Ungereimtheiten in der Rollstuhl-Handballbundesliga
Wo bleibt der Gedanke der Inklusion! Wortmeldung der Blue Lions des ThSV Eisenach zur 2. Saison der Rollstuhl-Handballbundesliga

Am 21. Februar 2026 startete die Rollstuhl-Handballbundesliga in ihre zweite Saison. Die Eröffnung fand in Hannover mit Presse, Kamerateam und Bürgermeister statt. In dieser Saison nehmen 7 Mannschaften am Punktspielbetrieb teil.
Die Spielstätte des amtierenden deutschen Meisters im Rollstuhlhandball, den Blue Bandits aus Hannover, bietet ideale Voraussetzungen für die Durchführung eines Turniers der Rollstuhl-Handballbundesliga mit 7 Teams; zwei nebeneinander liegende Sporthallen, ausreichende Umkleidekabinen, Toiletten und Zuschauerränge. Alles barrierefrei und mit den breiteren Sportrollstühlen erreichbar. Allerdings gab es schon einige Pannen bei der Durchführung des 1. Spieltages. Um das Turnier mit 7 Mannschaften an einem Tag durchzuziehen, wurde ein viel zu enger Zeitplan konzipiert, der nicht umzusetzen war.
Beginn: 11.00 Uhr – Siegerehrung 18.30 Uhr
Damit 21 (!!) Spiele stattfinden konnten, gab es lediglich eine Halbzeitpause von 1 Minute. Das reichte nicht einmal, um die Seiten zu wechseln. Deshalb wurde teilweise auf den Seitenwechsel verzichtet. An eine kurze Erholungsphase der Sportler/innen oder eine taktische Besprechung war nicht zu denken.
Jedes Team hatte 6 Spiele über jeweils 2 x 15 Minuten zu absolvieren. Das entspricht einer effektiven Spielzeit von 3 Stunden! Für durchtrainierte und noch aktive Sportler/innen schon extrem anstrengend, aber für Sportler/innen mit einem GdB (Grad der Behinderung) ist es hart an der Belastungsgrenze. Eigentlich schon darüber hinaus! Aus diesem Grund und auch aus gesundheitlichen Bedenken trat die Mannschaft der Blue Lions des ThSV Eisenach zu den letzten beiden Turnierspielen nicht mehr an.
Nach unserer Meinung startete man ohne Plan und Konzept in die Rollstuhl-Handballbundesliga-Saison. Alles wurde in Eigenregie entschieden, ohne die teilnehmenden Mannschaften einzubeziehen. Jetzt, nachdem „das Kind eigentlich schon in den Brunnen gefallen ist“, wurde völlig überraschend festgestellt, dass die anderen Vereine ja nur eine Sporthalle zur Verfügung haben und somit ein Spieltag mit 21 Spielen überhaupt nicht durchführbar ist. Das Koordinierungskomitee entschließt sich jetzt, also während einer bereits laufenden Spielserie, die Wettspielordnung für die weitere Durchführung der Rollstuhl-Handballbundesliga zu ändern. Es wurden drei Vorschläge unterbreitet, über die alle beteiligten Teams innerhalb von 10 Tagen abstimmen sollen, welche Variante machbar wäre. Gleichzeitig bittet man jetzt alle Mannschaften um eigene Vorschläge.
Ein Vorschlag vom eigentlichen Koordinierungsteam war, die Spielzeit auf 1 x 15 Minuten zu begrenzen. In welcher Mannschaftssportart werden Meisterschaften mit einer Spielzeit von 15 Minuten entschieden? Das gehört eigentlich ins „Guinnessbuch der Rekorde“. Bei dieser kurzen Spielzeit wird jede Mannschaft ihre stärkste Aufstellung wählen, weil sich Fehler und Rückstände nicht mehr korrigieren lassen. Das bedeutet, kaum noch Einsatzzeiten für Spieler/innen mit geistiger oder körperlicher Behinderung. Wo bleibt da der Gedanke der Inklusion?
Ein Beispiel vom 1. Spieltag. Der amtierende deutsche Meister aus Hannover gewann ein Spiel mit 17:0 Toren. Allein 12 Tore erzielten Spieler/innen ohne GdB, ohne geistige oder körperliche Behinderung. Das hat mit Inklusionssport nichts mehr zu tun. Es muss schnellstens eine faire Punktebewertung jedes einzelnen Sportlers/innen vorgenommen werden. Der unterschiedliche Grad der Behinderung braucht eine extra Einordnung.
Abschließend sei erwähnt, dass schon visionär über eine deutschen Rollstuhlhandball-Nationalmannschaft und Teilnahmen an internationalen Turnieren geredet wird. Dazu braucht es aber eine funktionierende Bundesliga. Und die haben wir nicht.
Blue Lions des ThSV Eisenach
Bernd Fichtner, Spielertrainer der Blue Lions, Mitglied des Vorstandes des ThSV Eisenach e.V.
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