In der Abwehr zu anfällig

Kapitän Peter Walz: „Unsere Abwehr glich einem Scheunentor“ - ThSV Eisenach bricht in der Schlussphase auseinander und unterliegt bei der HSG Wetzlar 27:33 (15:12) / Samstag Highlight zum Jahresabschluss: Derby gegen den Champions-League-Sieger SC Magdeburg in der Aßmann-Halle

Fantastisch, die mitgereisten ThSV-Fans! . sportfotoseisenach

Auch vom 9. Auswärtsspiel kehrte der ThSV Eisenach mit einer Niederlage zurück. Im hessisch-thüringischen Nachbarschaftsderby unterlagen die Wartburgstädter bei der HSG Wetzlar nach einer 15:12-Halbzeitführung am Ende mit 27:33. Nahezu 400 mitgereiste Fans hatten das Team lautstark angefeuert, zogen letztendlich enttäuscht von dannen. „Wir möchten uns ausdrücklich für diese fantastische Unterstützung bedanken. Leider wurden unsere Fans  nicht belohnt“, betonte Eisenachs Geschäftsführer Rene Witte.

„Im Laufe der zweiten Halbzeit zerfallen wir in unsere Einzelteile. Unsere Abwehr glich gefühlt einem Scheunentor. Alles, was uns bisher so stark gemacht hat, war nicht mehr da. Schwer zu sagen, woran das gelegen hat“, konstatierte ThSV-Kapitän Peter Walz nach dem Abpfiff. Runar Sigtryggsson, vor 20 Jahren Spieler und Spielertrainer beim ThSV Eisenach, feierte einen gelungenes Heimdebüt als Coach der HSG Wetzlar. Mit Rückraumspieler Dominik Mappes stand der überragende Spieler des Abends in seinen Reihen. Kurz vor seinem 31. Geburtstag brillierte dieser als torgefährlicher Angriffsregisseur, stempelte Eisenachs sonst so kompakte Abwehr zu Statisten, markierte 13 Treffer. Anadin Suljakovic, Torhüter der HSG Wetzlar, wurde ein Faktor der Mittelhessen. Der in der 54. Minuten ins Gehäuse der HSG Wetzlar eingewechselte 37-jährige Karim Hendway ließ nur noch einen Gegentreffer zu. Die Besetzung des Deckungsinnenblockes erwies sich als Volltreffer. „Ich möchte  Löwen und Simic ein großes Lob für ihre Abwehrarbeit aussprechen. Auch Jona Schoch war im zweiten Durchgang in der Deckung sehr wichtig“, vermerkte Runar Sigtryggsson, vor zwei Wochen das Amt des Trainers der HSG Wetzlar übernehmend, Eine Niederlageserie der Hessen fand ein Ende. Mit 7 Zählern rangieren sie weiterhin auf dem ersten Abstiegsplatz. Der ThSV Eisenach belegt mit 13 Pluspunkten den 13. Tabellenplatz, empfängt als absolutes Highlight zum Jahresende am Samstag, 27.12.2025 um 18.00 Uhr den SC Magdeburg (auch live in der ARD!)

ThSV-Coach Sebastian Hinze: Wir waren wir nicht gut genug für Punkte.“

Enttäuscht zeigte sich Eisenachs Coach Sebastian Hinze auf der Pressekonferenz: „In der ersten Halbzeit haben wir geduldig und erfolgreich gespielt, unseren Rückzug gut organisiert. In der zweiten Halbzeit läuft viel gegen uns. Wir lassen Bälle liegen, stehen in Unterzahl auf dem Parkett, haben personelle Probleme. Wir haben es nicht geschafft, eine Helferkette aufzustellen. Das war nicht das Rezept des ThSV Eisenach. Ich bin erstmals enttäuscht. Enttäuscht insbesondere von den letzten 20 Minuten. Damit bin ich nicht einverstanden. Das war ein letzter Warnschuss, Dinge allein zu lösen, das wird nicht funktionieren. Wetzlar hat im zweiten Abschnitt sein Tempospiel aufgezogen, insbesondere zwei Spieler trafen kluge Entscheidungen. Wir kassierten in den letzten Minuten viel zu viele Tore. Unsere Leistung in den letzten 20 Minuten war nicht gut genug für Punkte.“ Er fügte aber hinzu: „Unsere Mannschaft schöpft viel Energie über die Abwehr, das haben wir nicht geschafft, andere Mannschaftsteile sind weggebrochen.“ Sebastian Hinze betonte zugleich, dass der Kampf um den Klassenerhalt einer harter wird. „Wir befinden uns in einer guten Ausgangsposition, wissen aber auch welches Niveau in der Bundesliga erforderlich ist, um Punkte zu holen. Dafür müssen wir stets ans Limit gehen.“

Silvio Heinevetter nach Kopftreffer: Mit fehlen Sekunden

Schmerzhaft der Abend für Eisenachs Torhüter Silvo Heinevetter. In der 25. Minute eingewechselt, parierte er den Siebenmeter von Josip Simic. Kurz darauf steuerte Wetzlars David Akakpo per Gegenstoß das Eisenacher Gehäuse an, hämmerte das Leder auf den Kopf des ehemaligen Auswahltorhüters, der benommen zu Boden ging.  Die Partie war länger unterbrochen. Mit einem herbeigerufenen Arzt verschwand er in den Katakomben. „Ich habe schon vieles erlebt, so einen Kopftreffer noch nicht. Mir fehlen Sekunden. Ich wei0 nicht, was passiert ist“, erklärte der Routinier nach dem Spiel. An einen Einsatz in der zweiten Halbzeit war nicht zu denken. Völlig untypisch für ihn, kauerte er während der zweiten 30 Minuten auf der Wechselbank des ThSV Eisenach.

Felix Aellen verletzt, Rot für Vukasin Antonijevic

Der ThSV Eisenach musste ab der 26. Minute auf seinen Spielgestalter Felix Aellen verzichten, der verletzt vom Parkett gehumpelt war. In der 39. Minute sah Vukasin Antonijevic, wenige Minuten nachdem er zum 16:18 getroffen hatte (38.), nach Foulspiel an Dominik Mappes die rote Karte (39.). Personelle Alternativen waren rar, stand Linkshänder Max Beneke schon vor der Partie auf der Verletztenliste. Langzeitverletzt sind Jannis Schneibel und Aleksandar Capric. Die personelle Situation wollte Sebastian Hinze aber nicht als Entschuldigung gelten lassen.

Diszipliniert im Angriff, stabil in der Deckung

Schon lange vor dem Anpfiff schallten die „Ei! Ei! Eisenach!“– Rufe durch die erstaunlicherweise nicht ausverkaufte Buderus Arena. In der Besetzung mit Vincent Büchner auf Links- und Moritz Ende auf Rechtsaußen, Oskar Joelsson, Felix Aellen und Stephan Seitz im Rückraum, Tillman Leu am Kreis und Matija Spikic im Tor, Philipp Meyer für Abwehraufgaben kommend, starteten die Eisenacher couragiert, zogen ihre Angriffsaktionen diszipliniert auf. Mit Einläufern (Büchner) versuchten die Eisenacher die Abwehr der Gastgeber zu irritieren. Der Ex-Eisenacher Filip Vistorop traf für die HSG Wetzlar zum 5:4 (11.), stand im zweiten Abschnitt kaum auf dem Parkett. Philipp Ahouansou besetzte den linken Rückraum, Dominik Mappes die mittlere Aufbauposition, Stefan Cavor den rechten Rückraum. ThSV-Keeper Matija Spikic war mehrfach zur Stelle, aber auch sein Kollege auf der Gegenseite parierte oft. Nach Regelwidrigkeit an Oskar Joelsson verwandelte Felix Aellen den fälligen Siebenmeter zum 7:8 (17.). Wetzlar profitierte von den individuellen Qualitäten von Dominik Mappes. Eisenachs Moritz Ende traf von Rechtsaußen  zum 9:10 (19.). Die Eisenacher variierten ihre Deckungsarbeit. Peter Walz kam für die Kreisposition, Fynn Hangstein im Rückraum. Peter Walz scheiterte frei an Keeper Anadin Suljakovic (21.). Wetzlar unterlief ein technischer Fehler, Fynn Hangstein netzte zum 10:11 ein (23.). Der eingewechselte Silvio Heinevetter blieb im Siebenmeterduell Sieger (25.). Vincent Büchner traf zum 11:12 (26.). Der folgenschwere Konter der HSG Wetzlar mit dem Kopftreffer sorgte für eine ruhige Halle. Silvio Heinevetter musste länger behandelt werden, kehrte nicht wieder auf das Parkett zurück. Seine Mitspieler steckten den Schock weg. Fynn Hangstein überlistete leichtfüßig die gegnerische Abwehr zum 11:13 (28.). Wetzlar traf nur das Holt. Oskar Joelsson zirkelte das Leder zum 11:14 in den Kasten der HSG Wetzlar (29.). Stephan Seitz besorgte mit seinem Treffer den 12:15-Pausenstand

Matchwinner Dominik Mappes

Die zweite Halbzeit begann mit einer Parade von Keeper Anadin Suljakovic. Doch Stephan Seitz traf kurz darauf zum 12:16 (33.). Die Partie wurde mehr und mehr zum Duell Dominik Mappes gegen den ThSV Eisenach. Der Rückraum der Gastgeber übernahm nach und nach die Kontrolle. Beim ThSV Eisenach häuften sich technische Fehler. Die Hallenanzeige sorgte kurzzeitig auch für Verwirrung. Stefan Cavor wuchtete zum 18:18-Ausgleich ein (40.). Oskar Joelsson scheiterte. ThSV-Keeper Matija Spikic parierte einen Simic-Siebenmeter. Jona Schoch traf dann doch zur 19:18-Führung der HSG Wetzlar (42.). Philipp Meyer egalisierte mit seiner Spezialität, einem Wurf aus der eigenen Hälfte ins leere Tor. Es blieb spannend. Der ThSV Eisenach vermochte die Dominik-Mappes-Show nicht zu stoppen. Philipp Ahouansou traf nun auch in Serie. Eisenachs Defensive verlor zunehmend die Bezeichnung Abwehr. Auch eine offensive Formation nicht. Nahezu sämtlicher Zusammenhalt ging verloren. Beim 24:24 leuchtete letztmalig ein Gleichstand auf der Anzeigetafel (50.). Die Hessentrafen zum 26:24 (52.), gaben die Führung nicht wieder her. Doch es blieb knapp und spannend. Die Eisenacher Abwehr glich immer mehr einem Torso, brach nach dem 27:26 (54.) völlig auseinander. Wie ein Orkan zog die HSG Wetzlar über den ThSV Eisenach hinweg. Doch einen Jocker hatten die Hausherren noch. In der 54. Minute rückte beim Stand von 27:26 Karim Hendawy für  Anadin Suljakovic zwischen die Pfosten. Und der Ägypter entnervte die Eisenacher vollends.  Der 37-Jährige entschärfte die Würfe von Peter Walz, Stephan Seitz sowie Vincent Büchner und ließ in der Schlussphase nur noch einen Gegentreffer zu. Mit dieser Unterstützung im Rücken gelang seinen Vorderleuten die Entscheidung im Schnelldurchgang. Als David Akakpo zweieinhalb Minuten vor Schluss zum 31:26 traf, war klar, dass die bittere Niederlagenserie für die HSG Wetzlar ein Ende haben würde. Der Rest war großer Jubel und große Erleichterung im Lager der HSG Wetzlar. Tiefe Enttäuschung machte sich im Lager des ThSV Eisenach breit.     

Lasst Zahlen sprechen

Die Wurfquote der HSG Wetzlar lag bei 72 Prozent, die des ThSV Eisenach bei 61 Prozent. Die Hessen liefen 79 Prozent erfolgreicher Angriffe, erzielten hierbei 33 Treffer aus 42 Angriffen. Der ThSV Eisenach benötigte 40 Angriffe für seine 27 Treffer, was einer Quote von 68 Prozent entsprach. Die Torhüter der HSG Wetzlar wurden mit einer Fangquote von 33 Prozent notiert, die des ThSV Eisenach mit 21 Prozent. Den Hessen unterliefen 6, den Thüringern 10 technische Fehler.

Stimmen zum Spiel   

Sebastian Hinze (Trainer des ThSV Eisenach)

„Aufgrund der zweiten Halbzeit ein verdienter Sieg der HSG Wetzlar. In der ersten Halbzeit haben wir geduldig und erfolgreich gespielt, unseren Rückzug gut organisiert. In der zweiten Halbzeit läuft viel gegen uns. Wir lassen Bälle liegen, stehen in Unterzahl auf dem Parkett, haben personelle Probleme. Wir haben es nicht geschafft, eine Helferkette aufzustellen. Das war nicht das Rezept des ThSV Eisenach. Ich bin erstmals enttäuscht, enttäuscht von den letzten 20 Minuten. Damit bin ich nicht einverstanden. Das war ein letzter Warnschuss, Dinge allein zu lösen, das wird nicht funktionieren. Wetzlar hat im zweiten Abschnitt sein Tempospiel aufgezogen, insbesondere zwei Spieler trafen kluge Entscheidungen. Wir kassierten in den letzten Minuten viel zu viele Tore. Unsere Leistung in den letzten 20 Minuten war nicht gut genug für Punkte. Kurz nach dem Spiel bin ich sauer, aber wir werden weiterarbeiten.“

Rúnar Sigtryggsson (Trainer der HSG Wetzlar)

„Im ersten Durchgang war es lange ein Duell auf Augenhöhe, ehe es Eisenach geschafft hatte, uns von unserer Linie abzubringen. Ich habe in der Halbzeit versucht, das zu korrigieren. Aber ich bin ehrlich: Ich hatte nicht geahnt, dass das Spiel mit einem so deutlichen Sieg enden würde, weil ich schon fand, dass unser Gegner den Schlüssel zum Spiel gefunden hatte. Dank unserer guten Torhüterleistung kamen wir zurück in die Partie. Ahouansou und Mappes waren sehr effektiv vorne, aber ich möchte vor allem Löwen und Simic ein großes Lob für ihre Abwehrarbeit aussprechen. Auch Jona Schoch war im zweiten Durchgang in der Deckung sehr wichtig. So haben wir die Partie gedreht, worüber ich natürlich sehr glücklich bin.“ 

Moritz Ende (Rechtsaußen des ThSV Eisenach):

„Bei uns hat nicht jeder seinen Job gut gemacht. In den letzten 20 Minuten war jeder bei sich allein. Wir lassen die Stärken von Wetzlar zu, haben den Hessen freie Würfe ermöglicht. In der ersten Halbzeit lief es gut, im zweiten Abschnitt verlieren wir uns in der Abwehr, sind ohne Körpersprache. Wir haben das Spiel in der Abwehr verloren. Wir hatten uns für den Rückrundenstart viel vorgenommen, doch dann das. Besonders schade für unsere Fans, die uns in so großer Anzahl in Wetzlar lautstark unterstützt haben.“

Peter Walz (Kapitän und Kreisspieler des ThSV Eisenach):

„Die erste Halbzeit war in Ordnung. Wir spielen im Angriff geduldig, unser Torwart ist auch da. Im Laufe der zweiten Halbzeit zerfallen wir in unsere Einzelteile. Unsere Abwehr glich gefühlt einem Scheunentor. Alles, was uns bisher so stark gemacht hat, war nicht mehr da. Schwer zu sagen, woran das gelegen hat.“

Philipp Meyer (Abwehrchef des ThSV Eisenach):

„Das war im zweiten Abschnitt deutlich zu wenig. Von allen, die auf dem Parkett standen. Dennoch war die Partie noch lange offen, lagen wir selbst in der 54. Minute nur mit einem Treffer hinten, lassen uns regelrecht überlaufen. Die HSG Wetzlar wird von Dominik Mappes und Philipp Ahouansou getragen, reißt das Spiel an sich. Wir stehen nicht eng genug. Wetzlar trifft nahezu nach Belieben. Das war sehr bitter für unsere Fans, die uns so fantastisch unterstützt und es nicht verdient haben, dass wir uns so präsentieren.!

Statistik

HSG Wetzlar: Suljakovic (10 Paraden), Hendawy (ab 54./3 Paraden) – Grahovac, Vistorop (2), Mappes (13/3), Simic (3/2), Ahouansou (9), Akakpo (1), Schoch (1), Weimer, Müller, Löwen (1), Zacharias, Cavor (3), Nafea


ThSV Eisenach: Spikic (7 Paraden), Heinevetter (25. bis 27./2 Paraden) – Joelsson (7/2), Reichmuth, Hangstein (3), Attenhofer, Walz (1), Ende (3), Aellen (2/1), Meyer (1), Antonijevic (1), Seitz (2), Kurch (1), Büchner (4), Saul, Leu (2) 

Zeitstrafen:

HSG Wetzlar 5 x 2 Min. – ThSV Eisenach 3 x 2 Min., Disqualifikation Antonijevic (39.)

Siebenmeter:

HSG Wetzlar    5/7 – ThSV Eisenach 3/3

Schiedsrichter: Kauth/Kolb

Zuschauer: 4.172

Th. Levknecht

                   
 

 

Vukasin Antonijevic trifft und sieht wenig später nach Foulspiel Rot - sportfotoseisenach
rechts: Silvio Heinevetter wird von Physiotherapeut Martin Münzberg behandelt. In Sorge, Fynn Hangstein. links: Schiris verhängen eine Zeitstrafe gegen David Akakpo - sportfotoseisenach
Oskar Joelsson am Ball - sportfotoseisenach
Matija Spikic im Siebenmeterduell - sportfotoseisenach
Stephan Seitz beim Dreher in Wetzlar - sportfotoseisenach
Unser Coach voll fokussiert in Wetzlar - sportfotoseisenach
Unser Team dankt den mitgereisten Fans nach dem Abpfiff - sportfotoseisenach