Nach 26:29-Rückstand zum 29:29-Remis

Unser Team gelingt beim Mitteldeutschland-Derby in Leipzig der erste Auswärtszähler/ Komfortabler Vorsprung auf die Abstiegsplätze - aber nicht leichtsinnig werden, stattdessen demütig bleiben/ 500 blau-weiße Fans als emotionaler Rückhalt in der Arena Leipzig

Matija Spikic, hier im Siebenmeterduell, parierte in der 60. Minute den Ball von Nationalspieler Franz Semper - sportfotoseisenach

Im Derby der erste Auswärtszähler der Saison

ThSV Eisenach trifft nach 26:29-Rückstand noch zum 29:29 beim SC DHfK Leipzig/ 500 blau-weiße Fans als emotionaler Rückhalt

Eine Serie hatte Bestand, eine Serie endete. Seit März 2016 hat der ThSV Eisenach kein Pflichtspiel gegen den SC DHfK Leipzig verloren. Die Serie von 12 punktlosen Auswärtsspielen in der aktuellen Saison endete für die Wartburgstädter. Mit einem 29:29 (Halbzeit 15:13 für den SC DHfK Leipzig) im Mitteldeutschland-Derby vor knapp 6.000 Zuschauern in der QUARTERBACK Immobilen ARENA verbuchten die Thüringer ihren ersten Auswärtszähler, sammelten den 18. Pluspunkt der Saison ein und setzte ihre Serie gegen die Sachsen fort. Sie wahrten mit dem Punktgewinn den  Vorsprung von 8 Zählern auf die Leipziger. Die nahezu 500 blau-weißen Fans von der Wartburg feierten ihr Team nach dem Abpfiff. „Deren emotionaler Rückhalt war enorm wichtig“, betonte ThSV-Coach Sebastian Hinze. Seine Schützlinge tauchten nach Spielende in ihre Fanschar ein. „Gemeinsam sind wir stark“, eine der Losungen des ThSV Eisenach.

„Das Spiel bot alles, was ein Derby ausmacht. Beide Mannschaften haben mit großem Einsatz bis zur letzten Sekunde gekämpft. Das Pendel hätte nach beiden Seiten ausschlagen können. Überragend, wie wir den 3-Tore-Rückstand in der Schlussphase noch ausgeglichen haben. Am Ende nahmen wir verdient einen Punkt mit nach Thüringen. Blicken wir auf die nackten Zahlen: Auf die HSG Wetzlar haben wir einen Punkt gut gemacht, der 8-Punkte-Vorsprung auf den SC DHfK Leipzig ist geblieben. Ich wünsche, dass Leipzig den Klassenerhalt schafft, es dieses Mitteldeutschland-Derby auch nächste Saison gibt“, erklärte ThSV-Geschäftsführer Rene Witte und dankte für die fantastische Unterstützung der mitgereisten Fans. In Deutschlands Top-Schiedsrichter Robert Schulze und Tobias Tönnies hatte das Derby zwei vorzügliche Leiter.

Matija Spikic pariert den letzten Wurf von Nationalspieler Franz Semper

Drei Minuten vor dem Ende schienen die Leipziger dem ersehnten Doppelpunktgewinn ganz nahe. Ihr überragender Linkshänder Fanz Semper, dessen ligaunabhängige Vertragsverlängerung vor dem Anpfiff verkündet wurde, hatte mit seinem 8. Treffer zum 27:26 eingenetzt (56.). Die Eisenacher leisteten sich zwei Ballverluste, die der im November verpflichtete Dean Bombac und Blaer Hinriksson mit Würfen zum 29:26 (57.) ins verwaiste ThSV-Gehäuse bestraften. Die grün-weißen Fans waren in Siegesstimmung. „Wir behielten die Nerven, sind mental stark geblieben“, konstatierte Eisenachs Linksaußen Vincent Büchner. Jetzt patzten die Leipziger unter dem Druck der Eisenacher Abwehr, kassierten zudem eine Zeitstrafe (Moritz Preuss). Vincent Büchner netzte zum 27. Eisenacher Treffer ein. Die Eisenacher eroberten das Leder, Stephan Seitz, der Ex-Leipziger, verwertete den Steilpass von Felix Aellen per Gegenstoß zum 29:28 (58.). Erneut eroberten die Wartburgstädter das Leder, doch der Versuch von Stephan Seitz, den Ball ins leere Leipziger Tor zu zirkeln, misslang, er landete am Holz (59.). Die Gastgeber zeigten Nerven, die ThSV-Abwehr ließ sich nicht überlisten, schaltete nach Ballbesitz sofort auf Angriff um.  Dominik Solak passte das Leder zu Vincent Büchner, der mühelos zum 29:29 ins verwaiste Leipziger Gehäuse vollendete (59.). Da waren noch 75 Sekunden zu absolvieren. Ganz viel Zeit im aktuellen Handball. Beim folgenden Wurf von Leipzigs Nationalspieler Franz Semper tauchte ThSV-Keeper Matija Spikic in die bedrohte Ecke ab, parierte das Leder.  Dominik Solak musste verletzt raus. Sebastian Hinze rief 23 Sekunden vor der Sirene zur Auszeit. „Nur kein Ballverlust“, so die klare Ansage. Ein zielführender Angriffszug gelang nicht, stattdessen ein technischer Fehler. Doch die Uhr war heruntergelaufen. Der erste Auswärtspunkt der Saison 2025/2026 war perfekt.

„Beeindruckend, wie wir nach Rückständen zurückgekommen sind, uns wieder ran gearbeitet und verdient einen Punkt mitgenommen haben. Schade, dass unser torgefährlicher linker Rückraumspieler Dominik Solak nach einem Kopftreffer raus musste. Er musste im gesamten Spiel viel einstecken“, erklärte Eisenachs Sportlicher Leiter Maik Nowak. „Wir standen die letzten drei Minuten hinten kompakt, schlossen selbst konsequent ab“, strahlte Kreisspieler Tillman Leu, der bei seinen 4-Treffern, wie Kreisläufer-Kollege Peter Walz bei dessen 3 Treffern, eine 100-Prozent-Wurfquote erreichte.

Zunächst knirscht es im ThSV-Motor

„Wir haben einige Zeit gebraucht, um ins Spiel zu kommen. Überragend im ersten Abschnitt, Leipzigs Franz Semper. Wir kassierten Gegentore aus zentralen Positionen. Ab der 20. Minute prägten zwei aufopferungsvoll kämpfende Abwehrreihen die Partie“, konstatierte Sebastian Hinze, der auf den verletzten Oskar Joelsson verzichten musste. Auf Dominik Solak lag die Hauptlast im linken Rückraum. Nationalspieler Franz Semper traf für die Gastgeber zunächst nach Belieben. Peter Walz, sich mit Tillman Leu am Eisenacher Kreis abwechselnd, traf vom Kreis zum 7:7 (13.) und 8:8 (14.).  Franz Semper bekamen die Eisenacher nicht in den Griff. Mit seinem 6. Tor netzte er zum 13:9 ein (19.). Die Grün-Weißen auf Parkett und Rängen waren happy. Beim ThSV Eisenach zog Dominik Solak an den Ketten. Nach einer Freiwurfablage schmetterte er das Leder zum 10. Eisenacher ins Netz. Sebastian Hinze besetzte den Innenblock nun mit Philipp Meyer und Tillman Leu. Im Angriff wurde auf ruhigen und besonnen Spielaufbau gesetzt. Technische Fehler unterliefen beiden Teams (Leipzig insgesamt 10, Eisenach insgesamt 13). Max Beneke und Vukasin Antonijevic kamen kurzzeitig im Eisenacher Rückraum. Tillman Leu verkürzte bis auf zwei Treffer (14:12/26.). Beim Stand von 15:13 klatschte als letzte Aktion der ersten Halbzeit ein direkter Freiwurf von Max Beneke ans Holz des Leipziger Kastens.

Handball-Krimi in der Crunchtime

„Wir schaffen es nicht, unsere Abschlussleistung der ersten Halbzeit in der zweiten Spielhälfte fortzuführen“, merkte DHfK-Coach Frank Carstens kritisch an. „Gegen die gut eingespielte Leipziger Abwehr gelang es uns nicht, punktgenau anzugreifen. Im Angriff erreichten wir nicht unser Top-Level“, hatte auch Sebastian Hinze kritische Anmerkungen parat. Dominico Ebner, nach Wiederbeginn im DHfK-Kasten, Tomas Mrkva konnte im ersten Abschnitt nicht einen einzigen Ball abwehren, wurde nun ein Faktor (8 Paraden im zweiten Abschnitt). Eisenachs Abwehr, nun mit Dominik Solak und Philipp Meyer im Innenblock, stoppte im Verbund mit Schlussmann Matija Spikic das Angriffsspiel der Hausherren. Im Angriff blieben gute Wurfchancen ungenutzt. Moritz Ende und Dominik Solak scheiterten, die Sachsen trafen zum zwischenzeitlichen 20:16 (44.). Mit zwei Linkshändern (Seitz und Benneke), dazu Felix Aellen, sorgten die Wartburgstädter für Verwirrung in der Leipziger Defensive, die zudem im Vorwärtsgang patzte. Peter Walz (vom Kreis), Vincent Bühner (per Konter) und Tillman Leu (im Fallen vom Kreis) trafen zum Anschlusstreffer (20:19/47.). „Wir schnupperten, das Spiel zu drehen“, so Sebastian Hinze. Das gelang aber hier als auch beim 22:22-Ausgleichstreffer durch Philipp Meyer per abgeschlossenem Tempogegenstoß nicht (50.). Nach Videobeweis sah Leipzigs Tomas Piroch Rot, doch Felix Aellen brachte den fälligen Siebenmeter nicht an Domenico Ebner vorbei (51.). Eisenach verbaute den Hausherren den Weg zum Kasten. Distanzwürfe von Franz Semper und Blaer Hinriksson wurde geblockt. Inzwischen agierten wieder Tillman Leu und Philipp Meyer im Eisenacher Deckungs-Innenblock. Die Leipziger brachten Ahmed Khairi Nasralla für Dean Bombac. Ein Handball-Krimi war eingeleitet. In Überzahl fingen die Leipziger zwei Bälle ab, trafen zum 29:26 und wähnten sich am Ziel. Doch es kam anders. Franz Semper standen beim Privatsender DYN mit Blick auf seinen vergebenen letzten Wurf die Tränen in den Augen: „Wir haben 2026 noch keinen einzigen Heimsieg. Man macht dann selbst so einen Fehler. Man schämt sich.“ Freud und Leid lagen wieder einmal dicht beieinander.

Auswärtsspiele bei Liga-Top-Teams

Beide Teams stehen zum Osterfest von ganz schweren Auswärtsaufgaben, der SC DHfK Leipzig bei den Füchsen Berlin (Sonntag, 05.April bei den Füchsen Berlin, Anwurf 15.00 Uhr), der ThSV Eisenach beim THW Kiel (Samstag, 4.April, Anwurf auf 16.00 Uhr vorverlegt, live im mdr-Fernsehen).

Stimmen zum Spiel

Rene Witte, Geschäftsführer des ThSV Eisenach

„Das Spiel bot alles, was ein Derby ausmacht. Beide Mannschaften haben mit großem Einsatz bis zur letzten Sekunde gekämpft. Das Pendel hätte nach beiden Seiten ausschlagen können. Überragend, wie wir den 3-Tore-Rückstand in der Schlussphase noch ausgeglichen haben. Am Ende nahmen wir verdient einen Punkt mit nach Thüringen. Blicken wir auf die nackten Zahlen: Auf die HSG Wetzlar haben wir einen Punkt gut gemacht, der 8-Punkte-Vorsprung auf den SC DHfK Leipzig ist geblieben. Ich wünsche, dass Leipzig den Klassenerhalt schafft, es dieses Mitteldeutschland-Derby auch nächste Saison gibt. Nahezu 500 ThSV-Fans haben heute in der Arena Leipzig unser Team fantastische unterstützt. Einzigartig! Im Namen der Mannschaft ganz großen Dank an unsere Fans!

Maik Nowak, in Leipzig wohnender und an der Hochschule als Lehrer arbeitender Sportliche Leiter des ThSV Eisenach:

 „Beeindruckend, wie wir nach Rückständen zurückgekommen sind, uns wieder ran gearbeitet und verdient einen Punkt mitgenommen haben. Schade, dass unser torgefährlicher linker Rückraumspieler Dominik Solak mach einem Kopftreffer raus musste. Er musste im gesamten Spiel viel einstecken. Wenn wir gewonnen hätten, wäre es wohl des Guten zu viel gewesen. Letztendlich verbuchten wir verdient einen Pluszähler.“

Vincent Büchner, Linksaußen des ThSV Eisenach, der in der 59. Minute per Gegenstoß zum 29:29-Ausgleich einnetzte:

Ein gewonnener Punkt. Im Spielverlauf mehrfach und auch in der Crunchtime lagen wir zurück, doch wir sind drangeblieben, haben die Nerven behalten, sind mental stark geblieben. Wir haben in der Abwehr gut verteidigt, dadurch den einen oder anderen Fehler im Angriff kompensiert. Zum Ende der ersten Halbzeit hätten wir den Ball auf das Tor bringen müssen, in der Schlussphase der zweiten Halbzeit vermochten wir Großchancen nicht zu nutzen. Diesbezüglich müssen wir noch an unserer Cleverness arbeiten, in Stressmomenten stabiler werden. Unter dem Strich steht ein Auswärtspunkt. Das zählt.

Felix Aellen, Spielmacher des ThSV Eisenach: 

„Es wurde das erwartet schwere und zugleich stimmungsvolle Derby. Die Intensität war hoch. Den Spielverlauf betrachtend, wir lagen in der 57. Minute mit drei Toren im Rückstand, haben wir einen Punkt gewonnen.“

Tillman Leu, Kreisspieler des ThSV Eisenach, bei seinen 4-Trefern mit einer 100-Prozent Wurfquote:

„Unsere Abwehr stand in den ersten 20 Minuten schlecht. Da fehlten mir die Emotionen. Das wurde dann deutlich besser. In der Schlussphase der Partie standen wir hinten kompakt und schlossen vorn zum verdienten Ausgleich ab.“

Marko Mamic, Abwehrchef des SC DHfK Leipzig:

„Mit technischen Fehlern haben wir Eisenach wieder ins Spiel gebracht.“

Sebastian Hinze, Trainer des ThSV Eisenach:

„Wir haben einige Zeit gebraucht, um ins Spiel zu kommen. Überragend im ersten Abschnitt, Leipzigs Franz Semper. Wir kassierten Gegentore aus zentralen Positionen. Ab der 20. Minute prägten zwei aufopferungsvoll kämpfende Abwehrreihen die Partie. Wir schnupperten mehrfach daran, das Spiel zu drehen. Gegen die gut eingespielte Leipziger Abwehr gelang es uns nicht, punktgenau anzugreifen. Im Angriff erreichten wir nicht unser Top-Level.  Dominik Solak wartete mit überragenden Aktionen aus dem linken Rücktraum auf, für den Oskar Joelsson ja verletzungsbedingt fehlte.  Unser Torhüter Matija Spikic zeigte wichtige Paraden. Beide Teams warteten über die 60 Minuten mit einer Riesenmoral auf.  Uns gelang ein wichtiger erster Auswärtspunkt, wichtig für die Moral. Mein Job war von Beginn der Saison, den Bundesliga-Standort Eisenach zu verteidigen. Hierfür haben wir aktuell eine gute Ausgangsposition. Ein riesiger Dank geht an unsere Fans. Dieser emotionale Rückhalt war enorm wichtig. Unsere Mannschaft zerreißt sich für den Bundesliga-Standort Eisenach, von unseren Fans kriegen wir das zurück.

Frank Carstens, Trainer des SC DHfK Leipzig

„Wir schaffen es nicht, unsere Abschlussleistung der ersten Halbzeit in der zweiten Spielhälfte fortzuführen. Schon ab der 25. Minute wurde es schwieriger für uns. Unser zur Halbzeit eingewechselter Torhüter Domenico Elbner sorgte dafür, dass das Spiel für uns nicht wegging. Ich haben bei den Siebenmeter-Werfern jedes Mal gewechselt, weil wir da zuletzt keine gute Quote hatten. Das habe ich mir vom HSV Hamburg abgeschaut. Mit unserer Spielleitung in der Schlussphase der zweiten Halbzeit bin ich nicht zufrieden. Nach unserer 29:26-Führung unterliefen uns drei technische Fehler. Das gesamte Spiel betrachtend, war es für uns ein verlorener Punkt. Wie wertvoll er vielleicht werden kann, werden wir am Saisonende sehen.“

Statistik

SC DHfK Leipzig: Mrkva (0 Paraden), Ebner (ab 31./ 8 Paraden); Piroch (3), Krzikalla (3/1), Binder (1), Mamic, Khari Nasralla, Peter (1/1), Preuss (1), Gauer, Semper (8), Rogan (2), Hinriksson (6/1), Bombach (4), Hertzfeld, Koschek

ThSV Eisenach: Spikic (10 Paraden), Heinevetter; Reichmuth, Beneke, Attenhofer, Walz (3), Ende (3), Aellen (5/1), Meyer (1), Solak (6), Antonijevic, Seitz (2), Kurch, Büchner (5), Saul, Leu (4)

Siebenmeter:

SC DHfK Leipzig 3/4 - ThSV Eisenach 1/2

Zeitstrafen:

SC DHfK Leipzig 3 x 2 Min, Rot für Piroch nach grobem Foulspiel (51.)

ThSV Eisenach 6 x 2 Min.

Schiedsrichter: Schulze/ Tönnies

Zuschauer: 5.912

Th. Levknecht

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