionen – die Dinge, die ich am Sport liebe.“ Er machte erneut kein Hehl aus seiner Sympathie für den ThSV Eisenach. Nur in den Spielen gegen sein Team sollen die Wartburgstädter nicht punkten. „Ich drücke dem ThSV Eisenach jede Menge Daumen, wünsche ihm für 2026 alles Gute“, erklärte Bennet Wiegert zur Pressekonferenz. Er absolvierte mit seiner Mannschaft wettbewerbsübergreifend an diesem 27.Dezember das 36. Spiel der Saison. (Im gleichen Zeitraum waren es für den ThSV Eisenach derer 21.)  „Für den SC Magdeburg steht ein überragendes Jahr! Mit unserem vorhandenen Personal haben wir noch einmal alles rausgehauen. Kompliment und Dank an die Mannschaft und den Staff. Unser Dank geht an unsere fantastischen Fans, unsere Sponsoren und Partner. Wir haben 13 Punkte und stehen auf Platz 13 der stärksten Liga der Welt, haben noch viel Potential nach oben, sind auf bestem Weg zu unserem Ziel Klassenerhalt“, erklärte Eisenachs Geschäftsführer Rene Witte. „Magdeburg und Eisenach“ sangen die zahlreich mitgereisten stimmgewaltigen Fans des SC Magdeburg, die Verbundenheit der beiden mitteldeutschen Erstbundesligisten dokumentierend. Die Fans beider Teams feierten im Anschluss gemeinsam bis in die späten Stunden das sich zu Ende neigende Handballjahr im Thüringer Handballtempel.

Der ThSV Eisenach, nach einer längeren Krankheitspause wieder mit dem Sportlichen Leiter Maik Nowak auf der Bank, forderte den Champions-League-Sieger und Tabellenführer der DAIKIN Handballbundesliga. Das 14:14 zur Pause hatten sich die gebeutelten Wartburgstädter, fehlten u.a. der verletzte Rückraum-Rechte Max Beneke, Spielgestalter Felix Aellen saß verletzungsbedingt nur zur moralischen Unterstützung auf der Bank, mit einer „überragenden Abwehrarbeit“ (Peter Walz) und „geduldigem Angriffsspiel“ (Stephan Seitz), verdient. Dirigiert von Gisli Kristjansson, einem treffsicheren Matthias Musche auf Linksaußen und einem sich steigernden Sergey Fernandez im Tor plus erhöhten kämpferischen Einsatz rissen die Elbestädter die Partie nach dem Seitenwechsel an sich (15:18, 37./20:25, 49.). „Uns fehlte zum Ende die Energie für erfolgreiche Zweikämpfe“, resümierte Eisenachs Kreisspieler Tillman Leu.

ThSV Eisenach heizt den Magdeburgern gehörig ein

Mit Vincent Büchner auf Links- und Gian Attenhofer auf Rechtsaußen, Oskar Joelsson, Fynn Hangstein und Stephan Seitz im Rückraum, Tillman Leu am Kreis und Matija Spikic im Tor, Philipp Meyer für Abwehraufgaben kommend, waren die Eisenacher sofort auf Betriebstemperatur, agierten mit ganz viel Leidenschaft. Philipp Meyer und Tillman Leu bildeten den Deckungs-Innenblock. Die Referees Frederic Linker und Sascha Schmidt verhängten nach nicht einmal 150 Sekunden die erste Zeitstrafe gegen den ThSV Eisenach. Die Eisenacher, auf Parkett und Rängen, haderten mehrfach mit der Zweikampfbeurteilung des Schiedsrichtergespannes. ThSV-Keeper Matija Spikic parierte einen Siebenmeter von Omar Ingi Magnusson (10.). Stephan Seitz glich zum 5:5 aus (11.). Vincent Büchner brachte den ThSV Eisenach mit 6:5 in Führung (11.) Gian Attenhofer (15.) und der eingewechselte Vukasin Antonijevic (17.) trafen gar zum 8:6. Kurz darauf kassierte Tillman Leu bereits seine zweite Zeitstrafe. Die Hausherren, nun mit Peter Walz am Kreis und in der Abwehr, behaupteten die knappe Führung.“ Im ersten Abschnitt manövrierten wir den Innenblock auf der Gegenseite noch aus“, vermerkte ThSV-Coach Sebastian Hinze. „Im ersten Abschnitt haben wir nicht den erforderlichen Zugriff bekommen. Wir haben den Kampf nicht so richtig angenommen, wie man es in Eisenach tun muss“, gestand Bennet Wiegert. Eisenachs Rückraumspieler Oskar Joelsson markierte das 10:8 (19.). Mit Spielzügen zur Linksaußenposition, zu Matthias Musche, hatten die Elbestädter ein Erfolgsrezept gefunden. Der 33-Jährige, beim SCM eine Institution, bis auf eine Stippvisite 2012/2013 beim Post SV Schwerin, seit 2000 durchgängig beim SC Magdeburg, übernahm auch die Siebenmeter, wie beim Ausgleichstreffer zum 11:11 (23.). Albin Lagergren kam im SCM-Rückraum. Stephan Seitz markierte das 13:12 (26.). Der letztmaligen Eisenacher Führung. Eine (umstrittene) Zeitstrafe gegen Peter Walz nutzten die Gäste zum 13:14 (28.). Fynn Hangstein bediente Stephan Seitz, der zum 14:14 einnetzte (28.). Matija Spikic hielt mit einer Glanzparade das Halbzeit-Remis fest. Der ThSV Eisenach wurde mit stehenden Ovationen in die Halbzeitpause verabschiedet.

Weltklasseteam von der Elbe wechselt in die Erfolgsspur

Mit einer Zeitstrafe gegen Justin Kurch und drei Treffern von Matthias Musche zum 14:17 (36.) ging es in die zweiten 30 Minuten. Die Magdeburger kontrollierten die Partie, profitierten von den individuellen Qualitäten ihrer Ausnahmekönner. Bennet Wiegert konnte es sich sogar leisten, etliche seiner Asse auf der Bank zu belassen. Die Eisenacher fighteten. Peter Walz zirkelte das Leder in den leeren SCM-Kasten (39.). Die Spezialität von Philipp Meyer, Wurf aus der eigenen Hälfte in das leere Tor auf der Gegenseite, brachte das 19:20 (40.). Keeper Matija Spikic und auch der eingewechselte Silvio Heinevetter brachten keine Hand mehr ans Leder. Ihre Vorderleute vermochten keine Helferkette mehr aufzubauen. Die Gäste initiierten ihr bekanntes Umschaltspiel. Mit zwei Treffern in kurzer Folge durch Omar Indi Magnusson und Felix Claar zum vorentscheidenden 23:19 (46.) stellten die Gäste die Weichen danach auf Sieg. Wenige Minuten reichten dem Top-Team. „Dass es schwierig wird, die Leistung über 60 Minuten zu halten, war klar“, erklärte Eisenachs Abwehrchef Philipp Meyer. Bei Stürmerfoul-Entscheidungen gegen Stephan Seitz schüttelten viele verständnislos den Kopf. Daniel Pettersson erhöhte für den SC Magdeburg auf 20:25 (49.). Die Elbestädter, zuletzt auch 10 Siege in Folge in der Champions-League, waren klar auf Kurs.

Karambolage zwischen Trainer und Schiedsrichter

Sebastian Hinze hat es in der Crunchtime umgehauen. Schiedsrichter Sascha Schmidt (Bochum) schickte den Trainer des ThSV Eisenach wenige Minuten vor Schluss auf das 1984 eingebaute Schwingparkett.  „Ich hätte ihn eigentlich sehen müssen“, sagte Hinze nach dem K.o.-Hieb. Der Schiedsrichter rannte, auf das Spielfeld blickend, an der Eisenacher Bank vorbei und haute dabei den auf der Seitenlinie stehenden ThSV-Coach mit fast ausgestrecktem Arm um. Es sei nichts weiter passiert, meinte der 46-jährige frühere Kreisspieler später. Außer, dass seine Eisenacher Mannschaft in dem Moment wohl endgültig geschlagen war. Daniel Pettersson setzte den Ball von außen zum 29:23 (56.) ins Netz.  

„Ein Riesenkompliment, wie wir das insgesamt defensiv gelöst haben; sowohl im Rückzug als auch in der Zweikampfbereitschaft und in der Helferkette. Wir haben 60 Minuten alles dagegengestellt. Dann muss man als Trainer dem Sieger fair gratulieren, aber auch meiner Mannschaft“, betonte ThSV-Coach Sebastian Hinze. Zu Hause hatte seine Mannschaft als Außenseiter dem übermächtigen Gast mehr Probleme bereitet, als es dem vor der EM-Pause lieb gewesen wäre. Das ThSV-Team verabschiedete sich erst einmal in einige trainingsfreie Tage, trifft sich am 12. Januar wieder.

Ein Blick in statistische Werte

Für den ThSV Eisenach wurde eine Wurfquote von 61 Prozent (25 Treffer aus 41 Würfen), für den SC Magdeburg von 75 Prozent (30 Treffer aus 40 Würfen) notiert. Dem ThSV Eisenach unterliefen 10, den Elbestädtern 6 technische Fehler. Der SC Magdeburg lief 86 Prozent erfolgreiche Angriffe, der ThSV Eisenach 70 Prozent. Dank Keeper Sergej Hernandez kamen die Elbestädter auf eine Fangquote von 32 Prozent. Die des ThSV Eisenach lag nur bei 17 Prozent.

 

Stimmen zu ThSV Eisenach – SC Magdeburg

Sebastian Hinze (Trainer des ThSV Eisenach):

„Glückwunsch an den SCM. Das war ein mega geiles Handballspiel. Beide Seiten müssen immer wieder Lösungen finden, aber da war Magdeburg dann in der Intensität in der zweiten Halbzeit besser. Im ersten Abschnitt manövrierten wir den Innenblock auf der Gegenseite noch aus. Ein Riesenkompliment an meine Mannschaft! Wir haben 60 Minuten alles dagegengestellt, dieser Einsatz ist es, was wir sehen wollen, solch eine Abwehrleistung wird dafür sorgen, dass wir 2026 Punkte holen werden.“

Bennet Wiegert (Trainer des SC Magdeburg):

Das war ein super intensives Spiel und für mich das, was den Handball ausmacht. Da geht es nicht nur um Technik und Taktik, sondern auch um Kampf, Leidenschaft und Emotionen – die Dinge, die ich am Sport liebe. Im ersten Abschnitt haben wir nicht den erforderlichen Zugriff bekommen. Wir haben den Kampf nicht so richtig angenommen, wie man es in Eisenach tun muss. Nach der Pause enteilen wir zu unserer 18:15-Führung. Das bringt Sicherheit. Dadurch wurde jeder Angriff für Eisenach extrem wichtig. Mit seinem dezimierten Kader hat Eisenach alles reingeworfen. Wir waren gewarnt. Nach unserer 25:20-Führung gaben wir das Spiel nicht mehr aus der Hand. Erwähnenswert, es war unser 36.Pflichtspiel wettbewerbsübergreifend, für den ThSV Eisenach das 21. Ich drücke dem ThSV Eisenach jede Menge Daumen, wünsche ihm für 2026 alles Gute.  

Rene Witte (Geschäftsführer des ThSV Eisenach):

Für den SC Magdeburg steht ein überragendes Jahr! Mit unserem vorhandenen Personal haben wir noch einmal alles rausgehauen. Kompliment und Dank an die Mannschaft und den Staff. Unser Dank geht an unsere fantastischen Fans, unsere Sponsoren und Partner. Wir haben 13 Punkte und stehen auf Platz 13 der stärksten Liga der Welt, haben noch viel Potential nach oben, sind auf bestem Weg zu unserem Ziel Klassenerhalt.

Stephan Seitz (Rückraumspieler des ThSV Eisenach):

Im ersten Abschnitt haben wir im Angriff geduldig gespielt. Viele Ein gegen Eins-Duelle gewonnen, unsere Abwehrarbeit war gut. Das Pausen-Remis gegen den Tabellenführer haben wir uns verdient. Nach dem Seitenwechsel agierten wir im Angriff nicht mehr so geduldig, in den Zweikämpfen hat uns die Energie gefehlt. Insgesamt haben wir uns gut verkauft, über die zweite Halbzeit ärgern wir uns schon. Wir überqueren mit Optimismus die Schwelle zum neuen Jahr, starten mit neuer Energie im Januar in den zweiten Teil der Saison.“

Magnus Saugstrup (Kreisspieler des SC Magdeburg):

 „Das macht immer Spaß hier zu spielen. Die Atmosphäre ist richtig gut, die spielen mit unglaublich viel Herz und du musst kämpfen, um was mitzunehmen. Das war in der ersten Halbzeit vielleicht ein bisschen zu wenig von uns, aber zum Glück geht ein Spiel 60 Minuten und wir haben es dann bis zum Ende durchgezogen.“

Peter Walz (Kreisspieler und Kapitän des ThSV Eisenach):

„Unsere Abwehrarbeit in der ersten Halbzeit war überragend. Wir zeigten alles das, was uns bei der Niederlage in Wetzlar gefehlt hat. Im zweiten Abschnitt agierte der SC Magdeburg dann deutlich cleverer, unterstrich, weshalb er ungeschlagen auf Platz 1 steht. Wir operierten ab Mitte der zweiten Halbzeit nicht mehr so abgeklärt wie vor dem Seitenwechsel. Unterm Strich steht für uns gegen den Champions-League-Sieger eine gute Leistung.“

Tillman Leu (Kreisspieler des ThSV Eisenach):

„Nach einer starken ersten Halbzeit fehlte uns im zweiten Abschnitt die Energie für erfolgreiche Zweikämpfe. Aus meiner Sicht war in der zweiten Halbzeit mehr möglich.“

Statistik

ThSV Eisenach: Spikic (24 Gegentore/ 6 Paraden), Heinevetter (41.-53., 6 Gegentore/0 Paraden), Joelsson (2/1), Reichmuth (n.e.), Hangstein (1), Attenhofer (1), Walz (5), Ende (n.e.), Aellen (n.e.), Meyer (1), Antonijevic (5), Seitz (5), Kurch, Büchner (3), Saul (n.e.), Leu (2)

Trainer: Sebastian Hinze

SC Magdeburg: Hernandez (25 Gegentore/11 Paraden), Mandic (n.e.); Musche (7/2), Claar (4), Zechl (n.e.), Kristjansson (4), Pettersson (3), Magnusson (7/1), Hornke (n.e.), Jonsson, Weber (n.e.), Lagergren (1), Mertens (n.e.), Saugstrup (2), O Sullivan (n.e.), Bergendahl (2)

Trainer: Bennet Wiegert

Zeitstrafen:

ThSV Eisenach 4 x 2 Min. – Leu (5./17.), Walz (28.), Kurch (31.)

SC Magdeburg: 2 x 2 Min. – Saugstrup (19.), Claar (38.)

Siebenmeter:

ThSV Eisenach 1/2 - Joelsson scheitert beim Stand von 19:22 an Hernandez (45.), Joelsson verwandelt 1 x gegen Hernandez

SC Magdeburg 3/5 - Magnusson scheitert beim Stand von 4:5 an Spikic (10.), Musche scheitert beim Stand von 23:28 an Spikic (56.), Magnusson verwandelt 1 x gegen Spikic, Musche verwandelt 2 x gegen Spikic

Schiedsrichter: Sascha Schmidt / Frederic Linker

Zuschauer: 2.850 (ausverkauft)

Spielfilm: 5:5 (11.), 8:6 (17.), 9:10 (20.), 12:12 (25.), 14:14 (30.) – 16:19 (38.), 19:20 (40.), 20:25 (49.). 23:29 (57.), 25:30 (59.)

Th. Levknecht

 

 

 

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