„Wir wurden hinterlaufen, überlaufen und überworfen."

Schwächeanfall nach der Halbzeitpause - ThSV Eisenach bekommt in der zweiten Halbzeit keinen Zugriff in der Abwehr, unterliegt dem TBV Lemgo Lippe mit 34:38 (14:15)

Moritz Ende beim Torwurf am Freitagabend - sportfotoseisenach

Eigentlich wollte der ThSV Eisenach den rechnerischen Klassenerhalt perfekt machen, doch stattdessen beendete der auf dem 6. Tabellenplatz rangierende TBV Lemgo Lippe eine Serie von 8 sieglosen Spielen. Die Wartburgstädter unterlagen den Lipperländern vor erneut ausverkaufter Werner-Aßmann-Halle mit 34:38 (14:15). Beide Teams mussten verletzungsbedingt auf einige Stammkräfte verzichten. Beim ThSV Eisenach fehlten erneut Dominik Solak, Philipp Meyer, Max Beneke und Silvio Heinevetter. Torwarttrainer und Teammanager Stanislaw Gorobtschuk fand sich im Spielprotokoll unter den Aktiven wieder, stand auch zwischen der 43. und 56. Minute für den glücklosen Matija Spikic im Kasten. Das Torwartduell ging klar an die Gäste. Für TBV-Keeper Urh Kastelic wurden 12 Paraden notiert. (Der österreichische Auswahltorwart Constantin Möstl stand nicht im Kader.). Das Eisenacher Torhüterduo Spikic/Gorobtschuk kam zusammen auf gerade einmal 6 Paraden.

Ausschlaggebend, darin waren sich beide Trainer einig, der Start in die zweite Halbzeit mit einem 5:1-Lauf für den TBV Lemgo Lippe. Aus einem 14:15-Halbzeitstand wurde ein 15:20 (36.). „Wir haben damit die Kontrolle über das Spiel übernommen, der Abstand blieb“, freute sich Florian Kehrmann, seit Dezember 2014 auf der Kommandobrücke des TBV Lemgo Lippe, und damit dienstältester Bundesligacoach. „Die erste Halbzeit verlief sehr ausgeglichen, wir ließen gute Torchancen liegen. Im zweiten Abschnitt bekamen wir defensiv keinen Zugriff, haben es nicht geschafft, defensiv zu unserer gewohnten Stabilität zu finden“, konstatierte Eisenachs Coach Sebastian Hinze. „Wir wurden in der Abwehr immer wieder hinterlaufen. Unsere Defensive war nicht so, wie wir sie kennen. Die Kommunikation klappte nicht. Wir sind im zweiten Abschnitt ständig einem 4 bis 5-Tore-Rückstand hinterhergelaufen. Der TBV Lemgo Lippe ist dafür bekannt, lange und geduldig zu spielen, wenige Fehler zu machen. Wir markierten allerdings 34 Tore, das müsste im Heimspiel für einen Sieg reichen“, erklärte Eisenachs Rechtsaußen-Spieler Moritz Ende. „Wir wurden hinterlaufen, überlaufen und überworfen. Warum? Absprachen wurden nicht eingehalten. Das muss unbedingt wieder besser werden“, fand Eisenachs Tillman Leu, mit Justin Kurch im Deckungs-Innenblock, klare Worte, bevor er zu ein paar freien Tagen zum Pfingstfest in Richtung Heimat aufbrach. „Der TBV Lemgo Lippe spielt seinen Stiefel 60 Minuten herunter. Das hat er in Eisenach unter Beweis gestellt. Der 1:5-Lauf nach Wiederanpfiff war eine zu schwere Hypothek, die wir nicht aufholen konnten“, bilanzierte Eisenachs langzeitverletzter Rückraumspieler Jannis Schneibel. „Für mich war es dennoch schön, mal wieder die Atmosphäre in der Werner-Aßmann-Halle genießen zu können“, ergänzte der 26-Jährige. Er hofft, in der nächsten Saison wieder selbst auf dem Parkett zu stehen. Nach langer Verletzungspause bestritt Aleksandar Capric sein erstes Heimspiel wieder. „Er warf auch sein erstes Tor wieder. Ich freue mich für ihn“, so sein Trainer Sebastian Hinze. Von einer „Willensleistung“ und einem „Abnutzungskampf“ sprach Florian Kehrmann. „Wir wussten, bei der aufgeheizten Stimmung in Eisenach wird es sehr schwer. Kompliment an meine Mannschaft, aufgrund von Verletzungen mit A-Jugend-Spielern im Kader“, unterstrich Florian Kehrmann, vor seiner Trainertätigkeit seit 1999 Spieler beim TBV Lemgo Lippe. In Hendrik Wagner (9 Treffer aus 10 Versuchen) und Niels Versteijnen (8 Treffer aus 12 Versuchen) konnte er auf zwei ausgesprochen treffsichere Rückraumspieler bauen, die mehrfach nahezu ohne Kontakt abziehen konnten. „Unterm Strich fanden wir nicht zu Stabilität in der Defensive, sonst unsere Stärke“, fasste Sebastian Hinze die 60 Minuten zusammen. Felix Aellen (8 Treffer aus 10 Versuchen) und Stephan Seitz 7 Treffer (aus 11 Versuchen) waren Eisenachs beste Werfer.

„Die Ostwestfalen haben über die Jahre ihre Mannschaft zusammengehalten und sich immer punktuell verstärkt. Mit dem Ergebnis, dass sie nun um das europäische Geschäft mitspielen“, befand Eisenachs Neu-Nationalspieler Vincent Büchner. Eigentlich wollte dieser den Klassenerhalt nicht auf der Couch feiern, lieber selbst eintüten, gewinnen am Samstag Wetzlar (gegen Erlangen) oder Minden (in Gummersbach) ihre Partien nicht, sind die Wartburgstädter auch theoretisch nicht mehr einzuholen.

Beide Teams mit guten Lösungen im Angriff

Die Eisenacher starteten von Vincent Büchner auf Links- und Gian Attenhofer auf Rechtsaußen, Oskar Joelsson, Felix Aellen und Stephan Seitz im Rückraum, Tillman Leu am Kreis und Matija Spikic im Tor. Justin Kurch kam in der Abwehr für Gian Attenhofer, bildetze mit Tillman Leu den Deckungs-Innenblock. Die Lipperländer starteten mit Leve Carstensen auf Links- und James Faust auf Rechtsaußen, Hendrik Wagner, Tim Suton und Niels Versteijnen im Rückraum, Joel Willecke am Kreis und Urh Kastelic im Tor. „Beide Teams fanden gute Lösungen“, blickte Florian Kehrmann auf die erste Spielhälfte. Viel Tempo war auf beiden Seiten angesagt. Felix Aellen zog trocken zum 4:3 ab (9.).  Vincent Büchner hob das Leder von Linksaußen zum 5:4 ins Netz (10.). Gian Attenhofer konnte einen Rückhandpass von Alexander Saul nicht verwerten. Stephan Seitz, immer wieder mit Power das Gäste-Gehäuse ansteuernd, markierte das 7:5 (12.). Nach Regelwidrigkeit an Stephan Seitz brachte Felix Aellen den fälligen Strafwurf nicht an TBV-Schlussmann Urh Kastelic vorbei (17.). Der Rückraum der Gäste versetzte Eisenachs Abwehr immer wieder. Hendrik Wagner traf schier nach Belieben. Tim Suton dirigierte das Angriffsspiel der Lipperländer. Jarnes Faus traf zum 9:11 (22.). Beim 13:13 (26.), einem von Felix Aellen verwandelten Siebenmeter, zeigte die Anzeigetafel bereits letztmalig  einen Gleichstand an. Vukasin Antonijevic und Aleksandar Capric kamen im Eisenacher Rückraum. „Mit dem 7 gegen 6 zum Ende der ersten Halbzeit erspielten wir uns einfache Torchancen, die wir auch nutzten“, rekapitulierte Florian Kehrmann. Joel Willicke und Niels Versteijnen schlossen zum 13:15 (30.) ab. ThSV-Kapitän Peter Walz verkürzte mit der Sirene noch auf 14:15.

ThSV Eisenach: Kein Zugriff in der Abwehr

Die fünf Minuten nach der Pause haben uns gekillt. Da haben wir vier Bälle mit technischen Fehlern, auch von mir, weggeworfen. Damit gerieten wir direkt in einen 5-Tore-Rückstand. Das zog sich dann über das ganze Spiel, weil Lemgo clever war und immer traf“, stellte Felix Aellen nüchtern fest. Dass in der Abwehr Philipp Meyer fehlte, wollte Moritz Ende nicht als Hauptgrund sehen. „Jeder hat seinen Job zu erledigen“, betonte der 26-Jährige. Für Felix Aellen war das Fehlen von Philipp Meyer schwerwiegend. „Er ist ein Spieler, der bisher gefühlte 60 Minuten in der Abwehr durchgeballert hat und nun plötzlich fehlt. Das spürst du. Diese kleinen Abmachungen und das Gefühl für den Spieler rechts oder links ist verändert. Das müssen wir in den nächsten drei Spielen auch mit Disziplin wieder hinkriegen“, so der Nationalspieler der Schweiz. Ein dickes Fragezeichen, ob Philipp Meyer noch einmal dabei sein wird. „Ich hoffe, zumindest im letzten Heimspiel, zu meinem Abschied vom ThSV Eisenach, mitwirken zu können“, erklärte der zum TVB Stuttgart abwandernde Abwehrchef. In der Abwehr bekam der ThSV Eisenach keinen Zugriff. In ganz kurzen Abständen lag das Leder immer wieder im Eisenacher Kasten. Die Schützlinge von Florian Kehrmann kombinierten sich leicht und locker frei, schlossen erfolgreich zum 22:28 (Nicolai Theilinger/45.) ab. Entscheidend zu verkürzen, gelang dem ThSV Eisenach nicht. Trotz 20 Treffer im zweiten Abschnitt. Dem standen 23 Treffer des Teams aus dem Lipperland gegenüber. Der Angriff konnte die Instabilität der Abwehr nicht kompensieren. Leise Hoffnung keimte beim Treffer von Vincent Büchner zum 26:30 ins leere Gäste-Gehäuse (51.). Über die Mitte hebelte der TBV Lemgo Lippe leichtfüßig die Eisenacher Abwehr aus. Joel Willecke schloss zum 29:34 und Hendrik Wagner zum 29:35 (beides in der 55. Minute) ab. Nach dem 32:38 (59.) betrieben Stephan Seitz und Vincent Büchner noch Ergebniskosmetik zum 34:38-Endstand.

Heimspiel gegen die Füchse Berlin

Bereits am Freitag, 29.05.2026 genießt der ThSV Eisenach erneut Heimrecht. Mit den Füchsen Berlin kommt ein nationales und internationales Topteam, das sich noch für die die Champions-League qualifizieren will.

Statistik ThSV Eisenach – TBV Lemgo Lippe 34:38 (14:15)

ThSV Eisenach: Spikic (5 Paraden), Gorobtschuk (43.-56./ 1 Parade); Joelsson (5), Reichmuth, Capric (1), Attenhofer (1), Walz (2), Ende (3), Aellen (8/4), Antonijevic (1), Seitz (7), Kurch (1), Büchner (4), Saul, Leu (1), 

TBV Lemgo Lippe: Kastelic (12 Paraden), Borreck (bei 1 Siebenmeter/ 0 Paraden); Hutecek, Theilinger (3), Zehnder (6/3), Simak (2), Carstensen, Nyfjäll, Suton (3), Willecke (4), Versteiijnen (8), Wagner (9), Faust (3), Sundermann, L. Kehrmann, Kracht

Siebenmeter:

ThSV Eisenach 4/5 – TBV Lemgo Lippe 3/3

Zeitstrafen:

ThSV Eisenach 4 x 2 Min. – TBV Lemgo Lippe 1 x 2 Min.

Schiedsrichter: Tanja Kuttler/ Maike Merz

Zuschauer: 2.850 (ausverkauft)

Spielfilm: 7:5 (12.), 9:11 (22.). 13:13 (25.), 14:15 (30.), 15:20 (36.), 22:28 (45.), 26:30 (51.), 30:36 (57.), 34:38 (60.)

Th. Levknecht

 

Stephan Seitz im Duell mit TBV-Keeper Urh Kastelic - sportfotoseisenach
Oskar Joelsson netzt zu einem seiner 5 Treffer (aus 7 Versuchen) ein - sportfotoseisenach
Felix Aellen versenkt zu einem seiner 8 Treffer - sportfotoseisenach
Gian Attenhofer, mit neuer Frisur, beim Torwurf von Rechtsaußen - sportfotoseisenach
Vincent Büchner beim Tempogegenstoß - sportfotoseisenach
Die Lemgoer Abwehr versucht Stephan Seitz zu stoppen - sportfotoseisenach
Mit ehrenden Worten gedachte der ThSV Eisenach dem verstorben einstigen Mannschaftsleiter Bernd Pflock. Vertreter des ThSV Eisenach hatten Bernd Pflock am Vormittag die letzte Ehre erwiesen.
Die Auto Möller Gruppe, vertreten durch Laura Schäfer (Disponentin) und Manuel Roth (re., Verkaufsberater Gotha) unterstützte unser Team als "Sponsor of the day". Links unser Sportlicher Leiter Maik Nowak - sportfotoseisenach
Peter Krauß, Vizepräsident des ThSV Eisenach, aktuell gemeinsam mit Günter Oßwald Geschäftsführer derb ThSV-Marketing GmbH, sprach zu den Sponsoren und Partnern - sportfotoseisenach