Nach Niederlage in Köthen Schlusslicht

MHV-Regionalliga Männer: Eine erneut miserable Wurfeffektivität führte zur 21:34 (8:16) -Niederlage unserer Zweiten bei der HG Köthen/ Lichtblick: der Einstand des 17-jährigen Louis Kryeziu  

Unsere Zweite begrüßt in Köthen die Zuschauer - Foto: Th. Levknecht

Im 14. Punktspiel der Regionalliga Männer des Mitteldeutschen Handballverbandes bezog der ThSV Eisenach II seine 10. Niederlage. Bei der HG Köthen unterlagen die Wartburgstädter am Ende deutlich mit 21:34 (8:16) und rutschten, aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber dem punktgleichen HC Aschersleben, auf den letzten Tabellenplatz. Torhüter Bastian Freitag und der 17-jährige Rückraumspieler Louis Kryeziu verhinderten ein Debakel. Während seines 45-minütigen Einsatzes parierte Bastian Freitag 17 Bälle. Louis Kryeziu stand erstmals in einem Männerspiel auf dem Parkett, kam schon vor der Pause im Angriff als Mittelmann, steuerte aus dem 4-Mann-Rückraum die Nahtstellen der gegnerischen Abwehr an, ging dahin, wo es weh tut. Der nur 1,70 Meter große Youngster zeigte keine Angst vor den Abwehrkanten der Gastgeber, narrte diese mehrfach leichtfüßig, markierte selbst 4 Treffer oder konnte nur regelwidrig gestoppt werden. „Ich hätte mir bei meinem Einstand im Männerbereich natürlich ein besseres Ergebnis gewünscht, habe mit meiner Schnelligkeit versucht, der Mannschaft zu helfen“, erklärte der Luxemburger während einer Talkrunde nach dem Spiel. 

Der ThSV Eisenach II knüpfte am Samstagabend nahtlos an die miserable Torwurfeffektivität bei der 25:30-Heimniederlage gegen den HC Glauchau/Meerane an. Scheiterte das Team in der Vorwoche am 42-jährigen Keeper Ludek Kylisek, der 19 Bälle parierte, war es nun der 27-jährige Leonard Serfas im Kasten der HG Köthen, der 20 Eisenacher Würfe abwehrte. Einen rabenschwarzen Tag erwischte Armend Alaj. Egal, von wo der Nationalspieler des Kosovo abzog, entweder Torhüter Leonard Serfas parierte oder das Leder landete neben oder über dem Kasten. Aus 11 Versuchen sprang gerade ein einziger Treffer heraus. Rückraum-Hüne Ole Gastrock-Mey hatte bei mehreren Holztreffern Wurfpech. Spieleübergreifend brachte der ThSV Eisenach II 9 (!) Siebenmeter in Serie nicht unter. In Köthen scheiterten Armend Alaj und Leif Katzwinkel je zweifach vom Strich. Erst Julius Brenner beendete diese Negativ-Serie in der 51. Minute, markierte damit den 18. Treffer für sein Team. Doch nach dem 24:18-Zwischenstand (51.) setzte die HG Köthen zur Schlussoffensive an, schraubte – zur Freude ihrer über 320 Zuschauer – das Polster zum 13-Tore-Sieg in die Höhe. Da standen die Gäste zumeist in Unterzahl auf dem Parkett.   „Eine Super-Abwehr hat mir geholfen. In der Schlussphase waren wir in der Lage, noch in einen höheren Gang zu schalten“, freute sich Leonard Serfa. Sein Teamkollege Lukas Krug war mit 10 Treffern bester Werfer auf dem Parkett der Heinz-Fricke-Sporthalle. Hier hatte die erste Mannschaft des ThSV Eisenach vor 33 Jahren, am 21.11.1992, in einem Pflichtspiel gegen die HG Köthen eine unerwartete 15:17-Niederlage kassiert.

Es wurde nichts mit spannendem Spiel

„So leicht hatte ich mir die Aufgabe nicht vorgestellt. Wir hatten mit einem spannenden Spiel gerechnet. Ohne Routinier Duje Miljak war die Eisenacher Abwehr nicht so stabil. Wir hatten uns auf ein schnelles variantenreiches Angriffsspiel der Gäste, mit vielen 1 gegen 1-Aktionen, eingestellt, doch mit einer Super-Abschlussquote legten wir eine 8:1-Führung vor. Die Gäste scheiterten an unserem Torhüter. Frühzeitig schienen die jungen Eisenacher den Glauben verloren zu haben, bei uns was holen zu können“, bilanzierte Martin Lux, der Coach der HG Köthen, im Berufsleben Lehrer an einer Förderschule.  Bis zur 8:1-Führung der HG Köthen (12.) hatte der ThSV Eisenach bereits 7 gute Torchancen versiebt.

Warnende Worte des Kapitäns des ThSV Eisenach II

„Wir sind erneut an uns selbst gescheitert. Bei uns haben Ehrgeiz, Willen und Emotionen gefehlt. Respekt und Anerkennung für die Leistung unseres jungen Louis Kryeziu“, bilanzierte Julian Rothhämel. Der Kapitän des ThSV Eisenach II sprach gar von einer trostlosen Vorstellung. „Wir müssen punkten, müssen aufpassen, nicht in einen negativen Strudel zu geraten“, betonte der Rückraumspieler.

„Das war nun schon das zweite Spiel, in dem wir das Tor nicht treffen“, stellte Spielertrainer Qendrim Alaj ernüchternd fest. Er war quasi aus dem Krankenbett zum Mannschaftsbus gekommen, um in Köthen zumindest die Trainerrolle zu übernehmen. Für das Siebenmeter-Dilemma hatte er keine Erklärung. Im nächsten Spiel will er wieder selbst zum Strich schreiten. „Wir dürfen beim Blick auf die Tabelle nicht den Kopf verlieren. Klar ist, wir sind jetzt im Zugzwang“, erläuterte Qendrim Alaj die Lage seines Teams.

Gastgeber stellen früh die Weichen

Neben Duje Miljak (berufsbedingt) fehlten Felix Cech und Marec Stupka (beide erkrankt). Nach dem 8:1 (12.) griff Qendrim Alaj zur grünen Karte. Das „Fahrkartenfestival“ fand aber seine Fortsetzung. Personelle und taktische Veränderungen blieben ohne die erhoffte Wirkung. Nach dem 12:4 (19.) rief Qendrim Alaj erneut zur Auszeit, schickte die 17-jährigen Louis Kryeziu (Rückraum Mitte) und Tim Nothum (Rechtsaußen) zu ihrem Debüt im Männerbereich auf das Spielfeld. Bastian Freitag blieb Sieger im Siebenmeter-Duell und parierte mehrfach glänzend. Leif Katzwinkel stibitzte sich das Leder und vollendete zum 7. Treffer für sein Team (13:7/27.).

Kurzes Aufflackern war nur Strohfeuer

„Zur Pause hatten wir uns einiges vorgenommen. Es gelang uns auf 5 Treffer zu verkürzen, doch dann unterliefen uns wieder dumme Fehler, die die Hausherren rigoros bestraften“, konstatierte Qendrim Alaj. Vom 20:12 (38.) verkürzte der ThSV Eisenach II auf 21:16 (43.). Ole Gastrock-Mey hatte eingelocht. Kurz keimte Hoffnung. Bastian Freitag blieb zum zweiten Mal Sieger im Siebenmeterduell (47.). Doch seine Teamkollegen trafen auf der anderen Seite nicht ins Netz. Anders die Hausherren. Da zirkelte sogar Keeper Leonard Serfas das Leder in den verwaisten Eisenacher Kasten (27:18/ 54.). Helle Aufregung in der Abwehr der HG Köthen, wenn der kleine Louis Kryeziu durchstartete. Die letzten 10 Minuten gingen dennoch mit 10:3 an die HG Köthen. „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, tönte es nach dem Abpfiff aus dem Lautsprecher. Die Eisenacher verschwanden rasch in der Kabine. Für sie war der Nikolaus-Tag alles andere als ein schöner Tag…

 

Statistik

 

HG 85 Köthen: Christian Kanzler, Leonard Serfas 1; Benet Fenyö 1, Lukas Krug 10, Tim Gmirek 2, Moritz Brodowski 2, Laurenz Brodowski, Sebastian Kuhl 1, Justin Milkow 3, Jan-Malte Matz, Jakob Hensen 4, Yasin Jaidi 3, Steven Just 7

ThSV Eisenach II: Büchner, Freitag; Brenner (4/1), Rehm, Nothum, Ruppert (1), Schlotzhauer, Kryeziu (4), Gastrock-Mey (3), Ukaj, A. Alaj (1), Katzwinkel (6), Rothhämel (2)

Siebenmeter: HG Köthen 0/2 – ThSV Eisenach II 1/5

Zeitstrafen: HG Köthen 3 x 2 Min. – ThSV Eisenach II 4 x 2 Min.

Schiedsrichter: Mujakovic/ Rugies

Zuschauer: 324

Th. Levknecht