Nachgefragt bei Max Beneke!

Ein Sinneswandel führte Max Beneke zum ThSV Eisenach - Wir hoffen auf viele Treffer des 22-jährigen Rückraum-Shooters

Max Beneke beim Torwurf im ThSV-Trikot - sportfotoseisenach

Ein Sinneswandel führte Max Beneke zum ThSV Eisenach

Wartburgstädter hoffen auf viele Treffer des 22-jährigen Rückraum-Shooters

Bevor beim Wartburg-Cup Mitte dieses Monats der erste Pfiff ertönte, brandete Beifall in der Werner-Aßmann-Halle auf. Rene Witte, der Geschäftsführer des ThSV Eisenach, verkündete, dass Rückraumspieler Max Beneke auf Leihbasis von den Füchsen Berlin zum Thüringer Traditionsverein wechselt. Und der Beifall wurde fast zum Orkan, denn der 22-jährige 3-fache Nationalspieler kam persönlich im Trikot des ThSV Eisenach durch die Tür, absolvierte wenige Minuten später – ohne eine einzige Trainingseinheit mit seinem neuen Team – gleich das erste von drei Turnierspielen, ließ einige Tage später beim 28:26-Testspielsieg über Zweitbundesligist TuSEM Essen seine Shooter-Qualitäten bei 5 Treffern schon mal aufblitzen. Eigentlich wollte sich der 1,98 Meter große Linkshänder bei den Füchsen Berlin - trotz eines Welthandballers Matthias Gidsel im rechten Rückraum - durchbeißen, doch dann änderte er seine Meinung zu einer Leihe. Die Verpflichtung des norwegischen Nationalspielers Tobias Gröndahl löste beim U21-Weltmeister von 2023, der zuvor von der U 17 bis zur U 20 in allen deutschen Auswahlmannschaften am Ball war, einen Sinneswandel aus. Im Dezember 2024 hatte sich Max Beneke, trotz Anfragen von fünf Erstligisten, noch gegen eine Leihe entschieden. In der Saison 2024/2025 stand er – laut HBL-Dienstleister Kinexon – in 33 Spielen etwas mehr als 300 Minuten auf dem Parkett. (Zum Vergleich: Matthias Gidsel spielte in 33 Spielen 1.672 Minuten.)

Wir sprachen mit dem in Greifswald geborenen, in Loitz, Landstadt im Landkreis Vorpommern -Greifswald, aufgewachsenen Max Beneke, der nach dem in Berlin abgelegten Abitur ein Studium Geschichte und Sport auf Lehramt begann:  

Wie kam der Blitztransfer zustande?

Ich hatte mir die Vorsaison bei den Füchsen Berlin, nach der Rückkehr vom 1.VfL Potsdam, anders vorgestellt. Ja, ich hatte mit Matthias Gidsel den besten Spieler der Welt auf meiner Position vor mir, doch ich hatte auf mehr Einsatzzeiten gehofft. Die Füchse Berlin wurden erstmals in ihrer Geschichte Deutscher Meister. Dieser Titel soll verteidigt werden. Sicherlich mit der eingespielten Mannschaft. Ein Nachteil für mich. Es kam zu einem Überangebot auf meiner Position, da durch die Neuverpflichtung auch noch Fabian Wiede auf die halbrechte Position rückte. Ich sah keine Option zu mehr Spielzeit. Ein Wechsel zum Bergischen HC hatte sich zerschlagen. Die Saisonvorbereitung absolvierte ich komplett mit den Füchsen. Dann kam die Anfrage aus Eisenach. Beide Vereine nahmen Kontakt auf. Es gab schon am nächsten Tag das Treffen mit Eisenachs Trainer Sebastian Hinze. Donnerstag vor dem Wartburg-Cup war ich in Eisenach, unterschrieb am Tag darauf meinen Vertrag und trug wenige Stunden später schon das Trikot des Kultklubs von der Wartburg.

Was war das für ein Gefühl, beim Wartburg-Cup im Trikot des ThSV Eisenach dabei zu sein?

Ich hatte wenig Zeit zum Nachdenken. Ich wurde überaus freundlich von den Fans empfangen, war überrascht von der großen Zuschauerzahl bei einem Vorbereitungsturnier. Ich kenne ja die Stimmung in der Werner-Aßmann-Halle von meinen Gastspielen mit Potsdam und den Füchsen. Vor dem ersten Spiel hatte ich kaum Berührungspunkte mit den Spielern und dem Konzept.  

Ihr Fazit nach den ersten Tagen?

Anschnuppern war die ersten Tage angesagt. Ich wurde bestens aufgenommen, freue mich auf meine demnächst zu beziehende Wohnung in der Südstadt. Handballerisch verinnerliche ich System und Konzepte immer mehr. Wir arbeiten jeden Tag hart, sind fokussiert auf den Saisonstart gleich mit dem mitteldeutschen Derby gegen den SC DHfK Leipzig.

Mit dem ThSV Eisenach kommen Sie in eine Mannschaft mit vielen jungen Spielern. Ein Vorteil für Sie?

Viele Bundesligisten setzen auf junge Spieler. Ich glaube, der ThSV Eisenach hat einen sehr guten Mix. Der Kabinen-DJ sorgt für Musik für alle Geschmäcker. Und man wird früh erwachsen. Die Gesprächsthemen gleichen sich an, beispielsweise über andere Sportarten.

Mit Ihnen geht der ThSV Eisenach mit 7 externen Zugängen in die neue Spielzeit. Was meinen Sie nach den ersten Eindrücken, was geht diese Saison?

Ich sehe uns vor einer schweren Saison. Durch die beiden starken Aufsteiger ist die Liga noch ausgeglichener geworden. Wir werden hauptsächlich unsere Punkte in der heimischen Halle, mit unseren Fans im Rücken, holen müssen. Sicherlich insbesondere gegen Kontrahenten unserer Kragenweite. Wir wollen frühestmöglich punkten, um nicht in die Bredouille im Kampf um den Klassenerhalt zu kommen. Auch, um hintenheraus befreiter aufspielen zu können. Als junge Mannschaft gilt, sich Woche für Woche weiterzuentwickeln. Alle brauchen Geduld!

Wo sehen Sie Ihre Stärken, wo noch Nachholbedarf?

Ich besitze einen guten Wurf. Das Spiel Mann gegen Mann ist in der Offensive noch ausbaufähig. Ich sehe mich als soliden Deckungsspieler, muss aber im 1 gegen 1 gegen schnelle Spieler besser werden, da bin ich noch zu langsam auf den Beinen.  

Nach den Einsätzen in den U-Nationalmannschaften von 17 bis 21 bestritten Sie im April 2023  Einsätze in der deutschen Männer-Nationalmannschaft, erhielten zuletzt aber keine Einladungen mehr…?

Aufgrund von Verletzungen anderer Spieler erhielt ich seinerzeit die Einladung zur Männer-Nationalmannschaft. Zuletzt habe ich wenig im Verein gespielt und konnte mich folglich nicht empfehlen. Wichtig für mich jetzt, in der Bundesliga zu zeigen, was ich draufhabe. Ich brauche Spiele und Spielzeit, um mir meine Routine wieder zu erarbeiten. Die Nichtberücksichtigung kann sich ja ändern….

Werfen wir einen Blick auf den Verlauf Ihrer bisherigen Handball-Laufbahn…

Im Alter von 5 Jahren begann ich mit Handball im Verein, beim HSV Peenetal Loitz. In einer Kleinstadt wie Loitz gibt es nicht so viele Sportmöglichkeiten. Entweder Fußball oder Handball. Mein Bruder spielte Handball. Ein Klassenkamerad spielte Handball. Zur Halle war es von unserem Haus nur 5 Minuten zu Fuß. Ich wollte gemeinsam mit anderen Sport treiben. Im Team. Handball ist ein sehr schneller Sport. Athletik und Koordination waren von Beginn an gefragt. Ambitionierte Trainer, wie mein D-Jugend-Coach Andre Schumacher, wussten uns für diesen körperbetonten Sport zu begeistern. Beim Handball ist man ständig in Angriff und Abwehr gefordert, ist zum Nachdenken über Lösungswege und taktische Kniffe angehalten. Aufgrund meiner Größe und als Linkshänder landete ich schnell im rechten Rückraum.  Mit 12 Jahren kam ich zur Sportschule nach Potsdam. Im B-Jugend-Alter ging es zu den Füchsen nach Berlin. In der Saison 2020/2021 bejubelte ich mit den Füchsen Berlin die deutsche Meisterschaft der A-Jugend.  Mitte November 2021 debütierte ich in der ersten Mannschaft und das gleich in der EHF European League im Auswärtsspiel gegen Orlen Wisla Plock. Zur Saison 2022/23 kehrte ich zum 1. VfL Potsdam zurück, mit einem Zweitspielrecht für die Füchse Berlin. Mit 291 Toren wurde ich Torschützenkönig in der 2. Bundesliga, stieg mit Potsdam in die 1. Bundesliga auf. Seit Sommer 2024 trug ich wieder das Füchse-Trikot. Seit wenigen Tagen das blaue des ThSV Eisenach.

Ihr Lieblingsessen?

Alles, was Mama und Oma kochen. Ich freue mich, wenn ich zuhause bin, dann gibt es immer was Leckeres, deutsche Küche. Während der Woche koche ich oft selbst, achte darauf, dass es nicht so fettig ist. Bei Mama und Oma darf es dann schon mal etwas kalorienreicher sein….

Ihre Lieblingsmusik?

Eigentlich bin ich für fast alles zu haben. Ich höre sehr gerne deutschsprachigen Hip-Hop und Indie. Dabei überzeugen mich vor allem eine Vielfalt an Instrumenten und ansprechende Texte.  Indie-Musik ist ein Genre der populären Musik, das unabhängig von großen Plattenlabels produziert wird und für seine kreative Freiheit und Vielfalt bekannt ist.

Max Beneke, vielen Dank für die Einblicke in Ihr Leben, viel Erfolg beim ThSV Eisenach!

Th. Levknecht

Max Beneke mit unserem Geschäftsführer Rene Witte
Max Beneke beim Wartburg-Cup am Siebenmeter-Strich - sportfotoseisenach