Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung

Vincent Büchner trägt nächste Saison das Trikot des THW Kiel/ Linksaußen wechselt von der Wartburg zur Kieler Förde

Vincent Büchner im Auswärtsspiel Bei Frisch Auf! Göppingen - Foto: Peter Gebhardt

Seit dem Sommer des Vorjahres trägt Vincent Büchner das Trikot des ThSV Eisenach in der DAIKIN-Handballbundesliga. Nach 13 langen Jahren bei der TSV Hannover-Burgdorf. Ab der Saison 2026/2027 spielt der 27-jährige Linksaußen, der an der PFH Göttingen BWL studiert, für Rekordmeister THW Kiel.

Ein überraschender Wechsel, für den er bei den ThSV-Fans um Verständnis warb: „Ihr habt mich seit Tag eins mit offen Armen empfangen und es mir leicht gemacht, in der Stadt anzukommen und mich hier wohlzufühlen. Meine Zeit in Eisenach war zwar etwas kürzer als gedacht, aber dafür umso lehrreicher und mit unglaublich viel Spaß verbunden. Meine Familie und ich haben die wunderschöne Natur, das familiäre Umfeld und die außergewöhnliche Atmosphäre in der Werner-Aßmann-Halle einfach nur genossen und jedes Mal aufs Neue Gänsehautmomente mit der Mannschaft und den Fans erleben und teilen können. In der kurzen Zeit habe ich nicht nur viele tolle Menschen kennen gelernt, sondern vor allem auch neue Freunde dazu gewonnen. Ich möchte mich bereits im Vorfeld bei allen für diesen unvergesslichen Lebensabschnitt bedanken, danke an die Mannschaft für das Vertrauen, welches ihr mir geschenkt habt und danke auch an die Verantwortlichen des Vereins, dass mein Kindheitstraum, einmal beim großen THW Kiel zu spielen, schon ab der nächsten Saison Realität wird. Ich bin mir sicher, dass Eisenach der Liga in den nächsten Jahren noch ganz viel Freude bereiten wird und wünsche dem ThSV weiterhin maximalen Erfolg. Jetzt ist jedoch noch nicht an den Abschied zu denken. Wir haben noch einige Spiele vor der Brust, in denen wir gemeinsam nochmal alles reinwerfen wollen!“
 

Wir sprachen mit Vincent Büchner:

Waren Sie überrascht, als die Anfrage aus Kiel kam?

Na klar, da war ich überrascht. Eine große Ehre für mich, dass ein solch großer Verein Interesse an mir zeigt.  Ein Traum, dessen Realisierung beim ersten Gespräch näher rückte.

Wer kontaktierte Sie?

Trainer Filip Jicha nahm mit mir Kontakt auf. Danach habe ich mit Geschäftsführer Viktor Szilagyi gesprochen.

Eigentlich stand der THW Kiel nicht in Ihrer Lebensplanung? Als kleiner Junge hegten Sie aber schon Sympathien für den THW Kiel…?

Jeder Handballer träumt davon, für solch einen großen Verein wie den THW Kiel zu spielen. Überhaupt ins Blickfeld eines solchen Vereins zu geraten, machte mich stolz. Da erinnerte ich mich sofort an meine Kindheit in Hildesheim. In unserem Garten in Hildesheim habe ich im Kieler Aron-Palmarsson-Trikot mit meinem Bruder Würfe nachgeahmt und auch kommentiert. Das hat uns riesig Spaß gemacht. Und jetzt stehe ich unmittelbar davor, selbst für den THW Kiel zu spielen und kann vielleicht andere Kinder und Jugendliche zum Nachahmen bewegen.

Sie waren erst im Sommer von der TSV Hannover-Burgdorf zum ThSV Eisenach gekommen, hatten noch Vertrag bis 2027, bei einer Anfrage aus Kiel überlegt man wahrscheinlich aber nicht lange?

Solch eine Anfrage bekommt man vielleicht nur ein Mal in seiner Karriere. Das erste Gespräch mit Filip Jicha war noch unverbindlich, das zweite mit Viktor Szilagyi schon konkreter und intensiver. Ich empfinde es auch als Bestätigung und Wertschätzung meiner Arbeit, meiner Leistung als Profi-Handballer. Ein schönes Gefühl, eine solche Aufmerksamkeit zu erfahren.

Die Modalitäten des Wechsels waren dann auch schnell geklärt?

Ich habe mich riesig gefreut und bin sehr dankbar, dass der ThSV Eisenach mir entgegengekommen ist. Wir haben von Anfang an offen und ehrlich miteinander kommuniziert. Rene Witte und Sebastian Hinze wussten, welch Riesenchance sich mir bietet, legten mir keine Steine in den Weg.

„Vincent entspricht unserem adaptierten Anforderungsprofil für diese Position. Er ist ein sehr konstanter klassischer Linksaußen. Wir hatten ihn mit seinen Qualitäten, seinem Wurfrepertoire und seinen cleveren Ballgewinnen in der Abwehr schon länger auf dem Radar“, erklärte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi. Das geht sicherlich runter wie Öl, verdeutlicht aber zugleich die hohe Erwartungshaltung an Sie, als Nachfolger von Magnus Landin…?

Ich hege auch eine große Erwartungshaltung an mich selbst. Ich kenne die Stärken von Magnus Landin, ich kenne meine Stärken. Ich möchte mich aber gar nicht mit Magnus Landin vergleichen, ich habe ein anderes Spielerprofil. Ich will mich in das System des THW Kiel so gut wie möglich integrieren, dessen Philosophie verinnerlichen, zum mannschaftlichen Erfolg beitragen.

Nationalspieler Rune Dahmke und Sie werden das Duo auf Linksaußen bilden. Sie haben bereits mit Filip Jicha über Ihre künftige Rolle gesprochen?

Wir befinden uns ja noch in der Saison 2025/2026. Mein Kapitel beim THW Kiel beginnt erst noch. Mit Filip Jicha habe ich schon einiges besprochen, wir haben uns ein wenig ausgetauscht, Genaueres dann alles in der Saisonvorbereitung. Ich freue mich auf Rune Dahmke, auch um von ihm und seinen Erfahrungen zu lernen.

Von der Handballprovinz Eisenach ins große nationale und internationale Handballgeschäft, in einem Ensemble von Weltklasse-Spielern, braucht man da nicht eine gehörige Portion Mut?

Mut gehört überall dazu. Mit der TSV Hannover-Burgdorf habe ich schon Erfahrungen im internationalen Geschäft gesammelt, mit Weltklasse-Spielern zusammengespielt. Nun brenne ich darauf, wieder international anzugreifen, mit dem THW Kiel nationale und internationale Erfolge zu feiern.

Von der Wartburg, vom Thüringer Wald, geht es im Sommer in den Norden, an die Ostsee, zur Kieler Förde. Statt Thüringer Handballtempel demnächst die große Arena in Kiel, statt Thüringer Bratwurst nun Fischbrötchen, sicherlich alles eine Umstellung?

Zunächst, ich bin Vegetarier, esse weder Bratwurst noch Fischbrötchen. Meine Familie hingegen liebt sowohl die Thüringer Bratwurst als auch das Fischbrötchen an der See. Wir fühlen uns in Eisenach, in unmittelbarer Nähe des Thüringer Waldes, sehr wohl, genießen es, mit unserem Hund immer neue Wanderwege zu erkunden und auf andere Gedanken zu kommen. Wir wissen aber auch die See zu schätzen. Wir sind uns sicher, uns auch in der Kieler Förde wohlzufühlen. Unser Hund liebt das Wasser genauso wie wir. Na klar, eine Umstellung wird es von der Gegend – und auch vom Essen.

Haben Sie schon für sich, Frau Mailin und Ihrem Golden Doodle Eddie Ausschau nach einer Wohnung in Kiel gehalten?

Wir haben schon Ausschau gehalten, sind aber noch nicht fündig geworden, da der Wohnungsmarkt in Kiel sehr schwierig zu sein scheint.

Noch tragen Sie einige Monate das Trikot des ThSV Eisenach. Was haben Sie da noch vor?

Richtig, derzeit trage ich das Trikot des ThSV Eisenach, eines echten Traditionsvereines. Mit der Mannschaft kämpfe ich nach wie vor jedes Spiel um Punkte. Der Klassenerhalt, unser aller großes Ziel, ist noch nicht sicher. Wir sind auf einem guten Weg. Vor der Saison hat uns das kaum einer zugetraut. Der ThSV Eisenach wurde als heißer Abstiegskandidat gehandelt. All jenen haben wir es gezeigt. Wir werden noch weitere Punkte holen. Wenn ich im Sommer gehe, blicke ich auf eine kurze, aber superschöne Zeit in Eisenach zurück. Ich werde die wahnsinnige Atmosphäre in der Werner-Aßmann-Halle sehr vermissen. In den letzten Spielen werde ich weiterhin alles reinhauen, um mit den Fans und der Mannschaft noch so viele Gänsehautmomente wie möglich zu erleben.

Im Mitteldeutschland-Derby beim SC DHfK Leipzig gelang mit einem 29:29 der erste Auswärtszähler, Ihre Mannschaft hat ein Polster von 8 Punkten Vorsprung auf die Nicht-Abstiegsplätze…?

Ein gewonnener Punkt in Leipzig. Im Spielverlauf mehrfach und auch in der Crunchtime lagen wir zurück, doch wir sind drangeblieben, haben die Nerven behalten, sind mental stark geblieben. Wir haben in der Abwehr gut verteidigt, dadurch den einen oder anderen Fehler im Angriff kompensiert. Zum Ende der ersten Halbzeit hätten wir den Ball auf das Tor bringen müssen, in der Schlussphase der zweiten Halbzeit vermochten wir Großchancen nicht zu nutzen. Diesbezüglich müssen wir noch an unserer Cleverness arbeiten, in Stressmomenten stabiler werden. Unter dem Strich steht ein Auswärtspunkt. Das zählt.

Am Ostersamstag gastieren Sie mit dem ThSV Eisenach beim THW Kiel. Die THW-Fans werden da ein besonderes Auge auf Vincent Büchner haben?

Das verstehe ich. Auch für mich wird es eine Partie aus einem anderen Blickwinkel. Ab dem Anpfiff werde ich alles reinwerfen, um mit unserem Team den großen THW Kiel zu ärgern, was uns im Heimspiel ja bestens gelungen war….

Vincent Büchner, vielen Dank für das ausführliche Gespräch.

Thomas Levknecht

 

 

Vincent Büchner trifft beim Heimsieg über den TVB Stuttgart - sportfotoseisenach
Vincent Büchner jubelt beim Punktgewinn über den THW Kiel - sportfotoseisenach
Blütendrehen wie beim Sommergewinn gibt es für Vincent Büchner in Kiel gewiss nicht - Foto: Th. Levknecht