Klare Pokalniederlage in der Hauptstadt

Nach einer knappen Viertelstunde war schon alles entschieden. ThSV Eisenach im Achtelfinale des DHB-Pokals chancenlos, unterliegt 22:38 (12:22) bei den Füchsen Berlin / Samstag soll in Erlangen um Punkte das wahre Gesicht gezeigt werden

Oskar Joelsson beim Torwurf am Donnerstagabend (Fotos: Füchse)

Einen packenden Pokalfight hatten im Vorfeld nur wenige erwartet. Die Rollenverteilung zwischen dem amtierenden deutschen Meister Füchse Berlin und dem ThSV Eisenach war im Vorfeld eindeutig, doch mit mehr Gegenwehr der Wartburgstädter war schon gerechnet worden. Derer halbherziger Auftritt verwunderte schon. Das Achtelfinale im DHB-Pokal zwischen dem ThSV Eisenach und den Füchsen Berlin wurde von Beginn eine klare Sache für den Hauptstadtklub, der mit einem 38:22 (22:12) locker in das Pokal-Viertelfinale einzog, dann in heimischer Max-Schmeling-Halle den THW Kiel empfängt.  Dass ihm mit Nils Lichtlein und Fabian Wiede zwei wichtige Stammkräfte verletzungsbedingt fehlten, spielte keine Rolle. Der ThSV Eisenach musste aufgrund einer Ellenbogenverletzung kurzfristig auf seinen rechten Rückraumspieler Max Beneke verzichten.

„Wir waren chancenlos. Wir hatten riesige Probleme im Abschluss, lagen schnell 2:10 hinten. In der zweiten Halbzeit sind wir nicht wieder ins Spiel gekommen. Auffallend, uns sonst auszeichnende Dinge haben wir nicht auf die Platte bekommen. Wir wussten im Vorfeld, wir haben nur eine ganz kleine Chance, doch wir sind überlaufen worden. Erhoffte Steals gelangen nicht. Unser Matchplan, defensiv und offensiv, wurde nicht umgesetzt. Mit einer Wurfquote von 44 Prozent ist den Berlinern nicht beizukommen“, konstatierte Sebastian Hinze, der Coach des ThSV Eisenach. Nach 12 Minuten war die Partie bereits entschieden, Tim Freihöfer hatte von Linksaußen zum 10:2 eingenetzt. Beim 19:9 (24.), der vor Tatendrang strotzende Welthandballer Mathias Gidsel hatte die ThSV-Abwehr genarrt, betrug der Vorsprung bereits 10 Tore. Zu Beginn der Schlussviertelstunde, beim Stand von 29:16, schickten die Gastgeber ihre „Jungfüchse“ auf das Parkett. Die 19- und 20-Jährigen schraubten die Trefferausbeute ihres Teams noch in die Höhe. Die Schluss-Sirene erlöste die Gäste von der Wartburg. Für die Füchse Berlin wurde eine Wurfquote von 79 Prozent vermerkt. Deren Keeper Dejan Milosavljev parierte 19 Bälle, was einer Fangquote von 45 Prozent entsprach! Eisenachs Offensive machte es ihm vielfach mit unplatzierten Würfen auch leicht. Für das Eisenacher Torwartduo Silvio Heinevetter und Matija Spikic weist die Statistik zusammen 6 abgewehrte Bälle auf (Fangquote von 14 Prozent). Matija Spikic parierte zwei Siebenmeter von Tim Freihöfer. „Wir wussten, dass wir kaum eine Chance bei einer der besten Mannschaften Europas haben, die ganz schnellen Handball zelebriert. Dennoch darf sich eine Eisenacher Mannschaft auswärts nicht so präsentieren. Wir haben 48 Stunden später die Gelegenheit, unser anderes, unser besseres Gesicht zu zeigen, beim Ligaspiel in Nürnberg. Wir konzentrieren uns nun auf die Punktspiele“, erklärte Eisenachs Geschäftsführer Rene Witte.

Geharnischte Selbstkritik

Klare Worte fand ThSV-Kapitän Peter Walz: „Das war das schlechteste Spiel, seitdem ich in Eisenach bin.“ Ähnlich sah es auch Fynn Hangstein, nach dem Seitenwechsel nahezu durchgängig auf dem Parkett, 4 Treffer aus 5 Versuchen erzielend. „Wir kommen nicht in die Abwehr, geraten schnell deutlich in Rückstand. Jeder machte Fehler, jeder mindestens ein bis zwei zu viel“, befand der Rückraumspieler. Von „Blauäugigkeit in der Abwehr“, sprach Eisenachs Rechtsaußen Moritz Ende, einst selbst bei den Füchsen Berlin aktiv. „Wir sind schnell in eine Negativspirale gekommen, waren nicht ausreichend fokussiert. Die notwendige Bereitschaft fehlte generell. Wir haben viele freie Bälle weggelassen. Jeder hatte Anteil an der hohen Fehlerquote“, bilanzierte Moritz Ende. „Im Pokal kommt man weiter oder fliegt raus. Das Torverhältnis spielt keine Rolle. Nicht egal ist es, wie es zu dieser Niederlage in Berlin gekommen ist“, sprach Sebastian Hinze ins Mikrofon von mdr-Reporter Christian Müller, der extra mit einem Team aus Thüringen angereist war, weil der rbb kein Interesse an dieser Partie hatte. In der Millionenstadt Berlin wollten auch nur knapp 3.800 Zuschauer das Spiel live vor Ort verfolgen.

Samstag um Punkte im Fränkischen

Von „Niederlage abschütteln“, „schnelles Aufarbeiten und volle Konzentration auf den Samstagabend“, „zwei Punkte auf der Habenseite verbuchen“ und „ganz anderes Gesicht zeigen“ war die Rede im Eisenacher Lager mit Blick auf das anstehende Punktspiel.  Der ThSV Eisenach übernachtete nach der Pokalpartie in Berlin und reiste tags darauf direkt ins Fränkische. Die Wartburgstädter gastieren am Samstag, 08.11.2025 im Aufeinandertreffen von zwei punktgleichen Teams beim HC Erlangen. Beide haben auf den Plätzen 11 und 12 jeweils 8:12 Punkte. Anwurf ist um 20.00 Uhr in der Arena Nürnberg. Vermutlich wird der ThSV Eisenach neben Gian Attenhofer auch erneut auf Max Beneke verletzungsbedingt verzichten müssen.

In den Reihen des HC Erlangen stehen mit dem Rückraum-Rechten Viggo Kristjansson und Regisseur Andri Runarsson, Sohn des einstigen Eisenacher Spielers und Trainers Runar Sigtryggsson, zwei Spieler, die in der Vorsaison noch für den SC DHfK Leipzig aufgelaufen sind. Der zum Jahreswechsel 2024/2025 verpflichtete torgefährliche Viggo Kristjansson hatten erheblichen Anteil am Klassenerhalt der Franken. Der Rückraum-Linke Marek Nissen ist mit 55 Trefffern in 10 Spielen der erfolgreichste Werfer. Nach wie vor besonders wertvoll, 2,07-Meter-Mann Antonio Metzner.

Zum Spielverlauf des Pokalspieles in Berlin

Vor Spielfreude strotzend legten leichtfüßige Füchse einen 6:0-Start hin (6.). Tobias Gröndahl, Lasse Andersson und Matthias Gidsel im Rücktraum, Mijajlo Marsenic am Kreis, rissen sofort die Zügel der Partie an sich. Der ThSV Eisenach, mit Oskar Joelsson, Felix Aellen, Stephan Seitz im Rückraum, Timothy Reichmuth auf Links- und Moritz Ende auf Rechtsaußen, Tillman Leu am Kreis und Silvio Heinevetter im Tor beginnend, scheiterte gleich an Füchse-Schlussmann Dejan Milosavljev. Als Einläufer (!) markierte Mathias Gidsel das 9:2 (10.). Eine Eisenacher Auszeit einschließlich personeller Veränderungen, Peter Walz kam an den Kreis, Alexander Saul im rechten Rückraum, änderte nichts. Zu flink, auf den Füßen und gedanklich, die Füchse gegen behäbig wirkende Eisenacher. Die Hausherren boten an einem Donnerstag ihren Fans kreativem Handball mit sehenswerten Rückhandanspielen. Mit dem 15. Füchse-Wurf traf Lasse Andersson vom Rechtsaußen zum 15:6 (18.). Stephan Seitz vermochte sich hin und wieder durchzusetzen und erfolgreich abzuschließen. (17./19.). Felix Aellen wurde zumeist frühzeitig gestoppt. Silvio Heinevetter im ThSV-Kasten bekam keinen Ball zu greifen, hatte schon nach 12 Minuten seinen Platz geräumt. Vukasin Antonijevic, im linken Rückraum gekommen, und Linksaußen Timothy Reichmuth trafen per Gegenstöße (jeweils 27. Minute). Im Nachsetzen drückte Timothy Reichmuth den Ball über die Linie. Philipp Meyer scheiterte frei an Füchse-Schlussmann Dejan Milosavljev. Für Felix Aellen standen bis zur Pause 2 Treffer aus 7 Versuchen in der HBL-Statistik.

Ungebremst und weiter mit ihrer elanvollen Stammformation kehrten die Gastgeber aus der Halbzeitpause zurück. Fynn Hangstein, Felix Aellen und Stephan Seitz besetzten den Eisenacher Rückraum. ThSV-Keeper Matija Spikic parierte zwei Siebenmeter von Tim Freihöfer (35./37.), doch das blieb letztendlich nur eine Randnotiz. Justin Kurch und Philipp Meyer bildeten den Deckungs-Innenblock. Fynn Hangstein gelang es, den einen oder anderen Farbtupfer zu setzen. Philipp Meyer servierte auch in der Max- Schmeling-Halle seine Spezialität, Treffer aus der eigenen Hälfte in den leeren Kasten des Kontrahenten. Auch das freilich nur eine Randnotiz. Füchse-Coach Nicolej Krickau schickte dann mit Gabriel Kofler, Tim Schröder, Max Günther und Lauro Pichiri gleich vier Youngster aus der Akademie auf das Parkett, die die Chance nutzten, sich zu präsentieren, sich an der Trefferausbeute zu beteiligen. Sehr zur Freude von Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. Der 19-jährige Tim Schröder versenkte vom Kreis zum 35:18 (56.). Der 19. Eisenacher Treffer ging auf das Konto von Alexander Saul (35:19/56.). Moritz Ende und Fynn Hangstein betrieben nach dem 37:19 (59.) etwas Ergebniskosmetik.

Statistik Füchse Berlin – ThSV Eisenach 38:22 (22:12)

Füchse Berlin: Ludwig, Milosavljev; Darj (1), Andersson (4), Arino, Gröndahl (6), Gidsel (6), Freihöfer (4/2), Pichiri (3/1), Langhoff (3), av Teigum (4), Günther, Kofler (2), Schröder (2), Marsenic (3)

ThSV Eisenach: Heinevetter, Spikic; Joelsson (5/3), Reichmuth (2), Hangstein (4), Walz, Ende (1), Aellen (2), Meyer (1), Antonijevic (2), Seitz (4), Kurch, Büchner, Saul (1), Leu

Siebenmeter: Füchse 3/5 – ThSV Eisenach 3/4

Zeitstrafen: Füchse 2 x 2 Min. – ThSV Eisenach 4 x 2 Min., Rot Meyer 3. ZS, 58.

Schiedsrichter: vom Dorff/ vom Dorff

Zuschauer: 3.796

Th. Levknecht

 

Auslosung DHB-Pokal- Viertelfinale (17./18.12.25)

Füchse Berlin - THW Kiel
SC Magdeburg - SG Flensburg-Handewitt
Bergischer HC - MT Melsungen
SC DHfK Leipzig - TBV Lemgo Lippe

Th. Levknecht

 

 

Felix Aellen gestoppt
Timothy Reichmuth trifft per Gegenstoß
Nachdenklich, unser Coach Sebastian Hinze
Vukasin Antonijevic steuert den Füchse-Kasten an
Tillman Leu kommt frei zum Wurf, doch dieser wird eine Beute vom Füchse-Keeper Dejan Milosvaljev